Der Geschäftsführer der PCK Raffinerie GmbH, Jos van Winsen (Quelle: dpa)

Die PCK-Raffinerie muss sich neuen Geschäftsführer suchen - Abschied mit weinendem und lachendem Auge

Für die 1.100 Mitarbeiter des größten Industrie-Unternehmens Nordbrandenburgs heißt es Abschied nehmen: Jos van Winsen, Chef der PCK-Raffinerie Schwedt, verlässt das Werk. Nach fünfeinhalb Jahren wird er von seinem Arbeitgeber Shell in seine niederländische Heimat nach Rotterdam versetzt. Die Schwedter sind darüber alles andere als glücklich. Von Michel Nowak

Es ist Jos van Winsen auch im schmucklosen Schwedter PCK-Verwaltungsgebäude anzusehen, dass es ihm schwer fällt die Raffinerie, Schwedt und ganz grundsätzlich Brandenburg zu verlassen. Auch wenn er seit seinem Amtsantritt im Jahr 2010 wusste, dass es eine Anstellung auf Zeit ist. Das gehöre zum Manager-Leben einfach dazu, sagt er mit breitem niederländischem Dialekt. "Das Problem ist immer das gleiche. Du weißt schon, dass du einen Stuhl wieder verlassen musst, wenn du ihn bekommst“, so der in der Vergangenheit weltweit tätige Technologie-Experte. "Eigentlich hatte ich nur einen Vertrag über vier Jahre. Jetzt sind es fünfeinhalb geworden, das war schon großes Glück."

Tatsächlich ist das für die stetig rotierende Shell-Manager-Riege eine ungewöhnlich lange Zeit. Der noch in Potsdam mit seiner Frau Marion wohnende Jos van Winsen wäre aber gerne noch länger geblieben. "Ich finde Brandenburg schöner als meine eigene Heimat", sagt er. "Wir hatten uns sehr gut eingelebt. Jetzt werden wir doch einige Freunde seltener sehen."

Die 93-jährige Mutter wohnt bald ganz in der Nähe

Aber den Posten als Generalmanager in Rotterdam, seiner Heimat ablehnen? Noch dazu, wo van Winsens 93-jährige Mutter wie übrigens auch die Schwiegermutter ganz in der Nähe wohnen. Das kam für den 56-Jährigen dann doch nicht infrage. "Ein Plus ist natürlich auch, dass ich näher bei meiner Familie bin", so Jos van Winsen. "Es ist ein Abschied mit einem weinenden und einem lachenden Auge."

Die Schwedter Kollegen sind indes über den Weggang nicht glücklich. Das wurde bei einem großen Empfang für den scheidenden Chef deutlich. Sogar Brandenburgs Ministerpräsident Woidke machte sich dafür auf den Weg in die Uckermark.

Zwar wird Jos van Winsen von vielen als Pragmatiker und nüchterner Zahlenmensch beschrieben. Aber eben auch als Teamplayer. Bevor er nach Schwedt kam, war van Winsen im schwedischen Göteborg tätig. Wie dort üblich, war für ihn auch in Schwedt die Anrede mit Vornamen und das Duzen sämtlicher Kollegen selbstverständlich. Im Unternehmen und auch außerhalb.

Engagement in der Region

Siegmund Bäsler, der Präsident der Uckermärkischen Unternehmervereinigung, erinnert sich auch gern an sein erstes Aufeinandertreffen vor fast sechs Jahren. "Er sagte, ich bin der Jos, ich sagte verblüfft ich bin der Siegmund." Dann habe Jos van Winsen um eine gute Zusammenarbeit gebeten. "Ich sagte super, ich freu mich und es gab eine Umarmung."

Dass der PCK-Chef die Region nun verlässt, findet Bäsler mindestens "sehr traurig." Denn neben dem guten persönlichen Kontakt engagierte sich Jos van Winsen auch in verschiedenen Wirtschaftsverbänden. Er setzte sich für eine bessere Verkehrsanbindung Schwedts an die Autobahn 11 ein und suchte die Kooperation zu Schulen. Der scheidende PCK-Chef förderte verschiedene Jugend- und Bildungsprojekte. Gerade die seien an einem universitätsfernen Standort wie Schwedt immens wichtig. Bürgermeister Jürgen Polzehl (SPD) hofft nun, dass sich der nächste PCK-Manager ähnlich einbringt. "Es gehört zur guten Tradition in dieser Stadt, dass der Bürgermeister und der PCK-Geschäftsführer in kontinuierlichem Gespräch sind", sagt Jürgen Polzehl, "das wünsche ich mir auch von seinem Nachfolger."

Jürgen Polzehl, Bürgermeister von Schwedt (Foto: rbb/Frank Nennemann)
Schwedts Bürgermeister Jürgen Polzehl hofft auf einen ähnlich engagierten Nachfolger

Bei der Nachfolge redet Rosneft mit

Wann der – oder die – bestellt wird ist unklar. Vorerst verantwortet der bisherige Stellvertreter Josef Maily den Betrieb. Als sicher gilt, dass der künftige Mehrheitsgesellschafter, der russische Erdölförderer Rosneft, bei der Besetzung mitbestimmen will. Die PCK-Raffinerie gehört eigentlich mehreren Mineralölkonzernen. Rosneft übernimmt nach den Anteilen von TOTAL in einigen Monaten nun auch die Anteile von BP und avanciert mit einem Gesamtbesitz von 54,17 Prozent zum neuen Haupteigentümer.

Gerüchte, sein Wechsel habe damit zu tun, dementiert Jos van Winsen. "Irgendwann sagt mein Arbeitgeber Shell: Wir haben dich nicht umsonst versetzt. Mit den Erfahrungen, die du da gemacht hast, wollen wir, dass du auch wieder zurückkommst."

Auch im Schwedter Rathaus wird die Übernahme der PCK-Raffinerie durch das russische Staatsunternehmen Rosneft nicht als Problem gesehen. "Wenn jemand wie Rosneft Öl fördert und liefert, dann hat er auch Interesse an der Wertschöpfung eines Raffineriebetriebs", sagt Bürgermeister Polzehl. "Wir setzen da auf Kontinuität. In der Raffinerie wurde in den vergangenen Jahren gut gearbeitet, sie ist gut am Markt aufgestellt." Die Schwedter Raffinerie zählt mit einem Jahresumsatz von 2,1 Milliarden Euro zu den umsatzstärksten Unternehmen Deutschlands. Mehr als zwölf Millionen Tonnen Erdöl jährlich werden hier beispielsweise zu Fahrzeug-Kraftstoffen verarbeitet.

Auch unter den Raffinerien gilt sie als Vorzeigebetrieb. So plant Jos van Winsen nach seinem Amtsantritt im März auch schon einen Besuch. "Ich werde sehr wahrscheinlich mit einigen meiner neuen Kollegen aus Rotterdam zurückkommen, um hier zu zeigen, wie man auf einfache Weise Sachen besser machen kann." Sogar eine dauerhafte Rückkehr mit seiner Frau im Ruhestand hält er für möglich – so sehr sei ihm Brandenburg ans Herz gewachsen. Wenn Jos van Winsen über solche Aussichten spricht, fällt ihm der Abschied gleich ein wenig leichter. 

Beitrag von Michel Nowak

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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