25 Microchips, mit denen die Firma "BeamConnect" in Frankfurt(Oder) Kleinstantennen für Handynetze bauen will (Quelle: rbb/Adam)

Antennen für Antennen bauen - Start-up will Handynetze in Brandenburg verbessern

Auch das schnellste Smartphone nützt nichts, wenn das Handynetz zu schwach ist. In Brandenburg ist das oft ein Problem. Das Hightech-Nachwuchsprojekt "BeamConnect" baut an einer Lösung: Die Forscher in Frankfurt (Oder) wollen die die Handynetze von morgen bauen. Von Martin Adam

Markus Guenther hält eine kleine Plastikschachtel in der rechten Hand, in ihr liegen, fein säuberlich aufgereiht, 25 Mikrochips – jeder etwas so groß wie ein Marienkäfer. In seiner linken Hand liegt eine braune Platine, auf der unzählige kleine Metallkontakte verarbeitet sind. Die Platine ist eine Antenne, erklärt Guenther, Projektleiter bei "BeamConnect", einem Forschungsprojekt am Leibniz-Institut IHP in Frankfurt (Oder). "Die Mikrochips kommen auf die Rückseite, um die Antenne zu steuern. Am Ende werden wir ein Produkt haben, das so groß ist wie einer dieser Zauberwürfel, die man früher hatte". Mit "Zauberwürfel" meint Guenther den beliebten Rubikwürfel, ein Rätsel, bei dem man die verschiedenfarbigen Elemente des Würfels so lange drehen muss, bis alle Seiten je nur eine Farbe zeigen. Nur dass das, woran Markus Guenther und sein Team hier arbeiten, noch komplizierter ist.

Markus Guenther von der Firma "BeamConnect" in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/Adam)
Markus Guenther von BeamConnect in Frankfurt(Oder)

Antennen für die Antennen

Markus Guenther gibt sich Mühe, sein Hightech-Projekt verständlich zu erklären. "Es geht um Handys, um Smartphones", sagt er, "die brauchen immer mehr Daten, also dichtere Handynetze. Sie kennen diese riesigen Funkmasten, die meistens auf Hausdächern stehen? In Zukunft werden das eher viele kleine Sender sein, die in der Stadt an Häuserwänden und Laternen befestigt sind." Diese Einzelantennen, aus denen sich das Handynetz speist, mit Daten zu versorgen – das ist Markus Guenthers Job. Denn nicht jede Mini-Antenne an einem Laternenpfahl kann mit einem eigenen Glasfaserkabel versorgt werden. Also baut "BeamConnect" Antennen für die Antennen: "Wir senden dann sehr hochfrequent, weil wir ja riesige Datenmengen brauchen. Pro Sender etwa tausendmal so viel wie in einem normalen WLAN-Netz zu Hause".

Im Februar läuft die Finanzierung aus

Schon seit drei Jahren arbeiten Markus Guenther und seine drei Kollegen an den Antennen, finanziert durch die EU und das Bundesforschungsministerium – noch bis Februar. Dann läuft die Förderung aus. Bis dahin müssen die Techniker neue Geldquellen gefunden haben: "Einen Plan B haben wir nicht. Es ist durchaus auch die Gefahr, dass es heißt: das war´s dann."
 

Der Finanzbedarf ist nicht gerade gering, das Frankfurter Projekt plant mit großen Summen: "Bis wir unser Produkt marktreif haben, dauert es nochmal gute anderthalb Jahre. Da werden wir zwischen zwei und drei Millionen brauchen", sagt Guenter, "Dann sind wir aber immer noch nicht profitabel. Also wir werden alles in Allem schon einen zweistelligen Millionenbetrag brauchen."

BeamConnect" sucht daher nach Geldgebern. Unter anderem warben die Frankfurter auf einem Investorenkongress in Dresden für ihr Projekt. Laut den Veranstaltern zählt "BeamConnect" zu den 40 besten Hightech-StartUps Ostdeutschlands.

Mikrochips sollen in Frankfurt (Oder) hergestellt werden

Wenn alles so läuft wie das Team um Markus Guenther hofft, und das nötige Geld zusammenkommt, sollen die Mikrochips zukünftig auch in Frankfurt (Oder) produziert werden. Das Leibniz-Institut IHP verfügt über eine eigene Produktion, wo Mikrotechnologie industriell hergestellt werden kann. Technisch sind also die Voraussetzungen gegeben. "Allerdings", gibt Markus Guenther zu bedenken, "wenn wir dann aufbauen wollen und tatsächlich Fachleute aus anderen Städten brauchen, dann wird´s schwierig werden, die hierher zu bekommen." Denn nach Frankfurt (Oder) zu pendeln sei zeitaufwändig und teuer. Die große Wirtschaft sei - Guenter zögert kurz - von Frankfurt (Oder) eben doch ziemlich weit weg.

Beitrag von Martin Adam

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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