Im Kreißsaal des Klinikums in Frankfurt (Oder) vermisst eine Hebamme ein wenige Minuten altes Baby. (Quelle: dps / Patrick Pleul)

Babyboom in Deutschland - Es wird eng in Berlins Kreißsälen

In Berlin werden - wie in ganz Deutschland - Jahr für Jahr mehr Kinder geboren. Das bringt nicht nur Freude, sondern auch Probleme mit sich: So stoßen die Kreißsäle der beliebten Krankenhäuser an ihre Kapazitätsgrenzen. Das Tempelhofer St.-Joseph-Krankenhaus reagiert nun.

Deutschland erlebt in den letzten Jahren einen kleinen Babyboom, der sich auch in Berlin bemerkbar macht. Offizielle Zahlen für das vergangene Jahr gibt es derzeit noch nicht. Doch laut der Hochrechung eines Babynahrungsherstellers (die prinzipiell nur geringfügig von der Geburtenstatistik des Statistischen Bundesamts abweicht) sind 2016 in Berlin rund 42.000 Babys geboren - 4.500 Kinder mehr als im Vorjahr und sogar rund 25 Prozent mehr als im Jahr 2006.

Berlin bekommt diesen Zuwachs jedoch nicht nur positiv zu spüren: Die vielen Babys bringen die Infrastruktur an ihre Grenzen. Die Kitas sind voll, Hebammen schwer zu finden und bei der Geburt besteht die Gefahr, vor einem überfüllten Kreißsaal zu stehen.

Rettungsstelle des Vivantes-Klinikum am Friedrichshain (Bild dpa)

Schwangere an andere Kliniken verwiesen

Im St.-Joseph-Krankenhaus in Tempelhof - das in den vergangenen Jahren die meisten Geburten Deutschlands verzeichnete - kamen 2016 fast 4.600 Kinder zur Welt. Das sind 600 mehr als im Jahr zuvor. Das brachte die sieben Entbindungsräume der Geburtsstation an die Grenzen. Chefarzt Michael Abou-Dakn reagierte zunächst mit der Aufstockung von Personal. "Bei dem großen Zuwachs an Geburten brauchen wir mehr Hebammen pro Schicht. Allerdings gibt es auch hier ein Problem: Hebammen für die Arbeit in der Klinik zu finden, ist sehr viel schwieriger geworden."

Mäßig gute Bezahlung, stressige Arbeitsbedingungen und womöglich zu wenig Auszubildende sorgen für einen Engpass bei Hebammen. Darüber hinaus sollen im St.-Joseph-Krankenhaus die Geburten auf 4.000 pro Jahr gesenkt werden. Das werde erreicht, indem ab einer bestimmten Zahl im Monat keine Anmeldungen mehr angenommen werden. "Eine Anmeldung zur Geburt empfehlen wir seit diesem Jahr schon ab der 13. Schwangerschaftswoche", so Abou-Dakn.

Aufstockung von Kreißsälen nicht geplant

Doch die Raumknappheit bleibt. "Mittelfristig müssen wir weiter ausbauen, besonders hinter den Sälen brauchen wir mehr Kapazitäten, zum Beispiel Untersuchungs- und Stationszimmer", so Abou-Dakn. Auch eine Vergrößerung unsere  Kreißsaals und der Wochenbettstation sowie der Neonatologie sei geplant. Darüber sei das Krankenhaus sowohl mit dem Träger als auch mit dem Senat im Gespräch.

Um den Kreißsaal zu vergrößern, müsste von politischer Seite der Bettenplan geändert werden. Bislang ist das jedoch nicht geplant: "Ja, wir erleben gerade einen Babyboom in Berlin", bestätigt zwar Gesundheitssenatorin Dilek Kolat (SPD). Einen Engpass aber gebe es in Berlin nicht. Babys könnten nur nicht mehr immer im Wunschkrankenhaus geboren werden. Man werde die Entwicklung jedoch genau beobachten und versuchen, Engpass-Situationen zu vermeiden, heißt es aus der Senatsverwaltung für Gesundheit.

Auch Chefarzt Abou-Dakn beruhigt: "Es gibt in Berlin kein Versorgungsproblem, nur besteht die Möglichkeit, dass eine Schwangere an ein anderes Haus verwiesen wird." Wer allerdings mit Wehen vor der Tür stehe: "Der wird sofort aufgenommen und kann natürlich bei uns entbinden."

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereKommentar-Regeln und Hilfe zu Kommentaren zum Kommentieren von Beiträgen.

1 Kommentare

  1. 1.

    Auch wer mit geplatzter Fruchtblase und Wehen vor dem Kreissaal eines Krankenhauses steht wird u.U. abgewiesen. In unserem Fall dann mit Rettungswagen durch die Stadt zu einem anderen Krankenhaus gefahren. Optimal ist in jedem Fall anders! Was soll das überhaupt mit den Anmeldungen? Wir mussten uns sogar für eine Anmeldung viele Wochen vorher anmelden - die Anmeldung zur Anmeldung sozusagen für etwas was man eh nicht auf den Tag voraussagen kann.

Das könnte Sie auch interessieren