Symbolfoto: Taxen in Berlin (Quelle: dpa/Paul Zinken)

Studie zu Berliner Taxis - Mehrheit der Taxibetriebe arbeitet mit illegalen Methoden

In keiner anderen Stadt Deutschlands werden so viele Taxibetriebe von illegalen Praktiken beherrscht wie in Berlin. Bei 77 Prozent der Taxis lassen sich betriebswirtschaftliche Auffälligkeiten feststellen, ergibt eine aktuelle Studie. Der Taxi-Verband begrüßte die Veröffentlichung der Missstände.

Ein Großteil der Berliner Taxibetriebe arbeitet offenbar mit illegalen Methoden. Laut einer neuen Studie hinterziehen viele Betriebe Steuern und Sozialabgaben. So würden etwa 77 Prozent der Berliner Taxis von irregulär arbeitenden Unternehmen betrieben, heißt es in der Untersuchung der Marktforscher Linne+Krause im Auftrag der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung.

Die Gutachter hatten die betriebswirtschaftlichen Daten von 900 der rund 3.000 Berliner Taxifirmen für die Jahre 2012 bis 2014 erhoben. Sie kamen zu dem Ergebnis, gesetzestreue Taxibetriebe seien "in Berlin zu einer Restgröße geworden". Die Daten seien in vielen Fällen betriebswirtschaftlich unplausibel. Es sei anzunehmen, dass zu niedrige Umsätze angegeben und entsprechend zu geringe Steuern und Sozialabgaben gezahlt würden. Nur in Einzelfällen sei von Unplausibilitäten durch persönliche Umstände wie Krankheit oder Alter auszugehen, so die Autoren der Studie.

Ermöglicht würden diese Praktiken vor allem durch eine mangelnde Aufsicht durch ein unterbesetztes Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten (Labo). "Im Endeffekt können solche Betriebe also offenkundig auf das Fehlen einer effektiven Kontrolle vertrauen", heißt es in der Studie. Der Verschleierungsaufwand sowie das Aufdeckungsrisiko seien extrem gering.

"Das Gewerbe ist eine Schlangengrube"

Berliner Taxifunktionäre begrüßten die Veröffentlichung der Studienergebnisse. "Das Gewerbe ist eine Schlangengrube", sagte Detlev Freutel vom Taxi-Verband der Deutschen Presse-Agentur (dpa). "Ehrliche Unternehmer haben Schwierigkeiten, zu bestehen." Es sei gut, dass die Untersuchung die Missstände nun offiziell gemacht habe.

Der Vorsitzende der Berliner Taxi-Vereinigung, Richard Leipold, sprach von Kriminellen in der Branche. Es gebe Unternehmer, die 50 Prozent des gesamten Umsatzes verschwinden ließen.

Gutachter empfehlen mehr Kontrollen

Die Vergabe von Taxikonzessionen in Berlin "in beinahe unbegrenzter Zahl" führe zu einem "fatalen Drehtüreffekt", heißt in der Studie der Marktforscher weiter. Wenn ein Unternehmer sein Geschäft aufgeben müsse und die Konzession verliere, könne er es mit einem Strohmann nahtlos weiterführen. Im vergangenen Jahr waren rund 7.700 Konzessionen ausgegeben worden.

Im Zentrum der Schattenwirtschaft stehen laut Gutachten rund 130 größere Unternehmen mit zusammen 2.100 Fahrzeugen. Ihr eigentlicher Geschäftszweck bestehe darin, den eigenen Gewinn zu maximieren und zugleich Fahrern Zugang zu Schwarzgeld und staatlichen Sozialleistungen zu verschaffen. Unverhältnismäßig viele Taxifahrer seien als sogenannte Aufstocker gemeldet.

Als Gegenmaßnahme empfehlen die Gutachter vor allem mehr Personal im Labo für häufigere und strengere Kontrollen in den Betrieben. Die 130 besonders auffälligen Betriebe müssten in kürzeren Abständen auf ihre Zuverlässigkeit überprüft werden. Schließlich dürfte die 2017 geplante flächendeckende Einführung neuer, manipulationssicherer Taxameter Betrügereien erschweren.

Wenig Einkommen und niedrige Altersvorsorge

Die Autoren der Studie betonten jedoch auch, in welch prekären Einkommensverhältnissen sich Berliner Taxifahrer bewegen. "Von 2012 bis 2014 erwirtschafteten professionelle Berliner Taxis im Mittel einen Überschuss von lediglich ca. 5.400 Euro – ein völlig unzureichender Wert", schreiben sie. Zur Einordnung nennen sie die Höhe der Armutsgefährdungsgrenze, die für alleinlebende Erwachsene in den letzten Jahren bei 11.750 Euro lag.

