Handwerker verlegen in der Radrennbahn in Frankfurt (Oder) Holzlatten (Quelle: dpa)

Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse - Kommt ein Tischler nach Berlin...

Bei der Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse hapert es in Deutschland. Seit Jahren wird darüber gesprochen, dass das besser werden muss, auch weil Fachkräfte fehlen. Inzwischen gibt es eine Menge Nachschulungsmöglichkeiten, aber die Zahl der Anerkennungen ist auch in Berlin gering. Von Ute Schuhmacher

Kommt ein ausländischer Tischler nach Deutschland, nützen ihm seine Ausbildung und Berufserfahrung erstmal wenig, weil seine Ausbildung nicht dem deutschen Ausbildungsgang entspricht. Er muss sich seine Qualifikation anerkennen lassen. Dem Geschäftsführer der Handwerkskammer Berlin, Ulrich Wiegand, zufolge sind vor allem die entsprechen Unterlagen und Nachweise wichtig. "Wir können nur Dinge bewerten, die man glaubhaft machen kann."

Quailifikation in der Praxis testen

Berlins Arbeitssenatorin Dilek Kolat (SPD) ist dieser Weg allein zu langwierig. Wenn Menschen ihre Heimat verlassen, alles verloren haben und keine Dokumente dabei hätten, müsste ihre Kompetenz auch in der Praxis festgestellt werden können. "Man kann natürlich dann kann man natürlich kompliziert anfangen, Papiere zu sammeln, auch externe Prüfungen anzubieten, aber man kann in einem Betrieb die Menschen auch erstmal einstellen", so Kolat im rbb.  

Betriebe zu schwerfällig

Das gelte natürlich nicht nur für Bauunternehmer, sondern auch für andere Berufe im Handwerk. Hier müssten sie dann erstmal als Ungelernte beschäftigt werden. Das passiert aber so gut wie nie, kritisiert die Grüne Arbeitsexpertin Sabine Bangert. "Ich glaube, es liegt an den Betrieben, die zu schwerfällig sind." Auch sie plädiert dafür, die Menschen erstml einzustellen und dann in der Praxis zu schauen, welche Fähigkeiten sie mitbringen. "Es ist meistens eine Bereicherung. Ich habe noch von keinem Fall gehört, wo es absolut schief ging. Dann wird es auch funktionieren", sagte Bangert weiter.  

In diesem Jahr kommt ein Härtefonds

Es müssen aus Bangerts Sicht dann allerdings auch noch mehr Deutschkurse angeboten werden als bislang. Ein Punkt an dem die Arbeitssenatorin tatsächlich auch nachlegen will. Sie will zudem eine weitere Lücke schließen: Um ihren Beruf in Deutschland anerkannt zu bekommen, müssen viele ausländische Fachkräfte noch Zusatzschulungen ablegen, sich zu Prüfungen anmelden, Gebühren bezahlen. Das kann von wenigen hundert Euro bis zu einer fünfstelligen Summe kosten, so die Arbeitssenatorin Kolat. Deswegen habe sie jetzt für Berlin vor, 2016 einen Härtefonds einzurichten, so dass neben der Begleitung des Coachings auch die Kosten übernommen werden können. 

Kaum mehr als zehn Anerkennungen im Jahr 2015

Mindestens eine weitere Frage müsste noch geklärt werden: Wie überhaupt neu in Deutschland angekommende ausländische Fachkräfte bei den verschiedenen Kammern landen, um sich ihren Beruf anerkennen zu lassen? Bislang kommen da nur welche an, die schon länger hier wohnen, was an den Sprachkenntnissen abzulesen ist.

Handwerkskammergeschäftsführer Ulrich Wiegand weiß aus den Erfahrungen der letzten Jahre, dass die Sprache keine Rolle spielt. "Sie können alle deutsch."  

Für die neuen Fachkräfte, die noch nicht Deutsch können, will Arbeits- und Integrationssenatorin Kolat ab dem Sommer mit einem neuen Willkommenscenter helfen. Da sollen neu angekommene Ausländer auch Infos zum Einstieg in ihren Beruf bekommen.

Die Handwerkskammer hat 2015 gerade mal 28 Berufsanerkennungen erteilt, wovon nur ein Drittel vollständige Anerkennungen waren.

Beitrag von Ute Schuhmacher

Das könnte Sie auch interessieren

Syrischer Neurologe Mohammad H. (rechts) mit Jörg Müller vom Vivantes-Klinikum in Spandau (Quelle: rbb / Ute Schumacher)

Berufsanerkennung von Flüchtlingen - Ein Arzt, der Arzt werden will

Mohammad H. hat in Syrien als Neurologe gearbeitet. Das würde er auch in Deutschland gerne tun. Doch die Annerkennung ausländischer Berufsabschlüsse gleicht im Einzelfall meist einer Ochsentour. Mohammad H. macht sich derzeit zusammen mit dem Chefarzt für Neurologie am Vivantes-Klinikum in Berlin-Spandau auf diese Tour. Von Ute Schuhmacher