Real-Mitarbeiter streiken in Berlin gegen die Tarifflucht der Metrotochter aus der Tarifbindung (Quelle: imago/STPP)

Versammlung vor Supermarkt in der Müllerstraße - Real-Mitarbeiter streiken für Tarifvertrag

Weniger Urlaubsgeld, geringere Nachtzuschläge, keine Tariferhöhungen bis 2017 - so lauten die Vorwürfe von Verdi gegenüber der Metro-Tochter Real. Die Gewerkschaft hat deshalb die Beschäftigten am Freitag zum Streik aufgerufen. Alleine in Berlin und Brandenburg arbeiten rund 2.500 Menschen für das Unternehmen.

Die Real-Beschäftigten machen sich mit einer Welle neuer Streiks für eine Rückkehr der Supermarktkette in die Tarifbindung stark. Mitarbeiter von rund 70 Real-Märkten, darunter etwa 20 Filialen in Berlin und Brandenburg, sollten am Freitag der Gewerkschaft Verdi zufolge die Arbeit niederlegen. Laut einem Sprecher von Real sind zwei Märkte in Berlin und einer Brandenburg von dem Streik betroffen. Zudem hieß es, lediglich zehn der insgesamt rund 2.500 Mitarbeiter befänden sich im Ausstand.

Der Arbeitskampf ist vor allem brisant für den Real-Mutterkonzern Metro, weil dieser nach einem Bericht der "Lebensmittel-Zeitung" einen neuen Anlauf machen könnte, um die lange mit Verlusten kämpfende Tochter zum Verkauf zu stellen.

Verdi hatte zudem berichtet, dass daneben die Schließung von zwölf bis 17 Märkten in Deutschland droht. Auch Berlin ist von der Schließung betroffen, wie der Real-Sprecher rbb online bestätigte. So habe der Markt in Berlin-Wedding an der Badstraße voraussichtlich am 31. Januar 2017 seinen letzten Verkaufstag.

Versammlung vor Real-Filiale in Wedding

Die Streikenden sollten am Freitagvormittag zu einer zentralen Streikversammlung in Berlin zusammenkommen. Treffpunkt war demnach vor dem Real-Markt in der Müllerstraße in Wedding.

Verdi zufolge hatten bereits am Donnerstag rund 1.900 Beschäftigte in Nordrhein-Westfalen die Arbeit niedergelegt. Die Supermarktkette Real mit über 37.000 Beschäftigten hatte im vergangenen Jahr den Abschied aus dem Flächentarifvertrag der Handelsbranche verkündet. Die Arbeitgeber wollten durch einen Verzicht der Beschäftigten Einsparungen in einer Höhe von rund 400 Millionen Euro durchsetzen, kritisierte Verdi. Dabei habe Real vor allem ein Umsatzproblem.

Verdi teilte zudem mit, dass die Arbeitgeberseite unter anderem eine Kürzung des Urlaubs- und Weihnachtsgeldes um 75 Prozent anstrebe. Dies bedeute für eine Verkäuferin in der tariflichen Endstufe einen Verlust von 1.718 Euro im Jahr im Tarifgebiet Brandenburg, bis 2.035 Euro im Tarifgebiet Berlin-West. Die Tariferhöhungen sollen außerdem, so Verdi, bis 2017 ausgesetzt werden.

Metro spricht von "bedrohlicher Lage"

Real betonte dagegen am Freitag, die Personalkosten lägen bis zu 30 Prozent über denen von Wettbewerbern. Diese zahlten nicht nach Flächentarifvertrag. Fast die Hälfte der Unternehmen im Lebensmitteleinzelhandel zahle seit Jahren nicht mehr nach dem Flächentarifvertrag erklärte ein Real-Sprecher gegenüber rbb online. Real müsse Nachteile abschaffen, um die Zukunft der Kette und der Beschäftigten zu sichern. Die Real-Märkte blieben trotz der Streiks geöffnet.

Auch die Konzernmutter Metro hatte erklärt, bekomme man das Kostenproblem nicht in den Griff, werde die Lage für Real "mittelfristig sehr bedrohlich". Metro sei entschlossen, in Real zu investieren, "wofür wir aber eine wettbewerbsfähige Kostenbasis benötigen", betonte ein Sprecher. Für Real gebe es zudem auch Interessenten. Weiter wollte er sich dazu nicht äußern.

Oderbrücke in Frankfurt (Oder) (Quelle: rbb/ Haase-Wendt)

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