Ein Flugzeug der Airlines Air Berlin und Etihad steht auf dem Rollfeld. (Quelle: imago/Rüdiger Wölk)
Audio: Inforadio | 08.01.2016 | Karsten Zummack

Schonfrist für Gemeinschaftsflüge mit Etihad endet - Air Berlin drohen empfindliche Verluste

Der Countdown läuft für Air Berlin. Nur noch eine Woche lang darf Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft gemeinsam mit dem Partner und Geldgeber Etihad Verbindungen vermarkten. Air Berlin drohen empfindliche Umsatzeinbußen. Der Partner aus Abu Dhabi bemüht sich um eine weitere Schonfrist. Von Karsten Zummack

Seit langem befindet sich Air Berlin in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Das Unternehmen schreibt kontinuierlich rote Zahlen, verlor im vergangenen Jahr ein Siebtel seiner Passagiere. Zu allem Ungemach droht ab dem 16. Januar auch noch das Ende der Gemeinschaftsflüge mit dem Großaktionär Etihad.

31 Verbindungen sind davon betroffen, erklärt der Hamburger Luftfahrt-Experte Cord Schellenberg. "Ein Teil dieser Weiterflüge mit Air Berlin von Berlin zu europäischen Zielorten - oder von Düsseldorf oder Stuttgart - sollen jetzt nicht mehr genehmigt werden", erklärt Schellenberg. "Air Berlin hat dann natürlich einen Einnahme-Ausfall, weil Etihad nicht mehr so einfach diese Flugstrecken verkaufen kann. Bisher konnte Etihad sie unter ihrem Kürzel verkaufen."

"Es muss bei Air Berlin einen Plan B geben"

Das wird künftig nicht mehr so leicht sein. Die Flüge müssten unter verschiedenen Kürzeln gebucht werden. Das dürfte den Online-Vertrieb erschweren. Das Verwaltungsgericht Braunschweig hatte kurz vor dem Jahreswechsel entschieden, dass das Bundesverkehrsministerium die Gemeinschaftsflüge ablehnen darf. Bis zuletzt gab sich Air-Berlin-Chef Stefan Pichler siegesgewiss, setzte auf ein Einlenken der Politik. Über einen Plan wollte er noch bei der Vorstellung aktueller Geschäftszahlen im November nicht spekulieren: "Das ist ja eine hypothetische Frage. Das wird so weitergehen. Punkt!"

Ein "Weiter so" scheint jetzt aber unwahrscheinlich. Luftfahrtexperte Schellenberg geht davon aus, dass Air Berlin auch für den Fall eines Endes der Gemeinschaftsflüge einen Plan B in der Schublade hat. Zeit zum Vorbereiten hätte die Airline ausreichend gehabt. Seit Monaten habe das Luftfahrtbundesamt diese Kombination von Flügen infrage gestellt. "Und insofern muss es bei Air Berlin einen Plan B geben", meint Schellenberg. "Natürlich braucht man eine Planung, denn zum einen hat man gebuchte Passagiere." Außerdem würden die Flüge weltweit angeboten. Dies könnte man als börsennotiertes Unternehmen nur dann tun, wenn die Leistungen auch sichergestellt sind.

Etihad kämpft um weitere Schonfrist

Viel problematischer sieht Schellenberg das Signal, das mit dem Verbot der Gemeinschaftsflüge von Deutschland Richtung Ausland, speziell an den Etihad-Unternehmenssitz, geht. "Das Zeichen, das nach Abu Dhabi gesendet wird, ist, dass deutsche Behörden, deutsche Politik diese Zusammenarbeit von einer Fluggesellschaft vom Golf und einer Fluggesellschaft in Deutschland nicht schätzen. Mindestens interpretieren die Geschäftspartner in Abu Dhabi das so. Und das ist ein Signal, das man nicht gerne empfängt." Langfristig könne das die Zusammenarbeit beider Gesellschaften – und damit die Finanzierung von Air Berlin – gefährden, so Schellenberg.

Etihad versucht derweil vor Gericht zumindest bis Ende März eine Schonfrist für die Gemeinschaftsflüge zu erstreiten.

Beitrag von Karsten Zummack

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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