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Nationale Konferenz "Eco Mobility" - Berlins langer Weg zur Elektromobilität

Elektromobilität ist eines der Schlagworte, wenn es um den Verkehr im 21. Jahrhundert geht. Die Ziele der Bundesregierung sind ambitioniert – und Berlin soll einmal Vorbild für andere Städte werden. Doch wo steht die Hauptstadt aktuell? Klar ist: noch nicht da, wo sie stehen könnte. Von Jan Menzel

Der Helmholtzplatz in Prenzlauer Berg ist eine grüne Oase mit Öko-Touch. Wenn es nach Pankows Stadtrat Jens-Holger Kirchner gegangen wäre, hätte hier in diesem Frühjahr eine kleine Revolution der Elektromobilität stattgefunden: das Eco Mobility Festival – mit Ständen zum Ausprobieren verschiedener Fahrzeuge und Fortbewegungsmittel.

Das Festival hätte den Kiez mit seinen 10.000 Einwohnern in ein Zukunftslabor verwandelt, sinniert Bezirkspolitiker Jens-Holger Kirchner (Grüne). "Hier hätte man vier Wochen lang ausprobieren können, wie es ist, auf das eigene Auto zu verzichten und eine andere Form der Mobilität zu nutzen."

Öko ja, elektro-mobil nein

Das entscheidende Wort ist "hätte". Denn der Aufschrei war zu groß. Ein paar Straßen für einige Wochen für herkömmliche Autos zu sperren, war nicht einmal in dem Kiez mit überwiegend grün angehauchten Wählern durchsetzbar. Dabei will der Senat bei der Elektromobilität eigentlich das ganz große Rad drehen. Vor vier Jahren verkündete der damalige Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit eine ehrgeizige Vision. "Unser Ziel ist es, im Jahr 2020 100.000 E-Autos in Berlin auf die Straße zu bringen", so Wowereit damals.

Berlin als Schaufenster der Elektromobilität

Der Realitäts-Check zeigt, dass heute gerade einmal 2.000 Elektro-Autos auf Berlins Straßen unterwegs sind. Damit es mehr werden können, sollen in den nächsten Monaten ein paar hundert neue Ladesäulen im Stadtgebiet verteilt werden. Als eines von 100 Projekten des Schaufensters Elektromobilität, erläutert Gernot Lobenberg von der Berliner Agentur für Elektromobilität. "Wir haben elektrische Lastenfahrräder, elektrische Lieferfahrzeuge für den Kurier- und Paketdienst, aber auch Car-Sharing, das elektrisch läuft."

Verkehrspolitiker wie Stefan Gelbhaar von den Grünen mahnen an dieser Stelle, nicht einseitig auf Elektro-Autos und den Individualverkehr zu setzen, sondern den Öffentlichen Personennahverkehr zu stärken. Immerhin seien U-Bahn, S-Bahn und Tram bereits elektrisch unterwegs. "Unser Bus- und Bahnsystem ist sehr stark. Wir müssen sehen, dass wir die Busse elektrisch betreiben", so Gelbhaar.

Johannesburg statt Berlin

Die BVG will - mit einiger Verspätung - im Sommer mit einer E-Bus-Linie zwischen dem Bahnhof Zoologischer Garten und Südkreuz an den Start gehen. Getestet werden soll, ob der Dauerbetrieb funktioniert. Endgültig abgefahren ist dagegen der Zug mit dem Eco Mobility Festival am Helmholtzplatz. Das Festival findet jetzt - sehr zur Freude des dortigen Bürgermeisters - in Johannesburg in Südafrika, statt. 

Beitrag von Jan Menzel

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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