Ort des Geschehens ist das Pankower Rathaus, die Bürgerinitiative hatte sich in der Vorhalle platziert (Quelle: Thorsten Gabriel / rbb)
Video: Abendschau | 01.06.2015 | Dorit Knieling

Bürgerinitiative im Berliner Norden wehrt sich - Senat treibt Bebauung der Elisabeth-Aue voran

Wo jetzt noch ländliche Idylle herrscht, sollen in spätestens zehn Jahren bis zu 5000 neue Wohnungen entstehen: In der Elisabeth-Aue im Norden von Berlin-Pankow treibt Senator Geisel ein neues Großbauprojekt voran - gegen den erklärten Protest einer Bürgerinitiative und des Pankower Parlaments.

Im Berliner Ortsteil Blankenfelde liegt, hinter einem Landschaftsschutzgebiet, die idyllische Elisabeth-Aue. Auf dem über 70 Hektar großen landeseigenen Grundstück sollen bis zu 5.000 neue Wohnungen entstehen. Auch Sozialwohnungen sollen dazu gehören. Einen klangvollen Titel gibt es auch schon: "Gartenstadt des 21. Jahrhunderts". Berlins Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) hat dazu am Montag zusammen mit Vertretern der Wohnungsbaugesellschaften Gesobau und Howoge eine Absichtserklärung für die Bebauung unterzeichnet - die im Bezirk Pankow auf massive Kritik stößt.

Pfeifkonzert für Senator Geisel

Senator Geisel wurde im Pankower Rathaus auch gleich mit einem Pfeifkonzert begrüßt: Eine Bürgerinitiative wehrt sich gegen die Bebauung und will die Felder als landwirtschaftliche Fläche erhalten. Das Areal habe eine große Bedeutung für das Stadtklima insgesamt, aber auch für den Erhalt der Kulturlandschaft, begründet Oskar Tschörner von der Bürgerinitiative Elisabeth-Aue das Engagement. Der Sprecher der Initiative betont aber auch, dass man nicht gegen den Wohnungsbau im Allgemeinen sei, "aber wir sind dort für neue Wohnungen, wo schon gebaut ist". Also in der Innenstadt.

Unterstützung aus dem Bezirk

Unterstützt wird die Bürgerinitiative Elisabeth-Aue von Linken, CDU und Grünen im Bezirk. Sie sind gegen eine Bebauung am Rand und sehen genügend Flächen in der Innenstadt. Die Bezirksverordnetenversammlung stimmte bereits mehrheitlich gegen die Baupläne, weshalb auch Bezirksbürgermeister Matthias Köhne die Absichtserklärung am Montag nicht mitunterzeichnete.

Cornelius Bechtler von B90/Grüne etwa hält andere Areale im Bezirk weit besser für Wohnungsbau geeignet. Es gebe zum Beispiel im Bereich der Michelangelostraße und des Thälmannparks auch Möglichkeiten Wohnungsbau zu schaffen, so der Fraktionsvorsitzende in Pankow.

Widerstand gegen Bauprojekte ist Andreas Geisel gewohnt, aber er will den Protest der Menschen auch annehmen. "Wir müssen aufpassen, dass wir nicht unsensibel und rücksichtslos werden." Trotzdem will sich der Senator von seinen Plänen nicht abbringen lassen, denn man müsse im Interesse des Gemeinwohls der ganzen Stadt handeln, räumt Geisel ein.

Elisabeth-Aue in Pankow (Quelle: Thorsten Gabriel / rbb)

Es geht nicht nur um Wohnungen

Konkrete Pläne gibt es allerdings noch nicht. Sie sollen in den nächsten drei Jahren erarbeitet werden - mit den Anwohnern. Deshalb geht es nicht nur um Wohnungen, sondern auch um neue Kitas, Schulen, Verkehrswege und um einen behutsamen Umgang mit dem Umfeld, wie Baustaatssekretär Engelbert Lütke Daldrup versichert: Man wolle der alten Dorflage beispielsweise Respekt zollen indem man einen gewissen Abstand einhält, "damit das Dorf auch in 20 Jahren noch als Dorf erlebbar ist und nicht in eine Stadtstruktur übergeht."

Auf eine Milliarde Euro werden die Kosten für das Bauvorhaben geschätzt. Und dann soll in zehn Jahren am Rand Berlins ein neues Stadtviertel entstanden sein. 

Mit Informationen von Dorit Knieling und Thorsten Gabriel

Berichtigung: In einer früheren Version hatten wir versehentlich geschrieben, Bezirksbürgermeister Köhne hätte die Absichtserklärung unterschrieben. Wir bitten um Entschuldigung.

Elisabeth-Aue in Pankow

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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