Ein Industriekletterer in einer Windenergieanlage in Wulkow (Quelle:dpa)
Audio: Inforadio | 14.03.2016 | Johannes Frewel

Bilanz 2015 von 50 Hertz - Der Ökostrom im Flaschenhals

Ostdeutschland ist die größte Stromexportregion Deutschlands. Fast die Hälfte dieses Stroms stammt mittlerweile aus erneuerbaren Energien. Verteilt wird er durch die großen Fernleitungsnetze, die von 50 Hertz betrieben werden. Für die ganz großen Strommengen sind die allerdings noch zu schwachbrüstig. Von Johannes Frewel

Die Energiewende kommt sehr viel schneller voran als gedacht, der Ausbau der Transportwege für Wind- und Solarstrom hängt dagegen immer noch hinterher. Im vergangenen Jahr hat 50 Hertz, Betreiber der Fernleitungsnetze und damit der großen Stromautobahnen im Osten Deutschlands, zwar 900 Millionen Euro und damit so viel wie nie zuvor in neue und leistungsfähigere Leitungen investiert. Doch das ändert bisher nur wenig daran, dass die großen Stromautobahnen den steigenden Mengen an Solar- und Windstrom nicht gewachsen und zu leistungsschwach sind. Sie schaffen es zu Spitzenzeiten nicht, den gesamten im Osten Deutschlands produzierten Strom in die großen Industriezentren nach Süddeutschland oder nach Polen zu bringen.

Dieser Flaschenhals verursache Millionenkosten, beklagt Boris Schucht, Geschäftsführer von 50 Hertz, am Montag bei der Vorstellung der Bilanz für 2015 in der Verwaltungszentrale in Berlin-Treptow. Unter anderem fielen sogenannte Engpass-Managementkosten in Höhe von 450 Millionen Euro an, ein Negativ-Rekord, sagt Schucht. "Diese Kosten entstehen dadurch, dass nicht genügend Netze da sind. Man muss effiziente Kraftwerke erneuerbarer Energien im Norden runter regulieren und teure Kraftwerke im Süden hochfahren. So bleiben diese Differenzkosten leider bestehen". Es gelte nun, genau diese Kosten durch den Netzausbau zu reduzieren, so Schucht.  

Im Nordosten fast die Hälfte des Stroms Öko

Keine andere Region in Deutschland und wahrscheinlich auch in Europa exportiert so viel Strom wie die ostdeutschen Bundesländer. Erfreulich ist daran, dass bereits 49,2 Prozent aus erneuerbaren Energien stammen. Im Raum Magdeburg gibt es bundesweit die leistungsfähigsten Windparks. In diesem Jahr erwartet 50-Hertz-Geschäftsführer Schucht, dass in den ostdeutschen Ländern und Hamburg erstmals mehr grüner als Kohlestrom produziert wird. "Einen Zubau von erneuerbaren Energien von 2.000 Megawatt im Jahr erwarten wir auch sehr stabil in diesem Jahr, und damit werden wir deutlich über die 50 Prozent kommen."

Wie störungsfest erneuerbare Energien inzwischen sind, zeigte sich im vergangenen Jahr bei der Sonnenfinsternis im März. Zwar brach die Solarstrommenge - erwartungsgemäß - vorübergehend ein. Die fehlende Solarstrommengen konnte an der Leipziger Strombörse aus anderen Quellen aber problemlos zugekauft werden - ohne dass die Stromversorgung wankte.

Den Strom aus Brandenburger Braunkohle werde man vorerst noch brauchen, langfristig habe er jedoch keine Zukunft, meinte Schucht. "Ich glaube daran führt im Sinne der Versorgungsicherheit von Deutschland sicher noch einige Zeit kein Weg vorbei." Sicher sei aber auch, dass man eine CO2-Minderung um 80 Prozent mit der Braunkohle nicht erreichen werde.

Ökostrom braucht Transporter

In diesem Jahr wird weiter in die Energiewende und in neue Leitungen investiert, damit die Netze die wachsenden Öko-Strommengen auch übertragen können: etwa von Windparks in der Ostsee, die vor Rügen auf jeweils halber Strecke nach Dänemark und Schweden entweder schon Strom liefern oder gerade gebaut werden.

Der Strom von 50 Hertz

Das Stahlgerüst für das Fundament einer Windenergieanlage in im Landkreis Oder-Spree nahe Sieversdorf (Quelle: dpa)

50 Hertz zählt zu den vier großen Übertragungsnetzbetreibern und ist in Ostdeutschland und Hamburg aktiv. Der Strompreis hat mehrere Bestandteile: Strom selbst schlägt nur mit etwa einem Viertel zu Buche. Etwa die Hälfte sind Umlagen, Steuern und Abgaben - darunter die EEG-Umlage für den Ökostrom. Das übrige Viertel der Rechnung entfällt auf den Transport, und dieses Netzentgelt steigt, unter anderem weil neue Leitungen gebaut werden müssen, etwa für Wind- und Sonnenstrom.
50Hertz beschäftigt rund 950 Mitarbeiter und gehört seit 2010 zu 60 Prozent dem  belgischen Netzbetreiber Elia sowie zu 40 Prozent dem australische Infrastrukturfonds IFM Investors. Die zentrale Steuerungsstelle ist in Neuenhagen bei Berlin, die Verwaltung sitzt in Berlin-Treptow.

Probleme beim Netzausbau hat 50Hertz in Brandenburg. Das Bundesverwaltungsgericht hatte den Bau einer 115 Kilometer langen Höchstspannungsleitung zwischen den Umspannwerken Bertikow in der Uckermark und Neuenhagen (Märkisch-Oderland) im Januar gestoppt, weil der Vogelschutz nicht ausreichend berücksichtigt wurde. Die Leitung, die Wind- und Sonnenstrom aus der Uckermark durch die Schorfheide nach Süddeutschland transportieren soll, werde damit um vier bis fünf Jahre verzögert.

Beitrag von Johannes Frewel

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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