Entwurf der neuen Züge für die Berliner S-Bahn an einem Bahnhof (Quelle: © Stadler Pankow GmbH/design: büro+staubach berlin)
Video: Abendschau | 27.01.2016 | Ulli Zelle

Konzept für neue S-Bahn-Wagen präsentiert - Weiterhin rot-gelb, aber mit mehr Komfort

Erstmals eine Klimaanlage, mehr Licht und Sicherheit - das und einiges andere sollen die neuen Fahrzeuge der S-Bahn ab 2021 mitbringen. Bei der Unterzeichnung des neuen Vertrags für die Ringbahn wurde das Konzept für die Wagen präsentiert. Die Erwartungen an die neuen Modelle sind hoch.

Die S-Bahn bekommt in den nächsten Jahren mehrere hundert neue Wagen. Bei der offiziellen Unterzeichnung des neuen Vertrags für den S-Bahn-Ring und seine südöstlichen Zulauflinien zwischen der Deutschen Bahn und den Ländern Berlin und Brandenburg sind am Mittwoch auch die neuen Züge vorgestellt worden, die ab 2021 nach und nach einsatzbereit sein sollen. Das teilten die Beteiligten am Mittwoch mit. Der neue Verkehrsvertrag umfasse ein Drittel des Berliner S-Bahn-Netzes.

Produzieren soll die insgesamt 382 Fahrzeuge ein Konsortium der Unternehmen Siemens und Stadler, gefertigt werden sollen sie in der Region Berlin-Brandenburg. Die Züge sollen die S-Bahn-Flotte sukzessive verstärken und die Ausmusterung veralteter Wagen ermöglichen. Der Auftrag umfasst rund 900 Millionen Euro.

"Der Ringbetrieb muss Maßstäbe setzen"

S-Bahn-Chef Peter Buchner sieht die Chance zur Wiedergutmachung nach den S-Bahn-Pannen der Vergangenheit. "Sie wissen, aus welcher schwierigen Situation wir gekommen sind, 2009, 2010", sagte er dem rbb. "Wir haben insgesamt 400 Millionen Euro jetzt einfach in die Hand genommen, um all diese Themen abzustellen."

"Der Ring ist das Herzstück des Berliner S-Bahn-Systems", sagte der Berliner Verkehrssenator Andreas Geisel (SPD) laut einer Mitteilung bei dem Termin im Bahnwerk Berlin-Schöneweide. Die beteiligten Unternehmen übernähmen daher eine große Verantwortung. "Der Ringbetrieb mit seinen neuen Fahrzeugen muss Maßstäbe setzen in Sachen Qualität und Zuverlässigkeit."

Die Brandenburger Infrastruktur-Ministerin Kathrin Schneider wies auf die stetig steigende Zahl der Pendler zwischen Berlin und den brandenburgischen Kommunen hin, woran der öffentliche Personennahverkehr angepasst werden müsse. Der neue Vertrag sichere, "dass auf einem Drittel des Netzes Schritt für Schritt neue Züge schneller und komfortabler unterwegs sein werden".

Die Geschäftsführerin des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg, Susanne Henckel, bezeichnete die Vertragsunterzeichnung als "Startschuss, unser S-Bahn-System wieder zum modernsten in Europa zu machen". Dabei verglich sie die aktuelle "Aufbruchstimmung" mit "der in den Gründerjahren des vorigen Jahrhunderts". Bei Infrastruktur und Service sieht sie bei der Bahn allerdings noch Handlungsbedarf. "Das Fahrzeug kann einiges", sagte sie mit Blick auf die technische Ausstattung der neuen Wagen - und forderte dann: "Die Infrastruktur müsste aber noch mehr können."

Linke kritisiert: Züge kommen zu spät

Die Opposition kritisierte, dass die neuen Züge zu spät kämen. "Ursache dafür ist die Fehlentscheidung des Senats, dass er die Fahrzeugbeschaffung an den Zuschlag in der Ausschreibung gekoppelt hat", erklärte der Fraktionsvorsitzende der Linken im Abgeordnetenhaus, Udo Wolf. Deshalb könnten die Fahrzeuge erst jetzt überhaupt bestellt werden.

Neu in den S-Bahn-Fuhrpark für die Ringbahn und seine Zulauflinien im Südosten sollen 21 Zwei-Wagen-Triebzüge (Baureihe 483) und 85 Vier-Wagen-Triebzüge (Baureihe 484) kommen - ausgestattet mit einer 30-jährigen Garantie für "hohe Einsatzqualität". Die "traditionelle rot-gelbe Lackierung" wird laut der Mitteilung der Vertragsunterzeichner beibehalten.  

Erstmals werden die Wagen klimatisiert sein. Außerdem sollen Monitore Echtzeitdaten zum Fahrtverlauf und zu Anschlüssen liefern. Der "lichtdurchflutete Innenbereich der Fahrzeuge" sei geprägt durch mehr Komfort und Sicherheit. Sie sollen zwischen den Führerständen durchgängig begehbar sein. Zudem gebe es in allen Wagen Videoüberwachung.  

Abgerundete Ecken und mehr Platz

Heftige Kritik am S-Bahn-Vertrag

Die Bahn hatte im Dezember den Zuschlag für das neue Vertragswerk erhalten. Sie wird den S-Bahn-Ring und seine südöstlichen Zubringerlinien auch nach 2017 weiter betreiben. Der Vertrag läuft über 15 Jahre. Die Bahn wird in diesem Zeitraum rund 1,8 Milliarden Euro und damit deutlich mehr Geld als bisher von Berlin erhalten. Begründet wird dies mit einem erweiterten Angebot und mit den fast 400 neuen Wagen, die nun von den Firmen Siemens und Stadler gebaut werden sollen.

An dem Vertragsabschluss gab es jedoch auch im Vorfeld bereits heftige Kritik. Für die Grünen ist er der "mieseste S-Bahn-Deal aller Zeiten".  Auch gegen das Vergabeverfahren wurden Vorwürfe erhoben.  

Der S-Bahn-Ring mit der Zubringerstrecke aus Südosten (S8, S46, S47) war 2012 nach dem Berliner S-Bahn-Chaos ausgeschrieben worden. Allerdings waren viele Bewerber während des Verfahrens wieder abgesprungen. Die Berliner Grünen hatten die Vergabe an den "Monopolist Deutsche Bahn" scharf kritisiert. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende und verkehrspolitische Sprecher der Grünen, Stefan Gelbhaar, sprach von einem Fiasko und prognostizierte "einen unzuverlässigen S-Bahn-Verkehr mit unpünktlichen oder ausgefallenen Zügen über das Jahr 2017 hinaus".

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