Siedlung Südlicht 11 (Quelle: rbb/Frewel)
Audio: Inforadio | 21.02.2016 | Apropos Wirtschaft | Johannes Frewel

Bezahlbarer Wohnraum im Südlicht 11 - Schöner wohnen im Billig-Neubau

In Berlin wird seit Jahren für zahlungskräftige Kunden fleißig gebaut. Im mittleren und unteren Preissegment tat sich indes sehr lange nichts. In der Neubausiedlung Südlicht in Lichtenrade ist es den Bauherren gelungen, preisgünstig Wohnungen zu errichten. Von Johannes Frewel

30 Jahre lang hat die Gemeinnützige Baugenossenschaft Steglitz nicht mehr gebaut, sie besitzt vor allem ältere Wohnungen. Aber die rasant steigende Nachfrage nach neuen Wohnungen hat die vorsichtig kalkulierenden Baugenossen zum Umdenken bewegt. Elf Häuser mit 192 Wohnungen sind am Töpchiner Weg 182–196 und Alt-Lichtenrade 27-29 in der Siedlung "Südlicht 11" gerade bezugsfertig geworden. Eine Siedlung mit dreistöckigen Häusern, ausgebaute Dächer, die Wohnungen sind von der Wohnungstür bis zu Balkon und Terrasse barrierefrei. Ein Ort, an dem Mieter auch im Alter selbständig bleiben können.

Das Besondere: Während andernorts in Berlin für 3.500 Euro je Quadratmeter und teurer gebaut wird, sind die Wohnungen am Töpchiner Weg fast ein Drittel billiger - und damit auch erschwinglich für Normalverdiener, die es sonst schwer haben am Berliner Wohnungsmarkt.  Landschaftsbauer sind gerade dabei, das von den Bauarbeiten zerfurchte Grundstück mit kleinen Baggern und Radladern für den Frühling herzurichten. Wo jetzt noch Sandberge den Blick bestimmen, soll das grüne Herz der Siedlung entstehen.

Die Bagger in der Siedlung Südlicht 11 (Quelle:rbb/Frewel)
Noch sind die Bagger im Einsatz

"Man hat alles neu"

Mieter bummeln zum Einkaufen zu Kaisers und Aldi auf die andere Straßenseite, während an den Grünanlagen mit kleinen Baggern und Radladern noch gebaut wird. Mieterin Jeanette Kowanke schlendert über einen neu gepflasterten Weg in der Siedlung. Sie ist gerade frisch in ihre barrierefreie Dachwohnung eingezogen und ist bis auf kleine Einschränkungen sehr zufrieden mit ihrem neuen Domizil. "Alles ein bisschen eng, auch der Keller - aber damit kann man leben. Man hat alles neu, mein Mann und ich sind total begeistert".

Leicht unter Standard? Finden die Mieter nicht

Trotz des günstigeren Preises ist die Ausstattung üppig. Thomas Ahlgrimm, kaufmännischer Vorstand der Gemeinnützigen Baugenossenschaft Steglitz, steht mit einem großen Schlüsselbund in der Hand im Hausflur eines Hauses von Südlicht 11.

Schließlich findet er den passenden Schlüssel, zeigt eine noch nicht ganz fertige Wohnung. Der Komfort ist mit Fußbodenheizung sowie Balkon oder Terrasse für jede Wohneinheit ansprechend. Zu sehen ist unter anderem eine offene Küche mit gefliestem Band an der Wand, auf dem reichlich Steckdosen an der Wand verteilt sind. Normalerweise seien die Anforderungen beispielsweise an die Elektrik noch höher, sagt Ahlgrimm. Hier seien schon Abstriche gemacht worden. Was dem einen als eingeschränkter Mindeststandard gilt, lässt andere die Hände entgeistert über dem Kopf zusammenschlagen. Neumieterin Jeanette Kowanke ist selbst die Sparversion viel zu viel. "In der Küche habe ich 20 Steckdosen, ich weiß gar nicht, was ich damit soll. Hat mich total erschlagen."

Logo der BGSt an Häuserwand (Quelle: rbb/Frewel)

Luft für weniger Miete

Es gibt also noch Luft in den Baupreisen. Der Trend geht zu kleineren Wohnungen für Singelhaushalte: 28 bis 35 Quadratmeter werden künftig reichen müssen. Die Wohnungen der gemeinnützigen Baugenossenschaft Steglitz sind freilich deutlich größer. Die Zielgruppe seien junge Familien, aber auch die 50plus-Klientel, so Ahlgrimm.
7 Euro 80 bis 9 Euro je Quadratmeter kalt kosten die barrierefreien Wohnungen am Töpchiner Weg monatlich Miete. Zu haben ist keine mehr. Die Nachfrage ist so groß, dass alles schon weg war, kurz nachdem die Bauarbeiten 2014 begonnen hatten. Wer irgendwann noch mal Mieter werden will, muss Mitglied der Genossenschaft sein und die entsprechenden Anteile in Höhe von 320 Euro gezeichnet haben.

Neubauten in Berlin

Berlin wächst derzeit kräftiger als in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Hält der Zuzug an, könnte bereits 2020 die Vier-Millionen-Einwohnermarke in den Blick geraten. Ein Wachstum, mit dem vor fünf oder zehn Jahren niemand gerechnet hätte. Die Zinsen sind niedrig wie noch nie, das kurbelt den Neubau an. Auch an zahlreichen Stellen Berlins und im Umland wird kräftig gebaut. Wurde bisher in teuren Innenstadt- und Szenelagen zu Quadratmeterpreisen ab etwa 3.500 Euro gebaut, geht es nun um einen Markt, in dem es etwa ein Drittel billiger werden muss. Die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum kommt nicht überraschend Gerade beim sozialen Wohnungsbau hatte der Berliner Senat die Hände lange Jahre in den Schoß gelegt. Der Bundesfinanzminister überwies jedes Jahr gut 500 Millionen Euro Subventionen an die Länder. Heute ist es deutlich mehr. Die meisten nahmen das Geld dankend, um mit den Mitteln für sozial schwache Mieter ganz andere Vorhaben zu finanzieren. Wie in Berlin. Dort baute der rot-rote Senat mit dem Bundesgeld keine einzige Sozialwohnung. Die Folgen spüren die Mieter immer drängender, beklagt Ulrich Ropertz, Geschäftsführer beim Deutschen Mieterbund.

Johannes Frewel

Auführlichere Informationen zum Thema Zukunft der Neubauten in Berlin hören Sie oben im Beitrag im Audio.

Beitrag von Johannes Frewel

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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