Protestierende rumänische Bauarbeiter der "Mall of Berlin" (Quelle: Markus Streim)

Vorwürfe wegen Lohnbetrugs - Abseits vom Glanz – Die Rumänen von der "Mall of Berlin"

Mit Feuerwerk und Party ist die "Mall of Berlin" vor einigen Wochen feierlich eröffnet worden. Im großen Einkaufszentrum am Leipziger Platz läuft jetzt das lukrative Weihnachtsgeschäft. Doch hinter der glanzvollen Fassade herrschen Armut und Verzweiflung: Wohnungslose Bauarbeiter warten seit Wochen auf ihren versprochenen Lohn. Von Markus Streim

Bereits im September feierte das neue Einkaufszentrum "Mall of Berlin" seine glanzvolle Eröffnung. Am Aufbau des Kommerzpalastes waren auch rumänische Bauarbeiter beteiligt. Doch viele von ihnen warten seither auf ihren Lohn.

Mehrere Dutzend Rumänen kampieren noch immer in der Voßstraße am Hintereingang der Einkaufspassage am Leipziger Platz. Sie hätten weder Bett noch Geld, sagt Roman, einer der wenigen, die etwas Deutsch sprechen. Ein Kollege von ihm sei völlig verzweifelt gewesen und habe sich vom Gebäudedach stürzen wollen: "Von da oben wollte er springen, sich umbringen. Die haben ja nichts zu essen. Seit September kriegt keiner Geld."

Die Drecksarbeit gemacht und kein Lohn

Jetzt lebten sie vom Flaschensammeln und von Spenden. Sechs Wochen lang hätten sie die Drecksarbeit gemacht und keinen Euro dafür bekommen. Zwei rumänische Vermittler sind offenbar verschwunden.

Ein anderer Mann namens Lejano sagt, er habe sogar acht Monate geschuftet. "Ein Russe hat den Kontakt zum Chef hergestellt. Der versprach mir sechs Euro die Stunde, später nur noch fünf, weil ich zu alt war. Dann bekam ich aber immer nur die Hälfte davon und seit einem Monat gar nichts mehr."

Protestierende rumänische Bauarbeiter der "Mall of Berlin" (Quelle: Markus Streim)
Rumänische Arbeiter warten auf ihr Geld

Schwarzarbeit, Lohndumping, Nötigung

Die verantwortlichen Firmen reden sich heraus. Ein Subunternehmer erklärt, Schuld seien "die da oben", die auch nicht gezahlt hätten. Ein anderer Arbeitgeber sagt, er habe nie Rumänen beschäftigt, obwohl er Einigen nachweislich Abfindungen ausgezahlt hat. Die Abzocke hat offenbar System.

Beim Beratungsbüro des Deutschen Gewerkschaftsbundes kennt man solche Fälle. DGB-Sprecher Dieter Pienkny sagt, es seien schon doppelt so viele wie im Vorjahr. "Es kann nicht sein, dass Bauarbeiter ihrem Geld hinterher rennen müssen und wir uns gleichzeitig im Glanz solcher Malls sonnen. Schwarzarbeit, Lohndumping, Nötigung von Beschäftigten fällt der ganzen Stadt auf die Füße."

Der Protest soll weitergehen

Doch andernfalls wäre das schicke Einkaufszentrum wohl nicht fertig geworden. Der Investor Harald Huth und der Bauleiter Andreas Fettchenhauer behaupten, alles sei korrekt abgelaufen. Einige rumänische Arbeiter wie der 29-jährige Bogdan sprechen aber von systematischer Schwarzarbeit. "Vier oder fünfmal hieß es: Hallo, aufpassen! Heute kommt vielleicht der Zoll. 100 Schwarzarbeiter mussten dann nach Hause gehen. Und am nächsten Tag war alles wieder OK."

An der "Mall of Berlin" gab es in diesem Jahr nur eine einzige Razzia, sagt hingegen Michael Kulus vom Hauptzollamt Berlin. Und die auch nur wegen eines anonymen Hinweises. "Maulwürfe" in eigenen Reihen gebe es ohnehin nicht: "So etwas haben wir bisher Gott sei Dank nicht feststellen können. Natürlich lässt es sich nicht ganz vermeiden, dass wir bei derartig großen Baustellen bei der Abfahrt beispielweise früher erkannt werden, als es uns lieb ist", erklärt Kulus.

Noch mehr Kontrollen, wie es die Gewerkschaft fordert, seien aus Personalgründen aber nicht möglich. Und über mögliche Schwarzarbeit könne die Behörde nichts sagen. Die Prüfung sei noch nicht abgeschlossen.

Inzwischen haben weitere Bauarbeiter kleinere Abfindungen erhalten. Ihr Protest soll dennoch weitergehen.

Das zehnte Einkaufszentrum für Berlin Mitte

Beitrag von Markus Streim

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