Eine Pflegerin in der Uniklinik Charité bereitet ein Bett vor. (Quelle: Britta Pedersen/dpa)
Video: Abendschau | 04.03.2016 | Anja Herr

Streit um Qualifikation der zusätzlichen Kräfte - Charité und Verdi ringen um Tarifabschluss

Für die Tarifgespräche an Berlins Uniklinik Charité sah es eigentlich gut aus - die Unternehmensleitung bewilligte zusätzliches Personal. Doch dann tauchte ein neuer Streitpunkt auf: die Qualifikation der Zusatzkräfte. Die Klinikleitung befürchtet einen neuen Streik, die Gewerkschaft lässt noch auf eine Einigung hoffen.

Im Tarifstreit mit Berlins Uniklinik Charité hat die Gewerkschaft Verdi Gesprächsbereitschaft signalisiert. Ein Streik der Pflegekräfte stehe vorerst nicht an, sagte Verhandlungsführer Kalle Kunkel am Freitag. "Wir wollen uns einigen." Die Charité-Leitung befürchtete einen erneuten Arbeitskampf, nachdem die langwierigen Verhandlungen zuletzt erneut ins Stocken gerieten.  

Streitpunkt ist nun die Qualifikation dieses Personals: Die Charité will unter anderem wegen Fachkräftemangels auch sogenannte Servicekräfte einsetzen. Diese übernehmen laut Klinik "patientenferne" Arbeiten wie das Vorbereiten von Zimmern oder Geschirrabräumen.

Verdi will dagegen nur ausgebildete Pfleger zulassen und sieht die Verhandlungen als blockiert an. "Der Tarifvertrag wird ausgehöhlt, wenn es möglich wird Kräfte einzusetzen, die nicht die Verantwortung für den Patienten übernehmen können - und das können Servicekräfte und Hilfskräfte nicht", mahnte Kunkel.

Verdi fürchtet Ausweitung der Aufgaben für Hilfskräfte

Die Gewerkschaft befürchtet zudem, dass es nicht bei den Hilfsarbeiten bleibt. Man wolle die an sich sehr geschätzten Servicekräfte letztlich auch schützen: "Eine Hebamme wird ja auch durch eine Hebamme ersetzt. Ein Pfleger aber durch eine Servicekraft", bemängelte Betriebsgruppenführer Carsten Becker. Setze sich die Charité damit durch, wäre das ein "Türöffner" für ähnliches Vorgehen in anderen Bereichen, befürchtet Kunkel.

Der Klinik geht es auch ums Geld. Sie hat nach eigenen Angaben bereits über ihre Möglichkeiten hinaus Zugeständnisse gemacht. Die Verdi-Forderung nach Fachkräften koste sieben Millionen Euro pro Jahr extra, rechnete die Leitung vor. Die Charité sieht sich als Spielball der Gewerkschaft. Diese wolle die Schraube immer ein bisschen weiter drehen, sagte der ärztliche Direktor Ulrich Frei. Denn wenn Verdi einen Tarifabschluss im vollen Sinn der Gewerkschaft erreichen sollte, würde das nach Einschätzungen Freis ähnliche Forderungen an Kliniken bundesweit nach sich ziehen.

Der Tarifabschluss schien Ende des vergangenen Jahres bereits in Reichweite: Nach einem Streik im Juli 2015 einigten sich beide Seiten auf Eckpunkte für einen Tarifvertrag. Zuletzt hieß es von beiden Seiten, es müssten noch juristische Fragen und Übergangsregelungen geklärt werden. Die Charité strebt nach eigenen Angaben weiter den Abschluss an, will sich aber "in der Substanz nicht mehr bewegen".

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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