Umbaupläne des KeDeWe Gebäudes (Quelle: OMA )

Komplette Umgestaltung ab April - Alles neu beim KaDeWe

Die neuen Eigentümer des KaDeWe nehmen einen dreistelligen Millionen-Betrag in die Hand, um das Luxus-Kaufhaus radikal umzubauen. Das ist auch nötig - denn wer sich im Einzelhandel nicht weiterentwickelt, ist irgendwann raus, meint der Handelsverband. Was steckt hinter den Umbauplänen? Von Robin Avram

Das traditionsreiche KaDeWe hat bewegte Jahre hinter sich: Das wohl berühmteste Kaufhaus Deutschlands wurde aus dem kriselnden Karstadt-Konzern heraus gelöst und 2014 vom österreichischen Immobilienmagnaten René Benko gekauft. 2015 stieg dann die thailändisch-italienische Central Group mit ein und erwarb 50,1 Prozent der Anteile von Benko. Mitarbeiter und Kunden fragten sich seither: Was haben die mit dem KaDeWe vor? 

Nun ist klar: Die neuen Eigentümer wollen nicht weniger, als das Luxus-Kaufhaus in den kommenden Jahren neu erfinden. Mit einem dreistelligen Millionenbetrag - der Tagesspiegel spricht von 180 Millionen Euro - soll der renommierte Architekt Rem Koolhaas den Konsumtempel komplett umstrukturieren. Schon im April soll der Umbau losgehen und sechs bis acht Jahre dauern. "Das ist ein ermutigendes Signal für den Standort Berlin, dass die Investoren bereit sind, in so großem Umfang zu investieren. Denn wer sich im Einzelhandels-Geschäft nicht ständig weiterentwickelt, ist raus", kommentiert Nils Busch-Petersen vom Handelsverband Berlin-Brandenburg auf Anfrage von rbb online. Er weilt derzeit in New York auf der NRF Big Show, der weltweit größten Einzelhandelsmesse.

So soll das KaDeWe der Zukunft aussehen

Die großen Themen dieser Messe, über die sich Busch-Petersen dort informierte, haben auch die KaDeWe-Eigentümer beschäftigt: Wie schaffen es Kaufhäuser, die Kunden angesichts des rasant wachsenden Online-Handels auch künftig in ihre Geschäfte zu locken? Wie machen sie sich unverwechselbar? Die KaDeWe-Eigentümer wollen mit dem anstehenden Umbau nun nicht weniger, als "eine Alternative zum etablierten Einzelhandelsmodell" zu konstruieren. Das KaDeWe soll "die Attraktion der Zukunft sein, im Wettbewerb mit internationalen Stores und dem Onlineshopping", jubiliert André Maeder, Geschäftsführer der KaDeWe Group.

Geplant ist konkret, dass bislang recht unübersichtliche KaDeWe in vier Quadranten zu teilen, in denen das Warenangebot ganz speziell auf unterschiedliche Kundengruppen zugeschnitten werden soll. Das KaDeWe will damit wohl einerseits die zahlreichen Traditionskunden nicht verprellen und sich gleichzeitig eine jüngere und experimentellere Kundschaft erschließen. Vier Kaufhäuser in einem sollen entstehen, jeweils gruppiert um vier eigens dafür entwickelte Hohlräume, die individuell gestaltet werden sollen. Jeder Quadrant bekommt dafür einen eigenen Eingang und jeweils andere Rolltreppen.  

Mehr Individualität, mehr Aufenthaltsqualität

Eine möglichst individuelle Ansprache der Kunden - dafür nutzen die Vorreiter der Branche längst Computer-Software, berichtet Busch-Petersen von der New Yorker Einzelhandels-Messe. So biete IBM eine Software an, die es ermögliche, präzise Kundenprofile zu erstellen, die "extrem maßgeschneiderte Angebote ermöglichen". Durch die Auswertung von Wetterdaten und den aktuellen Ereignissen in der Region lasse sich zudem der Verkaufsverlauf bestimmter Produktgruppen zuverlässig vorhersagen.  "Wichtig für den künftigen Erfolg in der Konkurrenz mit dem Online-Handel ist aber auch, den Kunden mehr Aufenthaltsqualität zu bieten", sagt Busch-Petersen.

