Ein "Einfahrt verboten"-Schild steht vor einer Kaiser's-Filiale. (Quelle: imago/Mauersberger)
Audio: Inforadio | 19.02.2016 | Karsten Zummack

Schon vor Fusion mit Edeka - Weitere Kaiser's-Filialen schließen

Die geplante Fusion der Einzelhandelskonzerne Kaiser's Tengelmann und Edeka ist nach wie vor in der Schwebe. Und so bangen die deutschlandweit 16.000 Kaiser's-Beschäftigten weiter um ihre Jobs. Am Samstag sollten in Berlin und Brandenburg sieben Märkte schließen. Von Karsten Zummack

Schlussverkauf an der Flankenschanze in Berlin-Spandau: Die Regale in diesem Kaiser's-Supermarkt sind schon fast leer. Alles muss raus, 20 Prozent Rabatt locken. An der Eingangstür informiert ein Plakat, dass diese Filiale am Samstagabend dicht macht.

Auch wenn die Fusion mit Edeka noch nicht abgesegnet ist, fallen ihr schon vorher insgesamt 24 Märkte zum Opfer, rechnet Volker Bohne, der regionale Betriebsratsvorsitzende von Kaiser's-Tengelmann, vor: "Die wollte Edeka von vornherein nicht haben, die nannten sie nicht zugehörig zu diesem Deal. Das stand schon 2014 fest." Das Kartellamt habe aber Kaiser's Tengelmann Maßnahmen für diesen Verkauf untersagt. Kaiser's habe auslaufende Mietverträge für diese Filialen nicht verlängert, erklärt Bohne. "Und dann ist diese Filiale – wenn sie zu den 24 gehörte – geschlossen worden."

Filialen nicht mehr wirtschaftlich

Allein am Samstag schließen sieben Filialen in Spandau und Pankow sowie in Falkensee und Zehdenick, wie Kaiser's Tengelmann auf rbb-Anfrage schriftlich mitteilte. Als ein Grund wird das Auslaufen von Mietverträgen bestätigt. Andere Märkte seien schlicht unwirtschaftlich, heißt es.

Wirtschaftlich würden sich die Filialen tatsächlich nicht mehr lohnen, räumt selbst Betriebsrat Bohne nach Sichtung der Geschäftszahlen ein. Von den Schließungen betroffen sind insgesamt 174 Beschäftigte. Für die seien sozialverträglich Lösungen gefunden worden. "Das heißt, es hat Versetzungen gegeben und Rentner werden austreten, die werden nicht noch einmal in einer anderen Filiale neu anfangen, sondern die werden dann sozialverträglich gehen", so Bohne.

"Es kann auch noch viel schlimmer kommen"

Gewissermaßen Vorboten der geplanten Übernahme von Kaiser's Tengelmann durch Edeka. Insgesamt arbeiten derzeit in der Region Berlin-Brandenburg noch rund 5.300 Beschäftigte in den Kaiser's-Märkten und -Lagern. Und bei denen geht das Bangen weiter, sagt Betriebsrat Bohne. "Es geht immer noch darum, so viele Arbeitsplätze wie möglich zu retten. Das haben wir von Anfang an gesagt. Das ist nur möglich, wenn es an einen Käufer geht. Das wir jetzt Nase sind mit den 24 Filialen, ist natürlich blöd. Aber es bleibt ja immer noch genug übrig, was erhaltenswert ist, unter anderem unser Lager in Berlin. Es kann auch noch viel schlimmer kommen." Denn wenn der Deal mit Edeka nicht zustande komme, etwa weil ein Konkurrent klage, "dann sehen wir uns vielleicht noch einer ganz anderen Zukunft gegenüber."

Am Kaiser's Supermarkt an der Spandauer Flankenschanze prangt neben der Schließungsankündigung noch immer Werbung für Salatherzen aus Spanien – versehen mit der Botschaft "Immer eine gute Idee". Doch für diese Filiale fehlte diese Idee offenkundig. Denn am Samstag ist hier Feierabend.

Beitrag von Karsten Zummack

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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