ARCHIV - Im Fahrzeuginstandhaltungswerk der Deutschen Bahn in Eberswalde (Brandenburg) brennt ein Arbeiter ein Stück StahL von der Tür eines Güterwagens ab, aufgenommen am 20.11.2007 (Quelle: dpa)

Bahn und Investor auf Weg der Einigung - Fahrplan für Bahnwerk Eberswalde ist in Sicht

Nach langen und schwierigen Verhandlungen zeichnet sich für einige hundert Mitarbeiter des Bahnwerks Eberswalde eine Lösung ab: Die Deutsche Bahn zumindest will einen möglichen Investor gefunden haben. Eine Absichtserklärung wurde bereits unterzeichnet. Doch schon diese sieht erhebliche Stellenstreichungen vor.

Für das bedrohte Bahnwerk in Eberswalde hat sich ein potenzieller Investor gefunden. Die Deutsche Bahn und die Münchner Quantum Kapital AG haben einen Fahrplan für die mögliche Übernahme zum 1. Januar 2017 unterzeichnet, wie die Bahn am Donnerstag mitteilte. Im Herbst 2014 hatte die Bahn angekündigt, das Werk Eberswalde bis Ende 2015 schließen zu wollen. Seither ist die Zukunft des Standorts ungewiss.

Als Grund wurde der Rückgang der Aufträge für die Instandhaltung von Güterwagen genannt. Mitarbeiter hatten dagegen protestiert. Land und Kommune bemühten sich zudem intensiv um die Erhaltung des Standortes. Die Bahn hatte das Bahnwerk sogar dem Land angeboten, was jedoch ablehnte.

210 Stellen sollen erhalten bleiben

Bahnchef Rüdiger Grube erklärte nun am Donnerstag, er sei optimistisch, dass nach langen und intensiven Gesprächen ein guter Lösungsweg gefunden wurde. Ein symbolischer Kaufpreis von einem Euro sei vereinbart worden. Von den derzeit 325 Mitarbeitern am Standort sollen 210 im Rahmen eines Betriebsübergangs an Quantum gehen. Die anderen Beschäftigten will die Bahn AG auf andere Standorte verteilen. Die Erwerbergesellschaft versicherte laut Mitteilung der Deutschen Bahn, den Standort in Eberswalde für fünf Jahre aufrecht zu erhalten. Bereits Anfang 2014 hatte Quantum von der Bahn den Waggonbau in Niesky (Sachsen-Anhalt) erworben.

Der Bürgermeister von Eberswalde, Friedhelm Boginski (FDP), zeigte sich im rbb erleichtert. Man befinde sich zwar noch auf einer Zwischenetappe und es sei noch unklar, ob es hundertprozentig klappt, aber "es ist ein schöner Tag für Eberswalde", so Boginski. "Wir haben einen langen Kampf hinter uns und haben jetzt einen riesen Schritt gemacht."

Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) äußerte sich zuversichtlich, dass das Bahnwerk Eberswalde dadurch gerettet werden kann. Der Vertrag sei aber noch nicht unterschrieben, betonte der Politiker. Der Betriebsrat hielt sich mit seiner Freude eher bedeckt: "Ich sage mal, wenn man den Vertrag unterschriebn hat,die Tinte trocken ist und fünf Meter weg ist, dann kann man sagen: Sektkorken knallen lassen. Vorher ist es leider eine Absichtserklärung", sagte Ulf Boehnke.

"Die Bahn meint es diesmal ernst"

Optimistisch zeigte sich auch die Opposition im Landtag. "Ich hab den Eindruck, dass die Bahn es diesmal ernst meint, dass keine Spielchen mehr gespielt werden, sondern, dass beide Seiten den ernsthaften Willen haben, zu einem Ergebnis zu kommen", sagte Dierk Homeyer, wirtschaftspolitische Sprecher der Landtagsfraktion im rbb. Er forderte aber auch, dass die Landesregierung den Prozess bis zur Vertragsunterzeichnung im April weiterhin begleite, "damit es für die Mitarbeiter in Eberswalde ein Happy-End gibt", sagte Homeyer.

Für die Linken ist die Einigung ein wichtiger Schritt für Eberswalde. "Eine hochmotivierte Belegschaft hat in den vergangenen Monaten für das Werk gekämpft, von Mahnwachen bis hin zu eigenen Rettungskonzepten. Das hat wesentlich zu der heutigen Entwicklung beigetragen", erklärte Ralf Christoffers, Fraktionsvorsitzender der Linken im Landtag.

Land als Vermittler

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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