Käse in der Auslage des Hofladens Karolinenhof in Flatow im Landkreis Oberhavel (Quelle: rbb/Susanne Hakenjos)

Brandenburg eröffnet Käsestraße - "Man schmeckt auch die Landschaft"

Käsespezialitäten aus der Region bekannt machen - das ist das Ziel der neu eingerichteten Brandenburger Milch- und Käsestraße: 22 Molkerei- und Käserei-Betriebe haben sich zusammengeschlossen. Sie laden Genießer und Gastronomen ein, ihre Betriebe zu entdecken, die sich ganz der traditionellen Käseherstellung widmen. So manche regionale Spezialität hat schon heute einen Ruf über die Landesgrenzen hinaus. Von Susanne Hakenjos

Sieben Kilometer über schmalste Landstraßen führt der Weg ab Flatow im Kreis Oberhavel zur Ziegenkäserei Karolinenhof. So einfach per Zufall würde hier wohl niemand vorbeikommen. Dabei gilt es in der kleinen Kühltheke im Hofladen 20 verschiedene Käsesorten zu entdecken: Von goldgelbem Hartkäse bis zur cremigen Ziegenrolle - "Alles aus frischer Rohmilch von Hand gekäst", erklärt Inhaberin Gela Angermann. "Viele Leute denken ja, nur in Frankreich wird ganz toller Käse hergestellt. Dass jetzt die Leute merken, dass es so etwas auch hier, in Brandenburg gibt, ist das Hauptanliegen der Milch- und Käsestraße", sagt die gelernte Ziegenwirtin.

Mit 21 weiteren kleinen Hofmolkereien und Hofkäsereien hat sich der Betrieb auf Initiative des Verbands für handwerkliche Milchverarbeitung e.V. zusammengeschlossen. "1991, als wir angefangen haben, waren wir in Brandenburg fast die ersten, die traditionelle Käseherstellung wiederbelebt haben", erinnert sich Gela Angermann. "Seitdem hat sich viel getan." Viele neue Hofgemeinschaften oder Projekte entstanden, aus denen heute kleine und mittelständische Käsereien geworden sind, die in der Regel die Milch der hofeigenen Tiere verarbeiten.

Außenansicht des Hofladens Karolinenhof in Flatow (Quelle: rbb/Susanne Hakenjos)
Hofladen Karolinenhof: Unter den Mitgliedern der Käsestraße sind viele Kleinst- und Familienbetriebe

Die Kleinst- und Familienbetriebe haben verlorengegangenes Wissen der Rohmilchkäse-Herstellung wiederbelebt, das es noch in Frankreich und der Schweiz gab. 45 Ziegen bildeten den Grundstock des Karolinenhofs, heute ist die Herde auf 100 Mutterschafe angewachsen. Im Ziegenmelkstand können 24 Ziegen gleichzeitig gemolken werden, ihre Milch wird über ein Rohrsystem in die Käserei zur Weiterverarbeitung geleitet. Gela Angermann kann heute eine Melkerin und eine Käserin als Angestellte beschäftigen.

Die Idee der Milch- und Käsestraße

"Die Milch- und Käsestraße verbindet die einzelnen Erzeugerbetriebe in Brandenburg von der Uckermark über die Prignitz, das Oderbruch über die Niederlausitz bis in den Fläming und ins Havelland", erklärt Udo Tremmel von der Initiative Slow Food Berlin. "Und da gibt es ganz hervorragenden Käse zu entdecken: Vorwiegend von der Ziege und vom Schaf, aber auch von der Kuh." Zu der Initiative haben sich Bauern, handwerkliche Produzenten und Konsumenten zusammengeschlossen, sie setzen sich für gute und faire Bedingungen bei Produktion und Handel von Lebensmitteln ein.

Weil die kleinen Höfe über alle Landkreise verstreut sind, wird man die Brandenburger Milch- und Käsestraße an einem Tag alleine nicht abfahren können. Welche Höfe wo zu finden sind, erfahren Interessierte auf eine Info-Karte und Liste im Internet. Aber auch vor Ort im jeweiligen Dorf geben Schilder mit der Aufschrift "Brandenburger Milch-und Käsestraße" jetzt Hinweise. Geplant sind gemeinsame Aktionen wie Verkostungen und Schau-Käsen mit Einblicken in die Produktion.

