Windkraftrad in Brandenburg (Quelle: imago/Steinach)

Umweltminister zu Forderungen Volksbegehren - Brandenburg hält an Windkraftanlagen in Wäldern fest

Um den Ausbau umweltfreundlicher Energie voranzubringen, könne Brandenburg nicht auf Windräder in Waldgebieten verzichten, sagt Umweltminister Vogelsänger. Er kritisiert die Forderungen eines Volksbegehrens dazu als widersprüchlich - und kündigt an, die Zahl derartiger Windkraftanlagen soll deutlich steigen.  

Brandenburgs Umweltminister Vogelsänger (SPD) will am Ausbau der Windkraftanlagen festhalten. Die Nutzung der Wind-Energie sei und bleibe ein wichtiges energie- und klimapolitisches Ziel, sagte Vogelsänger in einem Interview der Nachrichtenagentur dpa. Vogelsänger kritisierte die Ziele eines Volksbegehrens zu Windkraftanlagen als nicht umsetzbar und zudem nicht logisch. "Die Forderungen nach großen Abständen zu den Siedlungen einerseits und gleichzeitig der Ausschluss von Wäldern sind widersprüchlich", so der Minister. "Wenn man größere Abstände zu den Siedlungen einhalten will, müssen andere Flächen auch in Waldgebieten für die Windräder gefunden werden." Um "den Ausbau umweltfreundlicher Energie" voranzubringen, seien "einzelne Waldflächen" unverzichtbar.  

Volksbegehren für schärfere Auflagen bei Windkraftanlagen

Das Bündnis "Rettet Brandenburg" hatte Anfang Januar ein Volksbegehren gestartet, um schärfere Auflagen bei der Errichtung neuer Windräder zu erreichen. Die Initiatoren befürchten gesundheitliche Schäden für Anwohner und fordern daher größere Abstände der Windräder zu Wohnsiedlungen. Außerdem lehnen sie aus ökologischen Gründen Windräder im Wald ab.

Die Zahl von Windkraftanlagen in Brandenburger Wäldern soll in absehbarer Zeit deutlich steigen. Derzeit seien 21 derartige Windkraftanlagen in Betrieb, teilte das Umweltministerium auf Anfrage der dpa mit. Allerdings sind bereits 60 weitere genehmigt, und für mehr als 360 geplante Anlagen läuft das Verfahren. Der Druck der Investoren wächst.

Insgesamt ist Brandenburg bei der Windenergie mit rund 3.400 Anlagen führend.

Vogelsänger: Konflikte minimieren

Der Ausbau der Windkraft soll nach Vogelsängers Worten so geordnet werden, "dass Konflikte, beispielsweise Abstände zu Wohnsiedlungen, miniminiert werden können". Dazu seien Regionalpläne entwickelt worden, die das leisten sollen.

Die Befürchtung der Initiative "Rettet Brandenburg", Wälder, die auch als CO2-Speicher für den Klimaschutz gebraucht werden, würden geschädigt wies Vogelsänger zurück. Er verwies darauf, dass Brandenburg mit 37 Prozent Waldfläche zu den fünf waldreichsten Bundesländern gehöre. "Der Wald wird nachhaltig bewirtschaftet, insbesondere was die Holzvorräte betrifft." Der heimische Holzvorrat steige jährlich um 10.400 000 Kubikmeter, wovon im Schnitt nur 53 Prozent genutzt würden.

Zum Vorwurf, Brandenburg setzte auf Abholzung für die Windkraft anstatt auf Aufforstung für das Klima, sagte Vogelsänger: "Eine saubere Energiegewinnung dient auch dem Klimaschutz." Außerdem nehme Waldfläche durch die vollständige Kompensation bei Rodungen und natürlichen Nachwuchs insgesamt zu.

80.000 Unterschriften bis Juli nötig

Für das Volksbegehren zu Windkraftanlagen können sich Bürger in Unterschriftenlisten eintragen, die auf Ämtern ausliegen. Damit das Begehren erfolgreich ist, braucht es innerhalb von sechs Monaten - bis zum 6. Juli - mindestens 80.000 Unterschriften. In diesem Fall muss sich der Brandenburger Landtag noch mit den Forderungen beschäftigen.

Das Volksbegehren sei nach Angaben gut angelaufen, sagte der Sprecher der Initiative "Rettet Brandenburg", Thomas Jacobs, rbb online am Mittwoch. Zahlen könne er zwar noch keine nennen. Amtsdirektoren hätten aber von einer vergleichsweise regen Beteiligung berichtet.

Vor dem Volksbegehren hatte es bereits zwei Volksinitiativen mit bis zu 30.000 Unterschriften gegeben. Im September hatte das Parlament die Forderungen aber abgelehnt

Pro Windenergie

  • Arbeitsplätze

  • Klima- und Umweltschutz

  • Unendlich viel Wind

  • Unabhängigkeit von Rohstoffen

  • Wertschöpfung vor Ort

Contra Windenergie

  • "Verspargelung" der Landschaft

  • Unbeständigkeit und Dezentralität

  • Goldgräber und Heuschrecken

  • Nebenwirkungen für Anlieger

  • Wertverluste

  • Naturschutz

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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