Vincent Genz und Benjamin Westerheide von der TU Berlin haben leuchtenden Beton entwickelt. (Quelle: Benjamin Westerheide)

Interview | Baumesse Bautec - Berliner Start-up-Jungs bringen Beton zum Leuchten

Leuchtende Straßen, Bahnsteige oder Esstische - die Berliner TU-Studenten Vincent Genz und Benjamin Westerheide hoffen mit einem Wunderwerkstoff auf den ganz großen Wurf: Beton, der leuchtet. Mit ihrem Start-up "Siut" sind sie auch auf der Baumesse "Bautec" vertreten. Ein Gespräch über Bahnsteigkanten, Badewannen und das nötige Kleingeld.

Herr Genz, Herr Westerheide, wann wurde Ihnen bewusst, dass Sie mit dem leuchtenden Beton einen Treffer gelandet haben?

Genz: Eigentlich erst, als wir damit rausgegangen sind und ihn im kleineren Kreis, bei Familie und Freunden, gezeigt haben. Als wir die Reaktionen gesehen haben, wurde uns klar, wie weit wir eigentlich schon gekommen sind. Das eigentliche Feedback hat uns gezeigt, dass wir echt was geschaffen haben und da weitermachen müssen.

Ein vorbeifahrender Zug, die Bahnsteinkante ist mit leuchtendem Beton versehen. (Quelle: www.siut.eu, Screenshot: rbb)
Leuchtende Bahnsteigkante

Der Beton könnte zum Beispiel für eine funkelnde Tischplatte oder leuchtende Wegweiser im Boden verwendet werden. Sieht das immer noch aus wie Beton oder schon wie im Fantasyfilm?

Genz: Das kommt auf die Konzentration der Lichtfasern an, die eingearbeitet wurden. Wenn die Lichtfasern im ausgeschalteten Zustand sind, schaffen wir es, die Natürlichkeit des Werkstoffes hervorzuheben und den Trend Beton zu bedienen. Wenn es darum geht mehr Sicherheit in öffentlichen Bereichen wie Bahnhöfen und  Flughäfen zu gewährleisten, bringen wir durch eine größere Anzahl Lichtfasern mehr Licht in den Beton. Dann nimmt man schon das Licht deutlicher wahr und der Werkstoff rückt etwas in den Hintergrund.

Es ist also ein Esstisch denkbar, der ein- und ausgeschaltet werden kann, der nur leuchtet, wenn jemand dran sitzt. Ginge das?

Genz: Das ginge ohne Probleme. Man kann theoretisch auch mit fest installierten Elementen wie Wandpanelen arbeiten, die beispielsweise mit Bewegungssensoren gekoppelt werden können. Wenn sich dann jemand in einem bestimmten Bereich aufhält, wird atmosphärische Beleuchtung gestiftet.

Westerheide: Man kann natürlich eine herkömmliche Methode wie zum Beispiel Schalter wählen, aber gerade im Sicherheitsbereich, werden wir viel mit Sensoren wie Bewegungssensoren oder Trittschallsensoren arbeiten.

Also wenn jemand über den Beton geht, fängt er an zu leuchten?

Westerheide: Richtig, oder wenn die Bahn oder der Bus einfährt… Der Beton ist sozusagen eine aktive Kommunikationsplattform. In dem Werkstoff werden Daten gezeigt. Das Datenmaterial dahinter wird von der Bahn oder anderen Quellen bereitgestellt. Entsprechend ist die Kopplung hinter der Kulisse.

Sie stammen beide von der TU. Haben Sie sich dort auch kennengelernt?

Genz: Genau, wir haben uns vor etwa dreieinhalb Jahren an der TU kennengelernt. Wir sind auch fast solange mit diesem Projekt dabei. Das ging relativ schnell los.

Das Interesse an dem leuchtendem Beton ist sehr schnell gewachsen: Die Deutsche Bahn und die BVG zeigen Interesse. War Ihnen von Anfang an klar, dass es so viele Anwendungsmöglichkeiten geben wird?

Westerheide: Prinzipiell war uns schon bewusst, dass wir einen Werkstoff geschaffen haben, den man in ganz vielen verschiedenen Bereichen anwenden kann. Die Richtung, in die sich das Ganze jetzt entwickelt, hat sich aber erst nach einer gewissen Zeit herauskristallisiert. Erst nach einigen Gesprächen mit verschiedenen Architekten, die in ganz unterschiedlichen Bereichen tätig sind, ist es spezifisch geworden, dass wir uns ganz bewusst auf den Bereich Sicherheit und auf den Bereich Design konzentrieren.

Eine Badewanne mit leuchtendem Beton. (Quelle: www.siut.eu, Screenshot: rbb)
Auch eine funkelnde Badewanne ist dem Leuchtbeton denkbar.

Sollten Sie mit Ihrem Start-up so reich werden, dass sie sich ein großen Haus bauen könnten, wie würden Sie Ihre Erfindung einsetzen?

Westerheide: Wie wir eben schon festgestellt haben, ist das Anwendungsspektrum enorm. Entsprechend würde ich ein recht großes Spektrum abdecken wollen, wenn ich den Beton für mich persönlich einsetzen würde. Das reicht vom Wellnessbereich bis hin zu Eingangspodesten, Treppenstufen et cetera. Das Anwendungsfeld ist grade im privaten Wohnbereich enorm.

Um ein Unternehmen zu gründen, braucht man erstmal Geld. Wie haben Sie sich anfänglich finanziert?

Westerheide: Wir haben im privaten Bereich mit der Forschung und Entwicklung angefangen. Das war zu dem Zeitpunkt Eigenkapital. Später sind wir durch die Technische Universität Berlin an das EXIST-Gründer-Stipendium herangekommen. Dafür haben wir uns beworben und es wurde recht schnell bewilligt. Die Mittel waren die nächste große Stufe, um die Forschung auf professionelle Art und Weise weiter voranzutreiben und unser Team aufzubauen. Wir haben Werkstudenten und Mitarbeiter eingestellt um schneller und größer zu wachsen.

Wie groß sind Sie im Moment?

Westerheide: Wir sind mittlerweile sieben Personen in unserem Unternehmen.

Was glauben Sie, wann fließt Geld?

Westerheide: Geld fließt jetzt schon. Wir bedienen erste Aufträge, entsprechend machen wir ersten Umsatz. Wir rechnen damit, dass wir in den nächsten ein, zwei Jahren in die schwarzen Zahlen kommen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Ingo Hoppe

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