Wolfgang Prock-Schauer, Vorstandsvorsitzender der Air Berlin PLC + Co. Luftverkehrs KG (Quelle: imago).

Airline baut weitere Jobs ab - Chef von Air Berlin: BER-Eröffnung wohl nicht vor 2017

Die Fluggesellschaft Air Berlin muss sich weiter strecken: Wie der Konzern nun bekannt gab, sollen im Zuge des aktuellen Konzernumbaus 200 weitere Jobs gestrichen werden. Viel Hoffnung hatte der Konzern in den BER als neuen Standort gesteckt - doch der wird nach Meinung des Air-Berlin-Chefs nicht vor 2017 fertig.

Für die angeschagene Fluglinie Air Berlin ist der neue Hauptstadtflughafen BER extrem wichtig. Das  betonte Airline-Chef Wolfgang Prock-Schauer am Montag bei einer Veranstaltung der Industrie- und Handelskammer Berlin. Hier sei ihm allerdings ein perfekt funktionierender Bau lieber als ein Provisorium, so Prock-Schauer. An eine Eröffnung im Jahr 2016 glaube er daher nicht. "2017 sollte ein realistisches Datum sein." Schon jetzt aber müsse überlegt werden, wie der Flughafen dann sinnvoll erweitert werden könne.

Mit den Problemen am BEr kann sich der Chef der Air Berlin derzeit aber ohnehin nur am rande auseinandersetzen. Bei der gleichen Veranstaltung gab Prock-Schauer bekannt, dass Air Berlin weitere Stellen streichen muss: 200 Jobs will der Konzern abbauen. Laut einem Unternehmenssprecher habe der Konzern die Mitarbeiter der Fluglinie darüber bereits informiert.

Air Berlin nimmt demnach "punktuelle Personalanpassungen" in der Verwaltung und am Boden vor. Der Abbau solle sozialverträglich ablaufen, etwa indem frei werdende Stellen nicht mehr neu besetzt würden. In den vergangenen Jahren waren der langwierigen Sanierung bereits 900 Jobs zum Opfer gefallen - derzeit zählt der angeschlagene Lufthansa-Rivale 8.500 Beschäftigte.

200 Stellen weg - aber kein weiterer Jobabbau

Darüber hinaus sei kein weiterer Stellenabbau geplant, sagte der Air-Berlin-Sprecher. "Wir sind richtig positioniert, müssen aber effizienter werden und gewisse Bereiche restrukturieren - und das kostet auch Geld", so Prock-Schauer.

Der neuerliche Jobabbau ist Teil des jüngsten Sanierungsprogramms, dessen Details zusammen mit der Zwischenbilanz am 13. November vorgestellt werden sollen. Bekannt ist bislang, dass die Fluglinie ihre Kapazität um fünf Prozent reduziert.

Krise wegen zu schnellem Wachstum

Air Berlin steckt wegen eines übereilten Expansionskurses tief in der Krise und hat in den vergangenen fünf Jahren nur einmal Gewinne verbucht. Die arabische Airline Etihad kaufte 2011 knapp 30 Prozent der Aktien und hält die Berliner seither mit Finanzspritzen von bislang 800 Millionen Euro und Sachleistungen wie neuen Flugzeugsitzen über Wasser.

Ohne die Hilfen stünde Air Berlin vor dem Aus. Im Gegenzug sicherte sich die staatliche Fluggesellschaft vom Persischen Golf über Gemeinschaftsflüge mit Air Berlin einen besseren Zugang zum deutschen Markt. Allerdings kippte die deutsche Luftfahrt-Aufsicht vor wenigen Wochen diese sogenannten Codeshare-Abkommen. Aus derzeitiger Sicht dürfen sie nur noch diesen Winter angeboten werden.

Code Sharing mit Etihad "wichtig für den Standort Berlin"

Ein Verbot würde den Konsumenten und dem Standort Berlin schaden, so Prock-Schauer. In Hinsicht auf die Genehmigung gemeinsamer Flüge setzt Prock-Schauer auch auf das Interesse der Politik an der heimischen Wirtschaft: "Uns ist extrem wichtig für den Standort Berlin, dass diese Code Shares genehmigt sind, weil sonst die Nutznießer Katar Airways oder Turkish Airlines sind. Und das kann nicht im Sinne einer deutschen Luftverkehrspolitik sein, einer deutschen Fluggesellschaft so etwas zu verwehren."

Die gemeinsamen Flüge von Air Berlin und Etihad sollen rund ein Zehntel des Gesamtumsatzes der Berliner ausmachen. Ohne diese Einnahmen würde die Sanierung der deutschen Fluglinie ein gutes Stück schwieriger werden.

Mit Informationen von Annika Krempel

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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