Coffee to go-Schild an der Warschauer Straße (Quelle: Imago/ Steinach)
Audio: Inforadio | 17.11.2016 | Franziska Ritter

Kampf gegen Müll durch To-go-Becher - Nur mit Pfand auf die Hand

Die Zahl ist gigantisch: An einem einzigen Tag landen in Berlin geschätzt fast eine halbe Million Pappbecher im Müll. Die Politik denkt über eine Steuer nach, zwei Berliner sind schon aktiv geworden. Von Franziska Ritter

Im Isla Coffee in Neukölln wird Kaffee in allen Variationen kredenzt. Hin und wieder geht ein Coffee "to go" im Pappbecher heraus. Das gehört in Berlin einfach dazu, sagt Philipp Reichel, der das Café betreibt. Damit komme aber auch eine wesentliche Zahl an Bechern zusammen, die täglich auch in seinem Laden verbraucht werden, sagt Reichel. Sein Anspruch ist es, die Kunden dazu zu bringen zumindest darüber nachzudenken. "Der Kaffee im Becher zum Mitnehmen kostet mehr. So machen wir den Leuten bewusst, ein zweites Mal zu überlegen." Zehn Cent kostet der Becher. Geld, das der Cafébetreiber auf seine Kunden umlegt.

Seit kurzem bietet das Café eine Alternative zum Pappbecher an: Einen Mehrwegbecher, den der Berliner Clemens Pech zusammen mit seiner Mitstreiterin Ulrike Gottschau entwickelt hat. Stabil, spülmaschinenfest und schnell trocken sei das Modell aus Bambus, sagt Pech. "Der Becher hat viele Eigenschaften, die in einem Café gefordert werden. Wir haben uns für dieses höherwertige Modell aus Bambus statt Plastik entschieden. Und er passt unter die Siebträgermaschinen, aus denen der Kaffee fließt, was für die Barista sehr wichtig ist."

justswapit Becher (Quelle: rbb/ Franziska Ritter)
So sehen die "Just Swap its" aus

Das Ziel: ein Pfandsystem

Die Erfinder Pech und Gottschau haben hunderte Becher in Kreuzberg und Neukölln in Umlauf gebracht – für ihren Pilotversuch, bei dem bislang 15 Cafés mitmachen. Bis Ende des Jahres wollen sie testen, ob sich mit ihren Mehrwegbechern ein Pfandsystem aufbauen lässt. Für den Kunden sei das System ganz simpel, so Clemens Pech. "Der Kunde wählt den Kaffee seiner Wahl aus. Wir haben zwei Bechergrößen. Für beide Becher zahlt er je vier Euro - drei für den Becher, einen Euro für den Deckel." Dann geht es los mit Becher in der Hand, der im nächsten Café auch wieder abgegeben werden kann, wenn das Herumtragen lästig ist.

Just swap it - einfach austauschen heißt das Projekt, das die beiden aus eigener Tasche finanziert haben. Bislang bringen sie ihre Becher eigenhändig zu den Cafés, in Zukunft wollen sie expandieren, sagt Ulrike Gottschau. "Geplant ist, dass wir Anfang bis Mitte nächsten Jahres weitere Bezirke beliefern können und dann das Pfandsystem dort auch starten kann."

Die Vorteile liegen auf der Hand: Gehen weniger Pappbecher über die Café-Tresen, spart das nicht nur Müll, sondern auch Geld. Denn die Kosten für die Berge an Pappbechern, die nach ein paar Schlucken im Müll landen, tragen alle Berliner - nicht nur die Kaffeetrinker.

Die Becherflut

- Geschätzt 170 Millionen Becher werden pro Jahr in Berlin konsumiert, das macht 460.000 Becher am Tag

- Durchschnittlich verbraucht ein Mensch in Berlin damit 49 Wegwerf-Becher jährlich.

- 85 Prozent der Berliner finden, dass To-Go-Becher die Stadt verschmutzen

- 75 Prozent fordern, dass Einwegbecher extra kosten sollen

- Die Lebensdauer eines To-Go-Bechers beträgt nur 15 Minuten

- Für die Herstellung der in Deutschland pro Jahr verbrauchten Becher werden etwa 43.000 Bäume gefällt

Quelle: Deutsche Umwelthilfe

 

 

Beitrag von Franziska Ritter

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