"Wild-Geflügelpest Sperrbezirk" steht am 20.11.2016 in Berlin auf dem Schild an einem Laternenpfahl im Bezirk Friedrichshain (Quelle: dpa/Paul Zinken)
Video: Brandenburg aktuell | 25.11.2016 | Friedrich Herkt / Christoph Hölscher

Virus bei weiterem Schwan nachgewiesen - Vogelgrippe: Ganz Berlin jetzt Beobachtungsgebiet

Nachdem sich auch in Brandenburg ein Verdacht auf Vogelgrippe bestätigt hat, ist in Berlin erneut die Zahl der Fälle gestiegen: Bei sechs Tieren wurde mittlerweile das Virus nachgewiesen. Ganz Berlin ist jetzt Beobachtungsgebiet.

In Berlin hat sich die Zahl der Fälle von Vogelgrippe mittlerweile auf sechs erhöht. Wie die Senatsverwaltung für Verbraucherschutz mitteilte, wurde das Virus bei einem weiteren toten Schwan nachgewiesen. Laut Untersuchungen des Landeslabors sind auch zwei Möwen infiziert. Sie wurden in Mitte und Treptow-Köpenick entdeckt. Eine Bestätigung durch das Friedrich-Loeffler-Institut steht noch aus.

Zuvor waren bereits infizierte Schwäne im Landwehrkanal in Berlin-Kreuzberg gefunden worden. Der Berliner Ornithologe Klemens Steiauf hatte dem rbb gesagt, dass die Tiere sich über dort verfütterte Nahrung infizierten. Damit stellte er die These des Loeffler-Instituts in Frage, dass Wildvögel den Virus übertragen. Der Präsident des Loeffler-Instituts widersprach im rbb allerdings dieser Einschätzung. Er sehe keinerlei Anhaltspunkte.

Berliner Behörden gehen mittlerweile davon aus, dass das Virus wahrscheinlich nicht nur am Landwehrkanal auftritt. Wie die Verbraucherschutzverwaltung am Freitag mitteilte, ist ganz Berlin zum Beobachtungsgebiet erklärt worden. Grund dafür sind die Verdachtsfälle in den Bezirken Mitte und Treptow-Köpenick. Rund um die Fundorte wurden Sperrbezirke eingerichtet. Aus dem Beobachtungsgebiet dürfen zunächst 15 Tage lang keine Vögel weggebracht werden, hieß es. Zudem gilt in ganz Berlin Stallpflicht für Geflügel.

Erster Vogelgrippe-Fall in Brandenburg

Die Geflügelpest ist derweil auch in Brandenburg angekommen. Bei einer toten Möwe, die im Landkreis Potsdam-Mittelmark entdeckt wurde, ist der H5N8-Erreger nachgewiesen worden, wie das Verbraucherschutzministerium am Freitag mitteilte.

Die zuständigen Behörden richteten umgehend einen Sperrbezirk sowie ein Beobachtungsgebiet um den Fundort ein. In diesen Arealen gelten ab sofort Beschränkungen für Geflügelhalter.

Die Behörden verhängten eine landesweite Stallpflicht für Geflügel, wie Landestierarzt Nickisch dem rbb sagte. Enten, Gänse oder Hühner dürfen den Sperrbezirk 21 und das Beobachtungsgebiet 15 Tage lang nicht verlassen. Zudem werden gewerbsmäßige Bestände in regelmäßigen Abständen klinisch untersucht. Verbraucherschutzminister Stefan Ludwig (Die Linke) sagte, man wolle verhindern, dass das Virus in die Nutztierhaltung gelangt.

Außerdem dürfen Hunde und Katzen nicht mehr frei herumlaufen. Bislang war Brandenburg von der Vogelgrippe verschont geblieben, doch die Vorsorge läuft auf Hochtouren. Seit letzter Woche galt bereits eine flächendeckende Stallpflicht für Hühner, Gänse, Enten und Puten in den Landkreisen Barnim, Havelland, Oberhavel, Prignitz, Ostprignitz-Ruppin und Uckermark.

Nach dem nunmehr bestätigten Fund müssen die Behörden in Brandenburg über das weitere Vorgehen entscheiden.  

In fast allen restlichen Landkreisen gilt die Maßnahme nur in ausgewiesenen Risikogebieten, so unter anderem in einigen Ortsteilen von Dahme-Spreewald, Elbe-Elster, Märkisch-Oderland, Oberspreewald-Lausitz und Oder-Spree, oder etwa in der Stadt Beelitz (Potsdam-Mittelmark) und im Teichgebiet Peitz (Spree-Neiße). Eine detaillierte Auflistung hat das Brandenburger Ministerium für Verbraucherschutz im Internet veröffentlicht.

Die Grafik zeigt den Sperrbezirk für die Geflügelpest in Berlin an (Quelle: rbb/Abendschau)
Quelle: rbb/Abendschau

Bisher keine H5N8-Infektionen beim Menschen

Das Vogelgrippe-Virus H5N8 kann in unterschiedlich gefährlicher Form auftreten. Ein hoch pathogenes Influenzavirus H5N8 wurde nach Auskunft des FLI erstmals Anfang 2014 in Südkorea bei Geflügel und Wildvögeln nachgewiesen. Dort habe es diverse Ausbrüche gegeben, mehrere Millionen Vögel seien sicherheitshalber getötet worden. Im Zuge der Ausbrüche seien infizierte Wildenten entdeckt worden, die aber weniger stark erkranken. Das Virus tauchte auch in China und Japan auf.

Seit November 2014 wurden solche H5N8-Viren in mehreren Geflügelbetrieben in Deutschland und anderen europäischen Ländern entdeckt. Schon früher waren H5N8-Viren entdeckt worden, etwa 1983 in Irland.

Infektionsrisiko für den Menschen ist äußerst gering

Im Gegensatz zum Virustyp H5N1 sind Infektionen beim Menschen durch H5N8 laut FLI bislang nicht nachgewiesen worden. Eine Ansteckung über infizierte Lebensmittel ist nach Auskunft des Bundesinstituts für Risikobewertung zwar "theoretisch denkbar, aber unwahrscheinlich".

Und selbst bei H5N1 ist das Risiko einer Ansteckung äußerst gering. Zwar registrierte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) seit 2003 offiziell 452 Todesfälle, dies relativiert sich jedoch durch einen Vergleich mit der "Humaninfluenza", also der normalerweise beim Menschen auftretenden Grippe. Allein in Deutschland sterben an den Folgen dieser Krankheit bis zu 20.000 Menschen im Jahr.

Wie gefährlich ist das Virus für Mensch und Tier?

  • Ist das Virus gefährlich für den Menschen?

  • Kann sich meine Katze an infizierten Vögeln anstecken?

  • Kann sich mein Hund infizieren, wenn er einen toten Vogel anschleppt?

  • Wie wird das Virus übertragen?

  • Was passiert, wenn der Virus in einem Brandenburger Stall nachgewiesen wird?

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