Pro Schicht fahren Berliner Taxis laut der Studie netto etwa 135 Euro ein. Zum Vergleich: Der Hamburger Wert liegt bei ca. 162 Euro, kann mitunter aber auch bis 260 Euro reichen.

Problematisch sei zudem, dass zwar 44 Prozent der auskunftsbereiten professionellen Taxiunternehmer eine Altersvorsorge haben, jedoch monatlich weniger als 300 Euro zurücklegten. Eine daraus resultierende Altersarmut sei sehr wahrscheinlich.

Plausibilität der betriebswirtschaftlichen Angaben von Taxibetrieben im bundesweiten Vergleich (Quelle: Linne+Krause Marketing und Forschung/Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung)
Bei 77 Prozent der Berliner Taxibetriebe werden unplausible betriebswirtschaftliche Angaben deutlich

Nur noch jedes vierte Taxi legal unterwegs

Im bundesweiten Vergleich ist die Lage in Bezug auf die Schattenwirtschaft in Berlin einmalig, so die Studie. Andernorts seien gesetzesnahe Betriebe die Mehrheit. In Berlin aber werde nur noch knapp jedes vierte Taxi in einem Betrieb eingesetzt, der nicht irregulär sondern gesetzesnah geführt werde.

Das Hamburger Marktforschungsunternehmen Linne+Krause hatte die Analyse im Auftrag der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung durchgeführt. Die Studie gibt laut Linne+Kruse ein repräsentatives Bild der Situation im Berliner Taxigewerbe ab. 98 Prozent der Betriebe aus der Stichprobe hätten ihren Erhebungsbogen eingereicht, heißt es.

Berlin bildet bundesweit den mit Abstand größten Taximarkt: Etwa jedes siebte Taxi fährt der Studie zufolge in der Hauptstadt. Die Fahrten ergeben sich größtenteils durch Fahrgäste, die aus beruflichen Gründen unterwegs sind. Aber auch private Personen der Berliner Bevölkerung und Touristen bilden einen Großteil.

Kommentar

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12 Kommentare

  1. 12.

    Na und? Alles gelesen und komme zu dem Schluss: Alles normal solange die Spree nicht durch den Augiusstall verlegt wird. Was auch immer jeder darunter verstehen mag.

  2. 11.

    Taxifahrer besonderes in Hauptstadt müssen in erste Linie auf Fahreignung geprüft werden . Nur ortskunde Prüfung reicht nicht. Und mindestens die Deutsche Sprache beherrschen.
    Steuerhinterziehung ist nicht neu. Wird leider nicht bekämpfet, wie in Gastronomie.

  3. 10.

    Vielleicht sollte man auch die Wagennummer der ehrlichen Taxifahrer/Betriebe mal veröffentlichen, damit man als Kunde gezielt sagen kann, mit dir fahre ich oder mit dir fahre ich nicht!
    Es sollte aber auch bei manchen Fahrern überprüft werden, wo sie ihren Führerschein gemacht haben und in welchem Umfang die Schulung war!
    Ich fahre Rad und wurde mal als Linksabbieger von einem Taxi, ebenfalls linksabbieger auf der rechten Seite überholt!
    Oder das man ausgeschimpft wird, wenn man sich nach der Ampel für Radfahrer richtet und nicht nach der für Fußgänger!
    Die Schaltung ist dort nicht immer gleich!

    Die meisten Taxifahrer die ich bis jetzt kennengelernt habe, sind von der "Alten Schule"! Fahren kurze, schnelle Wege!

  4. 9.

    Auch wenn die Zahlen bitter sind, so ist die Lektüre der Untersuchung doch interessant, ergibt sich doch das Ergebnis, dass man über 200 Unternehmern, die sogenannte Mehrwagenbetriebe führen den Weg zur Steuerhinterziehung im großen Stil von Seiten des Senats erst eröffnet hat. Anstatt zu hinterfragen, wie ein Unternehmer der auf einen Schlag über 200 Konzessionen beantragt, seinen Fuhrpark (ein Fahrzeug ca. 35.000,-€) überhaupt finanzieren kann, wurden die Konzessionen ohne weitere Prüfung ersteinmal für 2 Jahre erteilt. Sobald eine Konzessionsverlängerung anstand, wurden bzw. werden diese Konzessionen auf einen anderen Unternehmer ohne weitere Prüfung wiederum für 2 Jahre übertragen. Mißbrauch sind damit Tür und Tor geöffnet. Seit Jahrzehnten wurde das zuständige Personal beim LABO systemtisch ausgedünnt, so dass Prüfungen bei den Unternehmen kaum stattfanden. Das alles war schon bei Auftragsvergabe an die Gutachter dem Senat sehr wohl bekannt.

  5. 8.

