Touristen auf dem Vorplatz der Frauenkirche in Dresden. (Quelle: imago/Westend61)
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Studie zu Migration in Ostdeutschland - Großstädte haben sich "schwer aufgehübscht"

Der Osten schrumpft nicht mehr. Das hat das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung herausgefunden. Eigentlich ein Grund zur Freude für das dünn besiedelte Gebiet. Den immer kleiner werdenden Dörfern der Region hilft die Zuwanderung trotzdem nicht. 

Seit 2012 können die fünf Flächenländer im Osten Deutschlands - Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Brandenburg - mehr Menschen anziehen, als sie durch Wegzug verlieren. Zu diesem Ergebnis kommt das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung in der Studie "Im Osten auf Wanderschaft".

Absolute Zahl der Zu- und Fortzüge sowie Nettowanderung von 25- bis 29-Jährigen in den östlichen Bundesländern von 2008 bis 2013 (Quelle: Berlin Institut für Bevölkerung und Entwicklung)

Allerdings gilt die positive Migrationsbilanz nicht für alle Regionen im Osten. Nur eine Minderheit der Gemeinden - 15 Prozent - verzeichnete zwischen 2008 und 2013 mehr Zu- als Fortzüge. 85 Prozent der ostdeutschen Gemeinden verlor in den fünf Jahren nach wie vor mehr Bewohner, als neue hinzukamen.

Region braucht pulsierende Städte

Hotspots der Zuwanderung sind die ostdeutschen Großstädte - Leipzig, Dresden, Jena, Erfurt und Potsdam. Viele junge Menschen, die dort studieren oder eine Ausbildung machen, bleiben nach ihrem Abschluss, weil sich der Arbeitsmarkt in den Städten verbessert hat. Außerdem "zeigen sich nach langer Zeit die Folgen der Städtebauförderung im Osten", sagte Reiner Klingholz vom Berlin-Institut dem rbb. Alle Städte hätten sich schwer aufgehübscht, seien in den Innenstädten sehr viel attraktiver geworden und das spräche sich herum. Klingholz betonte, dass der Osten solche "Leuchttürme" bräuchte, da die Region sonst "flächendeckend neben Berlin gar nichts" hätte.

Wanderungssaldo je 1.000 Einwohner zwischen 18 und 24 Jahren von ausgewählten Städten, 2008 und 2013 sowie im Sechsjahresschnitt zwischen 2008 und 2013 (Quelle: Berlin Institut für Bevölkerung und Entwicklung)

Für die ostdeutschen Großstädte läuft es also gut, für die ländlichen Regionen dagegen weniger. Denn während vor allem junge Menschen in die Städte ziehen, schrumpfen die Gemeinden auf dem Land in der demografischen Gesamtbilanz. Damit sie nicht ganz verschwinden, sind laut Klingholz neue Versorgungsformen vor Ort nötig. Einigen mittelgroßen Städten ist es so bereits gelungen sich in einem schrumpfenden Umfeld zu behaupten.  

Marketing für alle Altersgruppen

Sie funktionieren als Versorgungszentren, bieten alles, was man zum Leben braucht: Ärzte, Apotheken, Geschäfte, Restaurants und kulturelle Einrichtungen. "Die Städte sollten sich dabei nicht scheuen, ihr altersfreundliches Umfeld nach außen zu vermarkten", rät Michael Slupina, der Hauptautor der Studie. Jüngere Zuwanderer würde das nicht vergraulen, im Gegenteil. Mehr ältere Bürger bedeuten auch eine verstärkte Nachfrage nach Dienstleistungen und damit Arbeitsplätze für jüngere Menschen. 

Die Flüchtlingszahlen wurden noch nicht in die Studie eingerechnet, "für die ländlichen Gemeinden eröffne sich damit aber die Chance neue Bewohner zu gewinnen", sagte Klingholz. Denn "wo sich Flüchtlinge dauerhaft niederlassen, könnten Schulen vor der Schließung bewahrt werden, neue Geschäfte oder kleine Unternehmen entstehen und Leerstand würde zu Wohnraum." Integration sei prinzipiell leichter möglich, wenn eine Gemeinschaft in Vereinen oder über die Freiwillige Feuerwehr organisiert sei, als in einem anonymen städtischen Umfeld.

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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