Mit Können, Hingabe und ungewöhnlichen Ideen überzeugen

Viele Hofkäsereien sind Bio-Betriebe, doch das ist kein Muss. In der Regel vermarkten die Höfe über ihre eigenen Läden, einige verkaufen auf Wochenmärkten in ihrer Region. Der Milchschafhof Schafgarbe von Gut Ogrosen bei Vetschau bringt seine Ware darüberhinaus bis ins über 100 km entfernte Berlin. Freitags steht der Käser mit seinem Verkaufswagen in Berlin-Kreuzberg in der Markthalle Neun und samstags auf dem Chamisso-Platz.

Seit 1994 bewirtschaften Friedhelm und Ulrike Plass auf der Gutsgemeinschaft Ogrosen rund 20 Hektar und halten 100 Milchschafe. "Andere Bundesländer haben Wein-Straßen, wir haben eine Käse-Straße! Wein und Käse, das passt doch gut zusammen", sagt Plass zur die Idee des Zusammenschlusses. "Die Leute brauchen ja immer einen kleinen Anstoß, um Neues zu entdecken." Die Schafskäserei Schafgarbe bietet auch Trinkjoghurt an: "Mango-Lassi ist ja sehr bekannt. Wir experimentieren aber auch mit verschiedenen Früchten, etwa als Himbeer- oder Holunder-Lassi", sagt Friedhelm Plass. Die feinere Eiweiß-Struktur von Schafs- oder Ziegenmilch prägt den cremigen Geschmack. Auch deswegen sind Ziegen- und Schafskäse-Produkte auf dem Markt zunehmend begehrt, auch als Alternative für Menschen mit Kuhmilch-Allergien.

Ziegen werden auf die Wiese gelassen (Quelle: rbb/Susanne Hakenjos)
Die Milchziegen der Hofkäserei Karolinenhof grasen im Havelländischen Luch

Die Region schmecken - der Ruf eilt bis nach Frankreich

In den Namen der Hofprodukte wie Drei-Höfe-Käse, Findling, Karlinenhöfer oder Luchi klingt die Erzeugerregion an, das ist gewollt. So grasen die Toggenburger Ziegen vom Capriolenhof in der Uckermark fast das ganze Jahr frei in der Heide, an der Oder lässt der Hof Pimpinelle seine Krainer Steinschafe weiden, eine vom Aussterben bedrohte Rasse. Die Havelländische Hofkäserei verarbeitet seit 2007 die Kuhmilch des benachbarten Biohofs in Garlitz.

In Handarbeit, mit spezieller Reife- und Pflegezeit, wird Rohmilchkäse in kleinen Mengen erzeugt, deren Geschmack Käseliebhaber und Feinschmecker weit über die Region hinaus überzeugt. Die Milch wird dabei nicht wärmebehandelt, nicht entrahmt oder homogenisiert, sondern bleibt roh mit allen natürlichen Bestandteilen.

Den besonderen Geschmack entdecken zunehmend auch Gastronomen, die auf regionale Produkte setzen und ihre Gäste mit Brandenburger Spezialitäten überraschen wollen. "In diese neue kulinarische Landschaft Brandenburgs fügt sich auch die Idee der Milch- und Käsestraße gut ein", sagt Udo Tremmel. Und der Ruf einiger Erzeuger ist über den eigenen Hofladen mittlerweile weit hinaus gedrungen: "Einige sind mittlerweile schon so qualifiziert, dass sie in ganz Deutschland wahrgenommen werden. Dieser Käse wird von Spezialisten gekauft, sogenannten Affiniteuren, die den Käse noch einmal weiterverarbeiten", sagt Udo Tremmel. "Und der Ruf brandenburgischen Käses ist sogar bis nach Frankreich geeilt. Es gibt Küchenchefs toller Restaurants in Paris, die den auch aufkaufen. Denn man schmeckt die Landschaft und die Hingabe."

Beitrag von Susanne Hakenjos

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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