Zahnputzbecher und Handtücher in einer Kita nahe Potsdam (Quelle: dpa)
Video: Brandenburg aktuell | 26.05.2015 | Phillipp Manske

Kita-Streik in Brandenburg - Erzieherinnen nicht so streiklustig wie erwartet

In Brandenburg hatten sich viele Eltern kleiner Kinder auf ein besonders langes Wochenende eingestellt, doch offenbar konnten am Dienstag viele Kinder zurück in die kommunalen Kitas - trotz des Streiks. Wie der rbb erfuhr, begann die dritte Streikwoche eher verhalten. Ab Mittwoch kommen allerdings weitere Kita-Standorte hinzu.

Rund 1.000 Erzieherinnen sind nach Angaben von Verdi am Dienstag dem Streikaufruf der Gewerkschaft gefolgt und haben in zahlreichen Brandenburger Landkreisen ihre Arbeit in Kitas und Hort-Einrichtungen niedergelegt. Damit begann diese dritte Streikwoche eher verhalten, denn ursprünglich hatte die Gewerkschaft rund 2.000 Beschäftigte kommunaler Kitas zum Streik aufgerufen.

In vielen Kitas springen Aushilfen ein

Viele Stadtverwaltungen teilten mit, dass es bei ihnen am Dienstag nur geringe Einschränkungen gab. In Ludwigsfelde waren alle Kitas offen, es streikten nur einzelne Erzieherinnen, hieß es. In Eberswalde sprangen Aushilfen ein, so kann zumindest ein eingeschränkter Betrieb garantiert werden. In Prenzlau war von vier städtischen Kitas nur eine geschlossen und soll am Mittwoch wieder offen sein.

Wie rbb-Reporterin Lisa Steger berichtet, ist die Lage in Bernau ähnlich: Dort gibt es neun städtische Kitas. Am Dienstag waren zwei geschlossen, am Mittwoch und Donnerstag soll es nur noch eine sein. Neuruppin hat bis Donnerstag enschließlich keine Probleme, am Freitag dagegen machen alle 13 städtischen Kitas dicht. Etwas schwieriger ist die Situation in Oranienburg, wo zwei große Kitas die ganze Woche zu bleiben werden. Die Eltern helfen sich aber selbst, sagt die Rathaussprecherin. Von 1.200 betroffenen Kindern wurden nur 34 für die Notbetreuung angemeldet.

Ab Mittwoch werden weitere 35 Kitas bestreikt

In den folgenden Tagen soll der Streik allerdings weiter ausgeweitet werden. Verdi-Fachbereichsleiter Erich Mendroch zufolge werden ab Mittwoch im Landkreis Dahme-Spreewald weitere 35 Kitas und Horte bestreikt, nämlich in Königs Wusterhausen, Eichwalde, Wildau, Schulzendorf, Zeuthen, Teupitz, Bestensee und Schönefeld. Am morgigen Donnerstag kämen dann noch zehn städtische Einrichtungen hinzu, so der Gewerkschaftsfunktionär, und zwar in und um Hoppegarten im Kreis Märkisch-Oderland.

Betroffen sind dann Einrichtungen in zehn Landkreisen: Prignitz, Ostprignitz-Ruppin, Oberhavel, Havelland, Potsdam-Mittelmark, Teltow-Fläming, Dahme-Spreewald, Uckermark, Märkisch-Oderland und Barnim. Die Streiks würden solange fortgesetzt, bis auf Bundesebene ein akzeptables Angebot vorliegt, so Mendroch.

Höhere Anforderungen, höherer Verdienst

Die Gewerkschaften Verdi, GEW und dbb fordern eine Aufwertung der Sozial- und Erziehungsberufe, unter anderem durch eine höhere Eingruppierung für 240.000 kommunal Beschäftigte. Das würde den Angaben zufolge im Durchschnitt zu zehn Prozent höheren Einkommen führen.

Zur Begründung heißt es, die Anforderungen seien in den letzten Jahren stark gestiegen - etwa durch die neuen Richtlinien der Inklusion benachteiligter Kinder oder durch die Arbeit mit Kindern aus Einwanderer- oder Flüchtlingsfamilien.
Das Geld für eine bessere Bezahlung sei durchaus vorhanden, so die Argumentation der Gewerkschaft. "Die Steuereinnahmen sind mittlerweile sehr viel besser als überhaupt geschätzt", so Verdi-Tarifexpertin Astrid Westhoff. Zudem argumentiert die Gewerkschafterin dafür, die Finanzierung des Betreuungsgeldes lieber in eine angemessene Bezahlung für die Erzieherinnen zu investieren.

Verdi sieht sich von der Politik bestätigt

Die Arbeitgeberseite hält die Gewerkschaftsforderungen nicht für finanzierbar. Doch Verdi sieht auch die Politik auf seiner Seite. "Im Koalitionsvertrag ist festgehalten, dass Erziehungsberufe aufgewertet werden sollen", sagte Susanne Stumpenhusen, die Landesbezirksleiterin Berlin-Brandenburg, dem rbb. Auch die Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) habe sich entsprechend geäußert. Selbst "die bayrische CSU-Familienministerin habe sich dafür ausgesprochen, den Beruf aufzuwerten und besser zu bezahlen, weil man damit nur dem Fachkräftemangel entgegen steuern kann", führt Stumpenhusen weiter aus.

Letzter Warnstreik im April

Zuletzt waren die Kita-Mitarbeiter Mitte April in Brandenburg im Warnstreik, damals allerdings in weit geringerer Dimension: Insgesamt hatten sich rund 250 Erzieher, Sozialarbeiter und Sozialpädagogen an der Aktion beteiligt. Kitas und Horte waren teilweise geschlossen. Die Eltern waren nach Gewerkschaftsangaben vorab über die ganztägige Aktion informiert worden. 

Das müssen Sie zum Kita-Streik wissen

  • Welche Kitas sind überhaupt vom Streik betroffen?

  • Wo wird in Berlin und Brandenburg gestreikt?

  • Wann wird gestreikt und wie lange?

  • Können Eltern für die Kinderbetreuung zuhause bleiben?

  • Können Kitabeiträge zurückgefordert werden?

  • Worum geht es beim Kita-Streik?

Mit Informationen von Lisa Steger

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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