Aufsteller mit der Aufschrift "We Rock the Internet" stehen am 23.06.2015 in Berlin bei der Jahreshauptversammlung von Rocket Internet. Foto: Jens Kalaene/dpa

Samwer-Brüder legen neuen Fonds auf - Rocket Internet will weiter investieren

Gute Nachrichten waren in letzter Zeit selten bei Rocket Internet: Aktienkurs im Keller, Aufsichtsratschef ausgewechselt, ein wichtiger Börsengang abgeblasen. Ein neuer Investitionsfonds soll jetzt für eine bessere Stimmung sorgen. Einen Strategiewechsel hat Gründer Oliver Samwer aber ausgeschlossen.

Die Berliner Start-up-Schmiede Rocket Internet will trotz eines gesunkenen Aktienkurses nichts an seiner Firmenstrategie ändern. "Der Kurs unseres Unternehmens ist, dass wir über viele Jahre noch im Investitionsmodus sind", sagte Gründer und Vorstandschef Oliver Samwer am Dienstag in Berlin. Man sei dagegen, "kurzfristig der Börse immer alle drei Monate Häppchen zu zeigen".

Neuer Investitionsfonds sammelt Geld ein

Rocket Internet hat einen neuen Investitionsfonds gegründet. In einer ersten Runde habe man für den "Rocket Internet Capital Partners Fund" mehr als 420 Millionen US-Dollar, umgerechnet gut 385 Millionen Euro, eingesammelt, gab Samwer bekannt. "Das ist ein unglaublicher Vertrauensbeweis in das Rocket-Geschäftsmodell." Von der Summe kommen 50 Millionen Dollar von Rocket selbst.

Der Fonds mit Sitz in Luxemburg sei auf zehn bis zwölf Jahre angelegt und soll sein Geld gemeinsam mit Rocket Internet in aussichtsreiche Jungunternehmen stecken. Zu den Investoren zählen nach Samwers Worten Pensionsfonds, Versicherungen und Stiftungen. Insgesamt werden mehr als 500 Millionen Dollar angestrebt.

Aktienkurs unter Druck

Mit eigenen Barmitteln von 1,7 Milliarden Euro könne Rocket nun insgesamt 2,1 Milliarden Euro investieren, erklärte Samwer weiter. "Damit spielen wir international in der Top-Liga der Investoren."

Die Rocket-Aktie hatte in den vergangenen Wochen stark an Wert verloren. Am Dienstag notierte sie zwischen 18,50 Euro und 19 Euro. Beim Börsengang im Oktober 2014 waren 42,50 Euro erzielt worden.

Streit im Aufsichtsrat?

Nach einigen Personalwechseln widersprach Samwer Berichten, wonach es Konflikte im Unternehmen oder mit einem seiner Teilhaber, der schwedischen Beteiligungsgesellschaft Kinnevik, gebe. "Das Rocket-Kernteam ist unverändert." Es habe zu keinem Zeitpunkt Streit im Aufsichtsrat gegeben.

Im Herbst hatte das Unternehmen den geplanten Börsengang des Lebensmittel-Versenders Hello Fresh aufs Eis gelegt. Hello Fresh sei extrem erfolgreich, man wolle aber auf ein besseres Umfeld warten. "Am Ende gehen sie mit einem Schiff raus, wenn der Wind gut ist."

Samwer sagte, die Verluste seiner wichtigsten Beteiligungen ("Proven Winners") hätten 2015 ihren Höchststand erreicht. "Von nun an geht es runter." Vom vierten Quartal 2017 an sollen drei dieser zwölf Unternehmen dauerhaft profitabel sein. Auch der Schuh- und Modehändler Zalando, der inzwischen Gewinn macht, sei über Jahre für seine Verluste kritisiert worden, verteidigte Samwer den Kurs.

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