Symbolbild: Durchgerissenes Datenkabel und Telekom-Logo, Netzstörung bei der Telekom (Quelle: imago/Christian Ohde)
Audio: Inforadio | 29.11.2016 | Interview mit Georg von Wagner

Verursacher nach wie vor unbekannt - Telekom hat die Technik wieder im Griff

Millionen deutsche Telekom-Kunden sind höchstwahrscheinlich Opfer eines Hackerangriffs geworden. Seit Dienstag ist die Störung nun vorerst wieder behoben. Die Folgen hätten noch schlimmer sein können, sagte ein Sprecher dem rbb.

Die Telekom geht davon aus, dass die Probleme mit ihren Routern im Laufe des Dienstags vollständig behoben werden können. Die am Montag vom Unternehmen aufgespielte Filtersoftware habe funktioniert, die Zahl der betroffenen Router sei bereits am Montagnachmittag spürbar zurückgegangen, sagte Telekom-Sprecher Georg von Wagner am Dienstag dem rbb.

"Die Schadsoftware war schlecht programmiert, sie hat nicht funktioniert und hat nicht das getan, was sie hätte tun sollen. Ansonsten wären die Folgen des Angriffs noch viel schlimmer gewesen", sagte von Wagner im rbb-Inforadio. Die Zahl der akut betroffenen Router sei von 900.000 dramatisch zurückgegangen, man gehe davon aus, dass am Dienstag keine Probleme mehr zu sehen sein werden.

Auf wen der Hackerangriff auf die Telekom-Router zurückgeht, weiß das Unternehmen noch nicht, so von Wagner: "An Spekulationen wollen wir uns nicht beteiligen." Ähnliche Angriffe auch in Zukunft wollte und konnte er nicht ausschließen: "Es gibt keine hundertprozentige Sicherheit gegen Hackerangriffe", betonte von Wagner.

Vieles spricht für einen Hackerangriff

Von Wagner bestätigte somit auch indirekt den Verdacht, dass es sich um einen Hackerangriff gehandelt habe. Darauf deute die Art, wie sich die betroffenen Router ans Netz anmeldeten, hin. "Es gibt kein klares Fehlerbild: Manche erleben zeitweise Einschränkungen oder sehr starke Schwankungen in der Qualität, es gibt aber auch Kunden, bei denen derzeit gar nichts geht", sagte von Wagner am Montag rbb|24.

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) sowie Nachrichtendienst-Kreise hatten ebenfalls diesen Verdacht geäußert. Das BSI ordnet den Ausfall "einem weltweiten Angriff auf ausgewählte Fernverwaltungsports von DSL-Routern zu", teilte die Behörde am Montag mit.

Auch der Internet-Experte Götz Schartner war sich gegenüber dem rbb sicher, dass die Telekom und ihre Kunden Opfer eines Angriffs geworden sind. Ähnliche Vorfälle beobachte man zurzeit weltweit, sagte er in einem Interview bei Radioeins. Schartner findet, dass man die Störungen hätte verhindern können. "Dass das betroffene Protokoll als Standard unsicher ist, ist seit Jahren bekannt. Das Problem wurde nicht ernst genommen", so Schartner. Auch die Kommunikation sei ein Desaster gewesen. Die Telekom habe "hervorragende Sicherheits-Spezialisten, wenn die nach acht Stunden nicht wissen, was los ist, läuft da etwas schief". Er gehe davon aus, dass die Spezialisten gewusst hätten, was das Problem war.

Netz selbst störungsfrei

Nach Angaben der Telekom war nicht das Netz selbst gestört, sondern die Identifizierung von Routern bei der Einwahl. Die Geräte dienen der Einwahl ins Netz und ermöglichen damit Telefonie, den Internetzugang und auch den Online-Fernsehempfang.

Seit Sonntagnachmittag hatten zahlreiche Telekom-Kunden Probleme mit ihren Internet-, Fernseh- und Telefonanschlüssen gemeldet - auch in Berlin und Brandenburg. Auf der Internetseite allestoerungen.de war zu sehen, dass viele Fehlermeldungen aus der Hauptstadt und anderen großen Städten kamen. Telekom-Sprecher von Wagner betonte, die Störung betreffe das gesamte Bundesgebiet ohne einen lokalen Schwerpunkt. Dass aus Ballungsgebieten mehr Fehlermeldungen registriert würden, sei "ausschließlich ein statistisches Ergebnis".

Massive Ausfälle selten

Bereits im Juni hatte es bei der Telekom einen massiven Ausfall des Mobilfunknetzes gegeben. Grund war damals ein Datenbankfehler, so dass SIM-Karten der Telefone nicht mehr korrekt ins Netz eingebucht werden konnten.

Vereinzelte Störungen gibt es in den Netzen von Telekommuniaktionsanbieter häufig. So können etwa bei Bauarbeiten Kabel beschädigt werden und damit im ungünstigen Fall auch ganze Regionen von der Versorgung trennen. Massive Ausfälle sind hingegen eher selten.

Sollte sich der Verdacht auf einen Hackerangriff bestätigen, wäre es der erste erfolgreiche auf die Telekom in großem Stil.

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