Symbolbild: Ein Kochlehrling arbeitet an einem Gericht (Quelle: dpa)

Brandenburg ringt um Azubis - Schlechte Karten für die Gastronomie

Mehr Lehrstellen, weniger Bewerber: In Brandenburg gibt es so viele unbesetzte Ausbildungsplätze wie noch nie. Besonders die Gastronomie hat es schwer, Azubis zu finden. Aber auch technische Berufe sind wenig gefragt unter den Jugendlichen. Wer sich aber für diese Branchen interessiert, hat jetzt gute Chancen auf dem Markt.

In Brandenburg gibt es zwar mehr Lehrstellen, jedoch weniger Bewerber für einen Ausbildungsplatz. Im Jahr 2014 wurden laut Arbeitsagentur insgesamt fast 11.500 Lehrstellen angeboten – 2,6 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Doch die Zahl der Interessenten sinkt. Vor allem Hotels und Gaststätten finden immer schwerer Azubis. Ende September waren demnach noch 1310 betriebliche Lehrstellen unbesetzt, die meisten in der Gastronomie. "An der Spitze des Rankings lagen Köche, Restaurant- und Hotelfachleute", so Agentursprecher Olaf Möller.

Wer also zum Beispiel Koch oder Hotelfachkraft werden will, hat es umso leichter, einen Ausbildungsplatz zu ergattern: Rein rechnerisch kommt in Brandenburg auf jede angebotene Lehrstelle nur ein Bewerber.

Weniger Schulabgänger und unattraktive Arbeitszeiten

Ein Grund für das mangelnde Interesse der Jugendlichen sind offenbar die mit diesen Berufen verbundenen Arbeitszeiten. "Zu arbeiten, wenn Freunde und Bekannte im Urlaub sind oder an Wochenenden und Feiertagen freihaben, ist für viele unattraktiv" vermutet Wolfgang Spieß, Leiter des Bereichs Bildung bei der Industrie- und Handelskammer Potsdam (IHK).

Das Problem ist aber auch, dass es in Brandenburg immer weniger Schulabgänger gibt. Laut Spieß hat es vor 15 Jahren noch 34.000 Schulabgänger pro Jahrgang gegeben. Heute seien es nur noch 17.000. 4000 von ihnen gingen in Berlin in die Lehre. Um die wenigen Übriggebliebenen konkurrierten jetzt viele, sagte Olaf Lücke, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands in Brandenburg. "Und da haben wir schlechte Karten."

Aber nicht nur die Gastronomie muss sich darauf einstellen: Nach Einschätzung der IHK Cottbus ist auch das Handwerk vom Azubi-Mangel betroffen. "Selbst im Bereich der anspruchsvollen technischen Berufe haben es Unternehmen schwer, gute Bewerber zu finden", sagte Sprecher Nils Ohl.

Von Spanien nach Brandenburg

Um dem Mangel an Bewerbern zu begegnen, gibt es mehrere Ansätze. Arbeitsministerin Diana Golze (Linke) befürwortet eine intensivere Berufsberatung. In den kommenden Jahren müsse es gelingen, Betriebe und geeignete Bewerber zusammenzubringen.

Auch ein derzeit laufendes Pilotprojekt soll helfen, um das Problem zu lösen: Vermehrt sollen jetzt auch ausländische Jugendliche für eine Lehre in Brandenburg gewonnen werden. Bereits 21 junge Leute aus Spanien sind beteiligt.

Mehr zum Thema