Protest vor dem Werk der Bombardier Transportation GmbH in in Hennigsdorf (Quelle: dpa)
Video: Brandeburg aktuell | 17.03.2016 | Ludger Smolka

Bundesweiter Aktionstag gegen Stellenabbau - Bombardier-Belegschaft in Hennigsdorf protestiert

Mehr als 1.400 Stellen will der Zughersteller Bombardier in Deutschland abbauen, auch das Werk in Hennigsdorf ist betroffen. Etwa 1.000 Beschäftigte haben gegen den Stellenabbau protestiert. Die Demo war Teil eines bundesweiten Aktionstages.

Etwa 1.000 Bombardier-Beschäftigte haben am Werk Hennigsdorf (Oberhavel) gegen den geplanten Stellenabbau bei dem Zughersteller protestiert. Ihre Kundgebung am Donnerstag war Teil eines bundesweiten Aktionstages. Bombardier will fast 15 Prozent seiner gut 10.000 Arbeitsplätze in Deutschland streichen. In Hennigsdorf sind 270 Mitarbeiter betroffen.

Das IG-Metall-Vorstandsmitglied Wolfgang Lemb sagte, ein Jobkahlschlag dieser Dimension sei das Ergebnis "völliger Konzeptionslosigkeit des Managements". Die Gewerkschaft kündigte an, dem kanadischen Unternehmen ein Gegenkonzept zum angekündigten Stellenabbau vorzulegen. "Ich erwarte dann, dass die Geschäftsführung mit uns darüber spricht und auch verhandelt", erklärte Jan Otto von der IG Metall.

Das Management will die Produktion nach Sachsen verlagern, andere Betriebsteile nach Indien, heißt es. Die einzelnen Standorte, so der Plan der Geschäftsführung, sollen sich spezialisieren. Der Zughersteller hält bislang trotz wachsenden Widerstands an den Plänen fest und begründet dies mit der nachhaltigen Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit.

Projekte und Projektleiter haben sich kannibalisiert

Der Bezirksleiter der IG Metall für Berlin, Brandenburg und Sachsen, Olivier Höbel, hat im rbb dem Management des Zugherstellers Bombardier schwere Fehler vorgeworfen. Es sei zugelassen worden, "dass die verschiedenen Projekte und Projektleiter sich gegenseitig zu Lasten der Effizienz kannibalisiert haben", sagte er am Donnerstag.

"Die Werke, um die es jetzt geht, sind die Herzkammern der Produktion", sagte Höbel weiter. "Dass sie im Takt laufen, ist die unabdingbare Voraussetzung für Effizienz. Dazu braucht es ein starkes Werksmanagement, Verlässlichkeit und klare Vorgaben."  

Zum Protest in mehreren Bundesländern hatten IG Metall und Betriebsräte aufgerufen. Auch in Braunschweig, Frankfurt am Main, Mannheim, Siegen und Kassel gab es Demonstrationen und Proteste.  

Bombardier hält an Stellenabbau fest

Der kanadische Zughersteller Bombardier Transportation (BT) will 1.430 seiner gut 10.000 Arbeitsplätze in Deutschland streichen. In Hennigsdorf soll knapp jeder Zehnte der 2.800 Mitarbeiter gehen. Der Chef von Bombardier Deutschland, Dieter John, hatte die Pläne am Mittwoch noch einmal bekräftigt. "Wir wollen BT fit für die Zukunft machen, um unsere Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig abzusichern", sagte er der dpa.

"Bombardier steht zu Deutschland", sagte John, verwies aber zugleich auf die Konkurrenz aus Asien und Osteuropa. "Wer Aufträge im Ausland gewinnen möchte, muss auch dort vor Ort produzieren", sagte der Bombardier-Manager. Kritik am geplanten Stellenabbau hatte es auch gegeben, weil BT Gewinn macht und gut gefüllte Auftragsbücher hat. Doch der Zughersteller kontert: "Wir befinden uns im globalen Wettbewerb, entsprechend ist es nicht möglich, allein im Sinne von Beschäftigungssicherung die Aufträge zuzuordnen", sagte John.

Die Beschäftigten der Zugsparte müssten auch nicht für die Probleme im Flugzeugbau herhalten. "Es ist definitiv nicht so, dass unsere strategischen Entscheidungen von der Entwicklung der Konzernschwester Aerospace abhängen." Auch dass Bombardier beim Auftrag für die neuen Berliner S-Bahn-Züge nicht berücksichtigt worden ist, würde keine Rolle spielen.

Auf Vorschläge des Landes bisher nicht eingegangen

Man verfolge eine klares Transformations- und Verbesserungsprogramm, betonte John. Görlitz werde sich stärker auf Rohbau- und Komponentenbau konzentrieren, Bautzen auf den Innenausbau. In Hennigsdorf würden das Engineering und das Testing gestärkt. "Nur wer spezialisiert ist, ist auch Weltklasse."

Das Land Brandenburg will einen Stellenabbau möglichst verhindern. Die Regierung habe angeboten, das Unternehmen im Rahmen der Innovationsförderung bei Forschung und Entwicklung zu unterstützen, hatte Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) Anfang März erklärt. Davon habe Bombardier bislang aber keinen Gebrauch gemacht. Der Minister sagte, der Schienenfahrzeugbau sei weltweit ein wachsender Markt. Er habe das Unternehmen darauf aufmerksam gemacht, "dass die Fachkräfte und die Ingenieure in Hennigsdorf das größte Pfund sind, um im internationalen Wettbewerb zu bestehen".

Die drei Bombardier-Standorte, die vom Stellenabbau besonders betroffen sind

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