ARCHIV - Eine Pflegekraft hilft einer alten Frau beim Trinken aus einem Becher in einem Seniorenheim. (Quelle: dpa/Patrick Pleul)

Berlin braucht künftig 10.000 zusätzliche Kräfte - Zahl der Azubis in der Altenpflege steigt - aber nicht genug

Die Altenpflege ist ein Job mit Zukunft - schließlich soll sich in Berlin die Zahl der Über-85-Jährigen bis 2030 verdoppeln. Immer mehr junge Menschen entscheiden sich für eine Ausbildung in diesem Beruf, wie neue Zahlen zeigen. Doch dieser Anstieg reicht voraussichtlich nicht, um den größer werdenden Bedarf an Pflegekräften zu decken.

Immer mehr junge Menschen in Berlin haben sich in den vergangenen Jahren für eine Ausbildung in der Altenpflege entschieden. 1.085 Männer und Frauen begannen diese Laufbahn im Schuljahr 2015/2016. Das sind 255 mehr als noch im ersten Ausbildungsjahr 2009/10 mit damals 830 Personen, wie aus Daten der Bildungsverwaltung hervorgeht. Dabei liegt die Gesamtzahl der Berliner Azubis inzwischen rund ein Fünftel niedriger als damals.  

Da für die Zukunft allerdings ein deutlicher Anstieg bei der Zahl der Pflegefälle erwartet wird, ist die Tendenz in Berlin aber noch kein Anlass zum Aufatmen. "Im Moment geht es noch ganz gut. Noch haben wir genug Leute, die sich für den Beruf entscheiden", sagte Martin Matz vom Vorstand des Diakonischen Werks Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Positiv sei, dass davon im Schnitt relativ wenige ihre Ausbildung abbrächen. Von den rund 2.800 Azubis im Schuljahr 2014/15 warfen laut Bildungsverwaltung etwa neun Prozent das Handtuch. Fünf Jahre zuvor waren es rund sechs Prozent - diese relativ geringe Differenz sei aber nicht problematisch, so Matz.

Mehr als 10.000 neue Altenpfleger nötig

An Nachwuchs mangelt es aus Sicht von Matz nicht. Das Problem sei vielmehr, dass künftig immer mehr alte Menschen gepflegt werden müssen. Laut jüngsten Zahlen der Arbeitsverwaltung in einem Bericht zur Altenpflege werden 2030 knapp 30 Prozent mehr über 65-Jährige in Berlin leben als heute. Die Zahl der Über-85-Jährigen dürfte sich bis dahin auf 147.000 verdoppeln. Aus 113.000 Pflegebedürftigen im Jahr 2013 sollen demnach bis dahin 163.000 werden.

2013 waren der Studie zufolge 6.865 Menschen in der Altenpflege tätig. Mit Blick auf die Prognosen müssen laut Senat in den kommenden 14 Jahren mehr als 10.000 zusätzliche Mitarbeiter für einen Job in der Altenpflege gewonnen werden. "Darauf sind wir nicht vorbereitet", sagte Matz.

Die Ausbildung zum Altenpfleger dauert mit einem praktischen Teil in einer Einrichtung und einem theoretischen Teil in der Berufsfachschule drei Jahre. Man kann sie in Teilzeit auch in vier Jahren absolvieren. Nach Angaben der Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales bilden überwiegend staatlich anerkannte private Schulen Altenpfleger aus. Sie erheben ein monatliches Schulgeld - für manche Experten ein Nachteil, zum Beispiel gegenüber der schuldgeldfreien Krankenpfleger Ausbildung.

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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