Zwei Baukräne ragen am 23.03.2015 in Berlin am Abend auf der Baustelle neben dem Waldorf Astoria (Mitte) in den Himmel. Auf der Baustelle neben dem Nobelhotel entsteht ein weiteres Hochhaus. (Quelle: dpa)
Video: Abendschau | 10.02.2016 | Christina Heicappel

Konjunkturbarometer Berlin | Brandenburg - Top-Werte trotz trudelnder Weltwirtschaft

Die meisten Unternehmer in Berlin und Brandenburg sind so zufrieden wie selten zuvor mit ihren Geschäften. Das geht aus dem Konjunkturbericht der Industrie- und Handelskammern hervor. Nur in einer Branche ist die Stimmung durchwachsen.

Die Konjunkturaussichten in Berlin und Brandenburg sind nach Einschätzung der vier Industrie- und Handelskammern (IHK) blendend. Der Index für Lage und Erwartungen der Unternehmen zeige den höchsten Wert seit Beginn der Zeitreihe 1995, teilten die Kammern am Mittwoch mit.

"In unserem Wirtschaftsraum läuft es einfach gut. Dabei profitiert die Region insbesondere von der positiven Kaufkraftentwicklung. Durch die niedrigen Energiepreise bleibt zudem mehr Geld, das man dann ausgeben kann, die niedrigen Zinsen kommen hinzu", kommentiert der Chef der Berliner IHK, Jan Eder, die Ergebnisse.

Dass die Verbraucher auch im Jahr 2016 in Kauflaune bleiben werden, hatte kürzlich auch die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) prognostiziert. Die Forscher rechnen für 2016 mit einem Anstieg der privaten Verbraucherausgaben um 2,0 Prozent. Den GfK-Umfragen zufolge dürften die Deutschen zunehmend Geld für Reisen und Wellness ausgeben, zudem lägen Haus- und Wohnungsrenovierungen im Trend.

Klagen über Russland-Sanktionen

Von der guten Konjunkturlage profitieren vor allem Dienstleister, Händler, aber auch Tourismusanbieter. Nach IHK-Angaben gibt es derzeit keine schwache Branche, allerdings hinkt die Entwicklung im Industriebereich etwas zurück. Das ist vor allem auf das internationale Umfeld zurück zu führen. So bremsen Konjunkturprobleme in China und einigen großen Schwellenländern die Exportaussichten.

Hinzu kommt, dass der Ölpreis nicht nur positiv wirkt, sondern auch die Finanzmärkte beunruhigt. Speziell brandenburgische Unternehmen klagen zudem über wegbrechende Geschäfte in Russland, so Wolfgang Krüger von der IHK Cottbus. "Viele kleine und mittelständische Unternehmen unterhalten gute Geschäftsbeziehung nach Russland, hier schlagen die Russland-Sanktionen zu. Es gibt ein deutliches Unbehagen dieser Unternehmen, das kein Ende der Sanktionen in Sicht ist", klagt Krüger.

Viele andere Ländern sind für das Exportgeschäft der Brandenburger Unternehmen allerdings deutlich wichtiger: In den Top10 der wichtigsten Handelspartner tauchte Russland im Jahr 2015 nicht auf.

Auf den Datenautobahnen stockt es noch zu oft

Dass die Brandenburger Unternehmen nicht ganz so gute Konjunkturaussichten haben wie die Berliner Unternehmen, liegt eher an anderen Faktoren. Gerade in abgelegenen Regionen kämpfen viele Unternehmen zum Beispiel mit schlechten Verkehrsanbindungen. Und auch auf der Datenautobahn stockt es trotz des flächendeckenden Breitband-Ausbaus der Landesregierung zu oft.

"Verglichen mit dem internationalen Maßstab sind wir ganz weit hinten. Für viele Unternehmen ist es wahnsinnig wichtig, dass sie für Forschung und Entwicklung die entsprechenden Bandbreiten zur Verfügung haben. Hier hat das Land zwar viel getan, aber leider noch nicht genug", bemängelt der Hauptgeschäftsführer der IHK Potsdam, Mario Tobias. Alles in allem wollen die meisten Firmen in Berlin und Brandenburg in diesem Jahr investieren, jedes vierte Unternehmen will Personal aufstocken. Das tut Not, denn gerade am Arbeitsmarkt ist der Nachholbedarf im Bundesvergleich noch groß-

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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