ARCHIV - Ein Arbeiter steht auf einem Betonfüller, der an einem Baukran hängt, aufgenommen am 06.05.2010 (Quelle: dpa)

Jahresvergleich 2015 - So haben sich die Arbeitslosenzahlen in der Region entwickelt

Die Arbeitslosenzahlen in Berlin und Brandenburg waren auch 2015 rückläufig. Und doch sind die regionalen Unterschiede zum Teil beträchtlich - nicht nur zwischen der Uckermark und Potsdam, auch zwischen Neukölln und Pankow.

2015 war ein gutes Jahr im Hinblick auf die Entwicklung der Erwerbslosenzahlen in Berlin und Brandenburg. So ist die Arbeitslosigkeit in beiden Ländern im letzten Jahr auf den niedrigsten Stand seit der Wende gefallen. Doch Durchschnittswerte sagen wenig über die tatsächliche Situation vor Ort aus. Denn regional sind die Unterschiede nach wie vor beträchtlich.

Im Durchschnitt waren in Berlin 194.800 Frauen und Männer ohne Beschäftigung registriert, 8.100 weniger als im Jahr 2014. Unter den Bezirken gibt es allerdings deutliche Unterschiede: Das bevölkerungsreiche Neukölln ist mit einer Erwerbslosenquote von 14,8 Prozent negativer Spitzenreiter in der Hauptstadt, gefolgt von Reinickendorf mit 12,8 Prozent und Spandau und Mitte, die sich mit 11,9 Prozent den dritten Platz teilen. In Pankow dagegen gibt es die wenigsten Arbeitslosen in der Hauptstadt mit nur 8,5 Prozent. Dicht dahinter folgt Treptow-Köpenick mit 8,6 Prozent. Im Mittelfeld bewegen sich Steglitz-Zehlendorf (9,2), Marzahn-Hellersdorf (9,5), Charlottenburg-Wilmersdorf (9,6) und Lichtenberg (9,7).

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) wies darauf hin, dass 2015 besonders die Langzeitarbeitslosen von der günstigen Entwicklung profitiert hätten: Knapp 4.000 Männer und Frauen, die zuvor ein Jahr und länger arbeitslos waren, seien wieder in Lohn und Brot, sagte der Vize-Hauptgeschäftsführer Christian Wiesenhütter. Der Anteil der Langzeitarbeitslosen an allen Erwerbslosen sei mit 32,4 Prozent gleichgeblieben und liege deutlich unter dem Bundesdurchschnitt, stelle Arbeitssenatorin Dilek Kolat (SPD) fest.

Brandenburg profitiert vom Berliner Speckgürtel

Auch in Brandenburg war die Erwerbslosigkeit so niedrig wie noch nie seit dem Mauerfall. Im Jahresdurchschnitt waren 114.900 Frauen und Männer erwerbslos gemeldet, das entspricht einer Quote von 8,7 Prozent, wie die regionale Arbeitsagentur am Dienstag mitteilte. Im Jahr zuvor lag sie noch bei 9,4 Prozent. In allen Landkreisen und kreisfreien Städten waren die Zahlen zwar auch hier rückläufig. Doch die Spreizung ist groß.

Mit 14,7 Prozent leben in der Uckermark die meisten Erwerbslosen. In Potsdam, das bei Zuzüglern äußerst beliebt ist, beträgt die Quote nur sieben Prozent. Unter den kreisfreien Städten hat die Landeshauptstadt damit die niedrigste Quote. So liegt in Brandenburg an der Havel die Quote bei 12 Prozent, in Frankfurt (Oder) 11,2 und in Cottbus 10.

Die gute Konjunktur habe sich besonders auf Einstellungen von Unternehmen im Berliner Umland positiv ausgewirkt, sagte die Geschäftsführerin der Agentur, Jutta Cordt, in Berlin. So beträgt die Erwerbslosenquote zum Beispiel in Potsdam-Mittelmark und in Dahme-Spreewald sechs Prozent. Auch der weiterhin anhaltende Wegzug von Menschen aus Brandenburg führe zu einer niedrigeren Erwerbsquote. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen, vor allem Ältere, nehme allerdings kontinuierlich zu: 42 Prozent aller Erwerbslosen seien seit mehr als einem Jahr ohne Arbeit.

Positiver Ausblick auf 2016

Für dieses Jahr erwartet das Forschungsinstitut der Agentur (IAB) in der Bundeshauptstadt einen Rückgang der Arbeitslosenzahl um rund 3.000. Deutlich stärker, um rund 36.000 Menschen, soll die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten steigen. Der große Unterschied ergibt sich dadurch, dass viele Arbeitsplätze von Fachkräften besetzt werden, die aus anderen Bundesländern nach Berlin kommen.

Leichter Anstieg im Dezember

Im Dezember stieg die Berliner Arbeitslosenquote leicht um 0,1 Punkte im Vergleich zum Vormonat auf 10,1 Prozent. "Der Zuwachs im letzten Monat des Jahres ist saisontypisch", sagte Cordt. In wetterabhängigen Branchen wie Baugewerbe, Landwirtschaft und Gartenbau würden dann weniger Arbeitskräfte nachgefragt.

Am Dienstag wurden die Arbeitslosenzahlen für den Monat Dezember vorgestellt. In Berlin waren 184.267 Männer und Frauen arbeitsuchend gemeldet - das waren 1.879 mehr als im November, aber 7.546 weniger als im Dezember 2014. Vor einem Jahr lag die Arbeitslosenquote noch bei 10,5 Prozent. Im vergangenen Monat waren 25.090 offene Stellen gemeldet, 3.245 mehr als im Dezember 2014.

Auch in Brandenburg stieg die Arbeitslosenquote im Vergleich zu November um 0,2 Punkte auf 8,3 Prozent. Die Zahl der registrierten Arbeitslosen erhöhte sich um 3.274 auf 110.137. Das waren jedoch 8.159 weniger als vor einem Jahr. Cordt begründete den leichten Anstieg in beiden Fällen mit einem saisontypischen Zuwachs, bedingt durch die geringe Nachfrage nach Arbeitskräften auf dem Bau, im Gartenbau und in der Landwirtschaft.

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