Verdi-Sprecherin Janine Bänder (l.) spricht am 18.02.2016 bei einem Streik in Angermünde vor Pflegekräften aus Gartz. (Quelle: rbb/Katja Geulen)

Aufstocker trotz 35-Stundenwoche - Mitarbeiter der Volkssolidarität streiken für Tarifvertrag

80 der rund 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Uckermärker Volkssolidarität haben am Donnerstag in Angermünde gestreikt. Vor der Geschäftsstelle des Kreisverbands machten sie lautstark und mit Transparenten Druck. Denn der Landesverband kommt ihnen bisher nicht weit genug mit ihren Forderungen entgegen. Von Katja Geulen

Gute Laune und Arbeitskampfstimmung am Donnerstag bei den rund 80 Streikenden in Angermünde (Uckermark). Es ist der erste Streik, obwohl die Mitarbeiter der Uckermärker Volkssolidarität schon seit sechs Jahren einen Tarifvertrag fordern.

Die Volkssolidarität zahle weniger als den branchenüblichen Lohn in der Region, sagt eine Streik-Teilnehmerin. Fachkräfte verdienten unter zehn Euro, das sei nicht in Ordnung. Eine Altenpflegerin aus Gartz erklärt, sie arbeite 35 Stunden pro Woche, alleinerziehend mit zwei Kindern – und müsse trotzdem aufstocken lassen. Von 30 Kollegen sind 15 heute nach Angermünde gekommen. Zu wenig Nachtzuschlag, zu wenig Dienstwagen, so dass sie die Tankfüllung aus eigener Tasche vorstrecken müssen. Sie seien viel zu lange ruhig geblieben, heißt es von den Streikenden. "Jetzt sagen wir: Es ist Schluss."

Volkssolidarität will nicht nur in der Uckermark verhandeln

Nicht nur Pflegekräfte, auch Kita-Personal ist gekommen - aus Gartz, Tantow, Angermünde. Verständnis bei den Eltern und Passanten für geschlossene Kindergärten: "Da war ein großer Aushang am Kindergarten und wir wussten Bescheid. Für mich ist das in Ordnung", so eine Mutter. Und ein Mann fügt hinzu: "Wir sehen doch, dass gerade im Osten die Tarifverträge alle ausgehebelt wurden. Wir möchten alle fair bezahlt werden."

Doch ein Tarifvertrag wurde bisher immer ausgeschlossen. Nun tut sich etwas: Eine Tarifgemeinschaft soll sich gründen und dann möglicherweise Verträge mit der Gewerkschaft verhandelt werden, erklärt die Geschäftsführerin der Volkssolidarität Uckermark, Bärbel Glogau: "Klar will der Landesverband nicht nur für die Uckermark einen Tarifvertrag abschließen, sondern für alle. Nun dauert das natürlich noch."

Doch die Gewerkschaft ver.di will eben gerade in der Uckermark verhandeln, denn hier ist ein Großteil der Mitarbeiter der Volkssolidarität gewerkschaftlich organisiert. Anderswo hätte sie eine schlechtere Verhandlungsbasis, erklärt Ver.di-Sprecherin Janine Balder: "Wenn keine Reaktion kommt, kein Zeichen, sich am Verhandlungstisch zu treffen, werden wir auch weiter streiken."

Beitrag von Katja Geulen

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