Kreuzberg von oben (c) imago

Probleme bei Vergabe der Top-Level-Domain - ".berlin"-Endung kommt nur schleppend in Gang

Als erste Hauptstadt der Welt und erste Stadt in Deutschland startete Berlin stolz die Vergabe von Internetadressen mit der Endung ".berlin". Das Interesse war groß. Doch ein halbes Jahr später taucht die Domain in der Öffentlichkeit kaum auf. Schuld sind unter anderem zahlreiche Sperrungen. Von Friederike Schröter

Nach jahrelanger Vorbereitung startete im Februar 2014 in Berlin die Vergabe von Internetadressen mit der Endung ".berlin". Es war weltweit die erste Hauptstadt, die über eine eigene URL-Endung, eine sogenannte Top-Level-Domain, verfügte. Für 35 bis 70 Euro im Jahr kann sich jeder, der eine Berlin-Adresse angeben kann eine solche Webadresse sichern.

Als erste registrierte Adresse wurde im Febraur www.wohnheim.berlin gefeiert. Doch inzwischen steht diese Domain wieder zum Verkauf - genauso wie viele andere Websites. Zwar wurde im Oktober die 150.000ste ".berlin"-Registrierung gefeiert, doch davon stehen fast 80.000 auf der Website Sedo wieder zum Verkauf - eine bittere Bilanz. Und viele interessante Internetadressen zum Beispiel hotel.berlin, labor.berlin, berlin.berlin und andere standen gar nicht erst zum Kauf zur Verfügung.

Screenshot von www.sedo.com, Suche nach Extension ".berlin" am 13.11.2014 (www.sedo.com)
Fast 80.000 ".berlin"-Adressen stehen auf der Website Sedo aktuell zum Verkauf

Verbotene URL-Kombinationen

"Es dauert alles viel länger als wir uns das wünschen würden", sagte Johannes Lenz-Hawliczek, Sprecher der dotBerlin GmbH, rbb-online. Die Initiative ist ein Zusammenschluss von etwa 70 Gesellschaftern - Unternehmen, Verbände, Privatpersonen - und betreibt seit nunmehr neun Jahren Lobbyarbeit bei der US-amerikanischen ICANN, die über neue Top-Level-Domains entscheidet. Auf diese Weise hat sich die Initiative eine zehnjährige Lizenz für den Betrieb von ".berlin"-Domains gesichert.

"Es wird schon immer Handel mit Domains betrieben und so wurden auch etliche '.berlin'-Adressen lediglich registriert, um sie dann zum Verkauf anzubieten", sagt Lenz-Hawliczek. "Doch leider gibt es auch viele schöne Namen, die wir gar nicht erst vergeben durften."

Trauer um "www.be.berlin"

Ein Problem tauchte plötzlich im November 2013 auf: Die ICANN sperrte weltweit knapp 10 Millionen URL-Kombinationen wegen Kollisionsproblemen - darunter 18.000 URLs mit der Endung ".berlin". Darunter waren unter anderem attraktive Kombinationen wie "air.berlin", "fernsehturm.berlin", "info.berlin" oder auch "polizei.berlin". Die Begründung ist kompliziert: Interne Netzwerke, von Unternehmen oder Privatpersonen, arbeiten zum Teil mit gleichlautenden URLs. Es wäre möglich, dass Abfragen von bestimmten Adressen - besonders betroffen sind hier die Endungen ".mail", ".corp" und ".home" - nicht mehr eindeutig zugeordnet werden können. Das kann zu Sicherheitproblemen führen. Deshalb hat die ICANN vorsorglich diese und weitere Top-Domains, darunter ".berlin", gesperrt. Inzwischen sei dieses Problem für ".berlin" jedoch so gelöst, sagt Lenz-Hawliczek, dass in den kommenden Monaten diese Adressen, unter bestimmten Auflagen an die dotBerlin GmbH, nach und nach freigegeben werden können.

Auch sämtliche Straßen-Namen waren bislang gesperrt, immerhin weitere 16.000 mögliche URL-Kombinationen, die erst jetzt - knapp ein halbes Jahr nach dem werbewirksamen Start - freigegebenen werden. Dagegen bleiben verboten die Kombinationen mit einem Zwei-Zeichen-Wort, zum Beispiel die vom Senat begehrte Adresse "www.be.berlin", aber auch "fu.berlin" oder "tv.berlin". Einer der Gründe: Es gibt Zwei-Zeichen-Kombinationen, die als offizielle Abkürzungen von Ländern (in diesem Fall zum Beispiel von Belgien) fungieren. Hier müsste in komplizierten Verfahren zunächst mit dem jeweiligen Land über die Nutzung verhandelt werden.

".berlin" steht auf dem Fußboden im Roten Rathaus von Berlin bei dem Festakt zur Freischaltung der Domain (Quelle: imago)
Mit einem Festakt im Roten Rathaus wurde im März die Freischaltung der ".berlin"-Domain gefeiert

Die Großen sind noch vorsichtig

Interessant scheint die ".berlin"-Domain besonders für lokale Berliner Unternehmen zu sein: So finden sich unter den bisher aktiven Nutzern ein Escortservice, eine Gemeinschaftspraxis, ein Steuerberater, ein Yoga-Studio und ein Umzugsunternehmen. Eine Studie der Analyse-Plattform Serchmetrics hat nachgewiesen, dass eine ".berlin"-Adresse in der Google-Suche um den Faktor 1,18 im Ranking steigt - wenn der Suchbegriff mit der Stadt Berlin kombiniert wird. Die ".berlin"-Adressen sind zur Zeit bei einigen Providern zum Angebotspreis von rund zwei Euro im Monat zu erwerben - nach einem Jahr jedoch werden sie doppelt so teuer.

Doch größere Unternehmen wagen den Umstieg auf die neue Domain noch nicht. Zwar haben Institutionen wie zum Beispiel die Konrad-Adenauer-Stiftung, die Akademie der Künste oder auch Hertha BSC ihre ".berlin"-Adresse registriert, doch leiten sie lediglich auf die bekannte ".de" oder ".com"-URL um.

WM-Wohnzimmer als mutiger Vorreiter

Das gleiche gilt für den Berliner Senat. Er hat mit der dotBerlin GmbH einen Kooperationsvertrag und alle für ihn relevanten ".berlin"-Adressen gesichert. Doch nur vorsorglich - denn praktisch genutzt wird weiterhin nur die Endung "berlin.de", woran sich vorerst nichts ändern wird.

Als Erfolg dagegen feiert die dotBerlin GmbH, dass das WM-Wohnzimmer in der Alten Försterei mit der Webadresse www.wm-wohnzimmer.berlin warb. Und auch die jüngst eröffnete Ausstellung "West Berlin: Eine Insel auf der Suche nach Festland" hat nur eine Webadresse: www.west.berlin.

Eine Liste "im niedrigen vierstelligen Bereich" von sogenannten Premium-Adressen behält sich dotBerlin noch vor. "Besonders eingängige und schöne" Adressen würden erst später und zu einem höheren Betrag verkauft. Aus Fairnessgründen, heißt es bei dotBerlin: "Denn noch haben nicht alle Berlinerinnen und Berlin von '.berlin' gehört."

Beitrag von Friederike Schröter

Mehr zum Thema