Archivbild: Eine Stewardess von Air Berlin (r) steht neben ihrer Kollegin von der Fluggesellschaft Etihad Airways (Quelle: dpa)

Gemeinschaftsflüge mit Etihad - Gabriel dringt auf Lösung für Air Berlin

In wenigen Tagen könnte Air Berlin ein großes Problem haben: Dann beginnt der Winterflugplan und die wichtigen Gemeinschaftsflüge mit Etihad könnten illegal sein. Denn das Verkehrsministerium hat diese Flüge bisher nicht genehmigt. Nun hat sich auch Wirtschaftsminister Gabriel in die Debatte eingeschaltet.

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) dringt auf eine Verständigung bei den Gemeinschaftsflügen der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft Air Berlin mit ihrem Partner Etihad. In einem Schreiben an Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) vom 16. Oktober warb Gabriel um "eine einvernehmliche Lösung", wie sein Ministerium am Donnerstag mitteilte.

Damit wurden Informationen von "Spiegel Online" bestätigt. Der Brief sei in Kopie auch an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gegangen. Sie hatte vor über einem Jahr gesagt, dass die Regierung nicht "der Totengräber von Air Berlin" sein dürfe. Es geht um Flüge von Air Berlin und der arabischen Etihad im Winterflugplan, der an diesem Sonntag beginnt.

Laut Bundesverkehrsministerium sind nicht alle der beantragten Flüge von den Luftverkehrsvereinbarungen zwischen Deutschland und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) gedeckt. Die VAE hätten sich den Anstrengungen verweigert, eine luftverkehrsrechtlich tragfähige Lösung zu finden, hatte das Ministerium am Mittwoch erklärt. Die Bundesregierung ist aber offen für weitere Gespräche.

Passagiere erkennen Codesharing an "Operated by"

Es geht um Etihad-Codesharing-Flüge nach Stuttgart und Berlin. Die Bundesregierung hatte die von Air Berlin und Etihad gemeinsam vermarkteten Flüge vor einem Jahr und im Frühjahr für den Sommerflugplan ausnahmsweise noch einmal zugelassen. Neben Gabriel hatten sich auch Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) für Air Berlin stark gemacht. Es ist aber noch offen, ob die Flüge für den Winterflugplan genehmigt werden, der an diesem Sonntag beginnt.

Codesharing meint das Prinzip der gemeinsamen Vermarktung. Dabei teilen sich zwei Fluggesellschaften einen Flug - eine Airline nimmt Passagiere der anderen mit. Beide Partner bieten den Flug mit einer jeweils eigenen Flugnummer an. Dadurch können sie Flüge verkaufen, die sie selbst nicht betreiben, und so ihr Streckennetz erweitern sowie möglicherweise auch in neue Märkte vordringen. Passagiere erkennen Codeshare-Flüge am Vermerk "Operated by" oder "Wird durchgeführt von" verbunden mit dem Namen einer Airline, bei der sie nicht gebucht haben.

Mit diesen Codeshare-Flügen macht die angeschlagene Air Berlin den Angaben zufolge einen zusätzlichen Umsatz von etwa 140 Millionen Euro im Jahr. Dies sei in etwa so viel wie man an Luftverkehrssteuer bezahle. Das Bundesverkehrsministerium hält einen Teil der Flüge für rechtswidrig, Grundlage ist ein Luftverkehrsabkommen mit den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die VAE dürfen beliebig oft vier Flughäfen ihrer Wahl anfliegen - und nutzen Frankfurt, München, Hamburg und Düsseldorf.

Auch Lufthansa würde unter Air-Berlin-Pleite leiden

In der vergangenen Woche hatte es Verhandlungen mit Vertretern vom Golf gegeben, Ergebnisse aber drangen bisher nicht an die Öffentlichkeit. "Aus deutscher Sicht gibt es keinen Gewinner in diesem Szenario", hieß es in einem Brief von Gewerkschaftern an Dobrindt.

Die Betriebsräte fürchten, dass Billigflieger wie Ryanair und Easyjet den Platz von Air Berlin einnehmen, wenn diese in die Knie geht. Dies werde dann auch die Schwierigkeiten des deutschen Marktführers Lufthansa verstärken.

Aus Sicht des Betriebsrats wäre der Wegfall dieser Einnahme für Air Berlin existenzbedrohend. Sie äußerten die Sorge, dass die Airline mit mehr als 8.000 Beschäftigten "vom Markt verschwinden" könnte. Etihad hält rund 30 Prozent an Air Berlin. Mit dem Wegfall würde, so heißt es, die Geschäftsgrundlage zwischen beiden Airlines wegfallen.

Auch die Berliner Landesregierung meldete sich am Donnerstag zu Wort: "Die Bundesregierung darf Air Berlin nicht im Regen stehen lassen", so Innensenator Frank Henkel (CDU). "Notfalls muss sich das Bundeskanzleramt einschalten."

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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