ARCHIV - Masthähnchen sind am 15.05.2014 in einem der Ställe zu sehen. Bei Schmergow (Brandenburg) soll eine riesige Hähnchen-Mastanlage entstehen - direkt im Landschaftsschutzgebiet (Quelle: dpa).

Fast 75 Prozent mehr Mastplätze für Geflügel - Massentierhaltung in Brandenburg boomt

Bio liegt im Trend? In Brandenburg ist davon nicht viel zu sehen. Gerade die riesigen Mastanlagen für Geflügel wachsen enorm: In den vergangenen 20 Jahren ist die Zahl der Mastplätze für Hennen, Hähnchen, Enten und Puten um fast 75 Prozent gestiegen. Ein Aktionsbündnis will die Massentierhaltung bekämpfen.

Noch nie wurde in Deutschland so viel Geflügel gemästet und geschlachtet wie heute. Die riesigen Mastbetriebe machen gute Geschäfte, obwohl die Deutschen insgesamt weniger Fleisch essen. Das zeigt sich vor allem in Brandenburg: Innerhalb von 20 Jahren stieg die Zahl der Plätze für Hennen, Hähnchen, Enten und Puten von 6,8 auf 11,8 Millionen - ein Zuwachs von fast 75 Prozent, wie Brandenburgs Agrarminister Jörn Vogelsänger (SPD) in einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen erklären ließ. Fast 56 Millionen Geflügeltiere wurden alleine 2014 geschlachtet, fast alle von ihnen waren Hähnchen. Es ist der höchste Wert der vergangenen fünf Jahre.

Die größten Betriebe stehen im Kreis Dahme-Spreewald und im Kreis Spree-Neiße, alleine in diesen beiden Regionen werden fast 4,5 Millionen Tiere gehalten. Mehr als die Hälfte der geschlachteten Hähnchen beispielsweise kamen aus einem einzigen Betrieb in Niederlehme (Dahme-Spreewald).

Tierschützer fordern Förderstopp für Großbetriebe

Der Platz in den Großbetrieben reicht offensichtlich trotzdem nicht aus: Laut Vogelsänger sind an fünf weiteren Standorten, darunter Beeskow und Groß Kreutz, Anlagen für 840.000 neue Mastplätze geplant. Bio spielt dagegen bei der Geflügelhaltung im Land so gut wie keine Rolle: Nur knapp vier Prozent der Tierplätze fallen unter den Ökolandbau.

Ein Aktionsbündnis aus mehr als 40 Tierschutz-Initiativen will den Ausbau der Massentierhaltung in Brandenburg stoppen, mit einem Volksbegehren. Bis zum kommenden Januar müssen die Gegner der riesigen Mastanlagen 80.000 Unterschriften gesammelt haben. Der erste Versuch war schiefgegangen: Im vergangenen Frühjahr hatten die Aktivisten 34.000 Unterschriften gesammelt, waren aber an der rot-roten Regierungsmehrheit im Landtag gescheitert.

Begrenzung auf 40.000 Geflügel pro Anlage gefordert

Falls es diesmal klappt, muss sich der Landtag mit ihren Forderungen beschäftigen. Die betreffen vor allem die finanzielle Förderung: Das Aktionsbündnis will, dass die Landesregierung nur noch Betriebe mit strengeren Standards der Tierhaltung unterstützt. Außerdem sollen nur noch Betriebe mit jeweils höchstens 40.000 Tieren bei Geflügel und bis zu 2.000 Tieren in der Schweinemast subventioniert werden.

Brandenburgs Verbraucherminister Helmuth Markov (Linke) lehnt diese Forderung ab: Für das Tierwohl sei nicht die Zahl entscheidend, sondern wie sie gehalten werden, sagte der Minister. Die Mastbetriebe würden regelmäßig kontrolliert.

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

Studio Frankfurt

Vom Landkreis Oder-Spree bis zur Uckermark: Das rbb-Regionalstudio Frankfurt (Oder) mit Nachrichten, Reportagen und Hintergründen aus der Region.  

Das könnte Sie auch interessieren

Amazon Lieferant in Berlin-Reinickendorf (Quelle: rbb/Frewel)

Amazons neues Verteilzentrum in Berlin - Hektik auf der letzten Meile

Damit Pakete spätestens am nächsten Tag da sind, nimmt der Onlinehändler Amazon die Zustellung im Norden Berlins nun auch in die eigene Hand. In Reinickendorf gibt es dafür ein eigenes Verteilzentrum. Nicht so einfach ist es, das ganze Vorhaben mit Leben zu füllen. Von Johannes Frewel