Auch das KaDeWe will diesen Weg gehen. Das Dach-Restaurant weicht einer neuen Architektur, bei der ein riesiges Glasdach freie Blicke aus den Bars und Restaurants ermöglicht. In der Mitte soll eine große Terrasse mit Freiluftgarten entstehen, Open-Air-Veranstaltungen sollen mehr Kunden ins KaDeWe locken, die vor allem die üppige Feinschmecker-Abteilung zu schätzen wissen. "Kommen Sie herein und finden Sie einen Moment des Friedens und der Ruhe", beschreibt Vittorio Radice, einer der neuen KaDeWe-Chefs, das künftige Credo. Deshalb sollen die Restaurants künftig auch bis 24 Uhr und am Sonntag offen haben.

Bleibt genug vom Kuchen für die "Mall of Ku´Damm"?

Nicht nur das KaDeWe reagiert auf den Online-Handel und die internationale Konkurrenz mit Investitionen: Auch das generalüberholte "Bikini-Berlin" am Zoo spricht mittlerweile eine gehobene Kundschaft an. Und zudem will Shopping-Center-König Harald Huth das Karstadt am Kurfürstendamm bis zum Jahr 2020 zu einer "Mall of Ku'Damm" ausbauen. 60.000 Quadratmeter Shoppingfläche sollen entstehen - fast so viel wie derzeit im KaDeWe.

Noch eine Riesen-Mall in Berlin? Schon bei der Eröffnung der "Mall of Berlin" am Potsdamer Platz sagte der Professor für Stadtentwicklung Thomas Krüger im Interview mit rbb online: "Die Zeit der Shopping-Malls ist vorbei". In Berlin herrsche bereits ein Verdrängungswettbewerb, neue Malls könnten nur mit einem besonderen Profil bestehen.  

"Ich glaube nicht, dass die Zeit der Shopping-Malls vorbei ist, auch hier in New York entstehen neue größere Shopping-Malls", entgegnet Busch-Petersen vom Handelsverband. Und auch der KaDeWe-Eigentümer René Benko ist offenbar ein Optimist, was die Kaufkraft der Berliner und Berlin-Besucher angeht. Denn er beteiligt sich nicht nur an der Millionen-Investition ins KaDeWe - sondern hat sich auch mit Harald Huth verbündet, um das Karstadt am Kurfürstendamm zur "Mall of Ku'Damm" zu erweitern.

Beitrag von Robin Avram

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

Studio Frankfurt

Vom Landkreis Oder-Spree bis zur Uckermark: Das rbb-Regionalstudio Frankfurt (Oder) mit Nachrichten, Reportagen und Hintergründen aus der Region.  

Das könnte Sie auch interessieren

ARCHIV - Rentner fährt mit Rollstuhl über einen Flur im Seniorenzentrum (Quelle: dpa/Jens Wolf)

Drohender Fachkräftemangel - Brandenburg braucht dringend Pfleger

Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt stetig - und damit auch der Bedarf an Fachkräften. Doch das Interesse am Pflegeberuf ist gering, denn die Arbeitsbedingungen gelten als unattraktiv. Brandenburg droht in den kommenden Jahren ein massiver Fachkräftemangel in der Pflege.

Ein Strand auf Mauritius (Foto: Imago / McPhoto)

Video: Brandenburg aktuell | 22.07.2016 | Theresa Majerowitsch - Urlaubs-Gutscheine von Unister sind nicht mehr gültig

Auch in Berlin und Brandenburg sind viele Reisende von der Insolvenz des Reisevermittlers Unister aus Leipzig betroffen. Mit in die Pleite schlitterten die beliebten Reiseportale "Ab in den Urlaub" und "Flüge.de". Wegen der Pleite sind Reise-Gutscheine nicht mehr gültig. Außerdem besteht Betrugsverdacht gegen die Firma, deren Gründer in der vergangenen Woche bei einem Unfall ums Leben kamen.