Foto: (c) Bücherstadt - Überreste einer Werkstatt im ehemaligen russischen Luftgefechtsstand „Nickel“
Audio: Antenne Brandenburg | Sabine Voßen | 25.07.2016

Kasernen in Wünsdorf-Waldstadt - "Für die Hobbyfotografen ist das ein Highlight"

Von 1910 bis 1994 wurde in Wünsdorf-Waldstadt geschossen, gebiwakt und mit Panzern gefahren. 1994 zogen dann die letzten russischen Truppen ab. Eigentlich genug Zeit, bis heute alles wieder schick zu machen. Doch so einfach ist das nicht. Von Sabine Voßen

Imposante Gebäude, Bäume, die ihren Weg durch Asphaltböden gefunden haben und jede Menge Putz, der von den Wänden bröckelt: Der morbide Charme lockt regelmäßig Hobbyfotografen in den abgesperrten, südlichen Teil des früheren Militärgebiets in Wünsdorf.

Hier hat sich Wald breit gemacht, die dringend sanierungsbedürftigen Gebäude stehen unter Denkmalschutz. Und hier gehen die Probleme los, die großen Bauten, fast alle aus der Kaiserzeit, an einen Investor zu bringen, wie Brigitte Flügge von der zuständigen Entwicklungsgesellschaft erklärt:

"Ich habe keine genaue Quadratmeterzahl für die denkmalgeschützten Bereiche. Die wären auch von Objekt zu Objekt fraglich. Unklar ist zum Beispiel, ob die Exerzierplätze mit unter Denkmalschutz stehen oder nicht.  An diese Fragen gehen wir gerade Stück für Stück ran."

Berliner Mieten ein Glück für Wünsdorf

Wer ein Objekt kaufen will, muss natürlich genau wissen, was Sache ist: Wo darf gebaut oder verändert werden und wo nicht. Es gibt noch nicht einmal einen Flächennutzungsplan für das Areal. Die Stadt Zossen, zu der Wünsdorf gehört, sitzt gerade daran.

Mitte 2013 erst ging es los mit den Verkäufen der alleinstehenden Kasernen im nördlichen Teil. Dort ist die Konversion fast abgeschlossen, alles ist verkauft und zum Teil schon bewohnt. Schuld daran sind die steigenden Mieten in Berlin - für Wünsdorf ein Glück.

Im Moment dürfen sich Interessierte im südlichen, abgesperrten Teil bei Führungen einen Eindruck davon verschaffen, wie das Militär hier 84 Jahre lang gelebt hat. Der Objektverantwortliche Jürgen Naumann führt über staubige Parkett-Böden und an bröckelnden Tapeten vorbei: "Für die Hobbyfotografen ist das ein Highlight. Wir lassen die Fotografen offiziell rein, um dem Vandalismus und Einbrüchen vorzubeugen. Das hat sich bewährt."

Interesse an Infanterie-Schießschule

Es existiert zum Beispiel noch das kaiserliche Schwimmbad, Spuren einer Sauna sind zu erkennen. Oder: Das Haus der Offiziere. Das bauten die Sowjets zu einem Theater mit Restaurant um. Sogar die Klappsessel und der Theatervorhang sind noch da. Schwierig, solche Mammutobjekte zu verkaufen.

Bei einem könnte es jetzt gelingen: Für die Infanterie-Schießschule, ebenfalls aus der Kaiserzeit, gibt es einen ernstzunehmenden Interessenten. Jetzt wird aber erst mal wieder mit dem Denkmalschutz verhandelt.

Beitrag von Sabine Voßen

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