    Die von Ihnen angeratenen Untersuchungen empfehle ich den meisten Taxibewegern, denn fahren möchte ich das nicht nennen. Ein gewisses Grundwissen über die Strassen in Berlin setze ich voraus, leider ist diese Erwartungshaltung zu hoch. Mit dem Benutzen der Busspur gebe ich Ihnen recht.

  6. 7.

    Tjaaa die Politiker machen es ja alles vor, wie man diesen staat bescheissen soll. Daher sollte sich keiner Wundern. 80-90% der selbständigen Betriebe egal welche Branche sie angehören bescheissen den Staat... also nix neues und aufregendes!!!

  7. 6.

    Taxifahrer dürfen die Busspur benutzen, hör ich da Neid heraus??? Das Anschmeissen des Navis ist keine besorgniserregende Situation, sollten Piloten auch nicht per GPS fliegen?? Wie sollte man neue technik nicht einsetzten dürfen??? Sie sollten mal zu einem Plemplemarzt gehen und mal ihre Birne falls vorhanden auf Dichtigkeit untersuchen lassen :)))))

  8. 5.

    Ich habe in regelmäßigen Abständen Taxifahrten in Anspruch genommen. Nun fahre ich wieder mit dem eigenen Fahrzeug.
    Taxifahrten nach 22.00 Uhr sind ausgeschlossen. 1. Viele Fahren rasen gern mit 90 km/Std. durch die Stadt, Busspuren werden bevorzugt. 2. Man muß vielen ausländischen Fahrern die Straße erklären, in der man abgesetzt werden will.
    Ortskenntnisse 0! Oder der Navi wird eingeschaltet. Ich bezweifle, das hier ein Beförderungsschein u.m vorliegt. Mein
    Brief mit allen Schilderungen, Daten und Fakten, an die Innung wurde nicht beantwortet. Die Polizei sollte zur
    Sicherheit der Fahrgäste viel mehr kontrollieren! Ich fühle mich in einem Taxi nicht mehr sicher.

  9. 4.

    Einfach jeden Tag am Flughafen Tegel kontrollieren und das Problem dürfte in Teilen erledigt sein. Wie die sich dort aufführen, dürften die Fahrer weder einen Führerschein noch einen sog. P Schein haben

  10. 3.

    Wenn sich nun herausstellt, dass die Berliner Taxibranche zum ganz überwiegenden Teil aus Ganoven besteht, dann wäre es wohl angebracht, den gesamten Taxiverkehr erst mal einzustellen, und dann ganz in Ruhe jeden Einzelfall zu prüfen. Und wer dann nachweisen kann, dass bei ihm alles korrekt läuft, der darf wieder loslegen. Wie soll ich denn als Fahrgast beim Einsteigen erkennen, ob jemand wenigstens den Mindestlohn erhält oder als Unternehmer seinen Verpflichtungen (Steuern, Sozialabgaben usw.) nachkommt? Ich würde mich moralisch mitschuldig fühlen, solch ein System zu unterstützen. Von daher fahre ich auch lieber BVG als Taxe, da läuft wenigstens alles korrekt.

    Möglicherweise muss man die Gewerbefreiheit in diesem Bereich einschränken, wenn man diese Mauscheleien anders nicht in den Griff bekommt. Dann muss eben ein öffentlicher Betrieb her, wo das Fahrpersonal angestellt wird.

  11. 2.

    Als Studentin war ich Taxifahrerin - in den 1970er Jahren. Das war ein lukrativer Nebenjob, aber schon damals nur für Studierende, die keine Sozialversicherung und keine Steuern zahlen mussten. Die fest angestellten KollegInnen waren nicht gut auf uns zu sprechen, weil sie schon damals eher zu den Geringverdienenden gehörten. Das wurde über die Jahrzehnte immer schlimmer. Ich kenne manche, die ihren Laden dicht machen mussten. Den Mindestlohn kann kaum noch einer zahlen. Und dann kam auch noch Uber.
    Der Bericht über diese Studie liest sich für mich, als solle hier Armut kriminalisiert werden. Diese Schlussfolgerung: Wer arm ist und beim Jobcenter aufstocken muss, betrügt - die würde ich doch mal in Frage stellen. Und vielleicht eher fragen, warum es eigentlich immer mehr Niedriglohnbranchen geben muss. Ist das nicht eher ein Thema für Gewerkschaften, als für Steuerfahndung, Zoll oder andere Ämter?

  12. 1.

    ja , es gibt auch zufiele Beamte die nichts in Renten und Gesundheitskessen einzahlen. Manche sogar fälschen ihren Lebenslauf und bekommen trotzem dicke Pensionen. Es harscht Selbstbedienungsladen Mentalität und die Propaganda beschränkt sich nur auf den Fußvolk.Waschen sie ihren Hemd nicht weiß ich bin nähmlich satt für diese sogenannten Eliten meine Steuern zu zahlen !!!

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