Blick durch die Brandenburger Straße in Potsdam (Quelle: imago/Westend61)
Audio: Inforadio | 29.01.2016 | Karsten Zummack

Hohe Mieten belasten Potsdams Einzelhändler - "Das ist einfach nicht bezahlbar"

Die Deutschen sind in Kauflaune, geben ihr Geld aber immer öfter bei Online-Händlern aus. Ein Problem für den stationären Handel in den Innenstädten, der zu allem Ärger mit kräftigen Mieterhöhungen zu kämpfen hat. In Potsdam ist der Effekt besonders stark spürbar. Von Karsten Zummack

Susanne Posth hievt schwere Kisten mit Sirup-Flaschen aus dem Lager zum Eingang ihres Ladens. Die weißen Regale sind bereits fast leergeräumt: Kehraus in der Feinkostmanufaktur Senfelfen am Rande der Fußgängerzone. Nach sechs erfolgreichen Jahren verlässt die Händlerin Potsdam. Der Platz ist zu knapp geworden. Und einen Umzug in ein größeres Geschäft kann sie sich hier nicht leisten.

"Ich bin nicht Krösus. Also das ist einfach nicht bezahlbar. Wenn man hier in der Innenstadt etwas Größeres mieten will, dann ist es einfach so, dass die Mieten so hoch sind, dass ich bei den kleinen Spannen, die ich hier habe und erwirtschaften kann, nichts mehr übrig behalten würde", sagt Susanne Posth. "Ich würde nur noch für den Vermieter arbeiten. Und das kann nicht Sinn und Zweck der Übung sein."

Bis zu 80 Euro pro Quadratmeter

Susanne Posth ist nicht die erste, die seit Jahresbeginn der Potsdamer Innenstadt den Rücken kehrt. In der Fußgängerzone sind derzeit fünf Schaufenster zugeklebt. In einem hängt ein Zettel mit der Aufschrift "Zu vermieten". Gegenüber in einem ehemaligen Schuhladen türmen sich Zementsäcke. Auch ein Bäcker hat zugemacht. Mitunter werden Ladenmieten von 80 Euro pro Quadratmeter verlangt.

Gerade für inhabergeführte Läden ist das zu viel, meint der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Innenstadt, Wolfgang Cornelius. Die Mieten, die hier gefordert werden, entsprechen noch nicht ganz der Kaufkraft, sagt Cornelius. "Denn das Geld, was in Potsdam im Einzelhandel ausgegeben wird, wird zum überwiegenden Teil in den beiden Einkaufscentern ausgegeben. Der Marktanteil der Innenstadt liegt unter 50 Prozent."

Nicht nur in Potsdam ein Problem

Das führt dazu, dass kleinere Läden aufgeben. Leisten können sich die Mieten vor allem große Ketten. Karin Genrich kennt das Problem, ist mit ihrer Modeboutique selbst vor einiger Zeit aus der Fußgängerzone in eine Nebenstraße gezogen. Als Präsidentin des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg weiß sie aber auch, dass es sich nicht um ein spezielles Potsdamer Problem handelt.

"In den ländlichen Gegenden und in auch den kleineren, den Mittelzentren ist die Erosion noch viel größer. Das ist nicht überall das gleiche Phänomen. Aber Mieten sind natürlich ein großer Kostenfaktor. Dann kommt dazu, dass mittlerweile Online-Geschäfte bei etwa 20 bis 30 Prozent liegen. Und wir wissen auch, dass die jüngere Zielgruppe noch viel öfter ins Internet geht und viel mehr über Online kauft."

Das führt dazu, dass die Kundenfrequenz zum Beispiel in der Potsdamer Innenstadt zurückgeht. Gegen diesen Trend helfen mittelfristig sicher nur interessante, neue Geschäftsideen - auch für die leerstehenden Läden.

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

Studio Frankfurt

Vom Landkreis Oder-Spree bis zur Uckermark: Das rbb-Regionalstudio Frankfurt (Oder) mit Nachrichten, Reportagen und Hintergründen aus der Region.  

Das könnte Sie auch interessieren