Der Humanoid Pepper in der Bibliothek der TH Wildau. (Quelle: TH Wildau/Henning Wiechers)

Roboter übernimmt Nachtschichten in der Bibliothek - "Hallo, ich bin der neue Mitarbeiter der TH Wildau"

Fast wie Science Fiction: Ein humanoider Roboter soll in Wildau im Kreis Dahme-Spreewald als Bibliothekar der Technischen Hochschule eingesetzt werden. Nachts wird "Pepper" zwischen den Regalen unterwegs sein und Fragen beantworten - durchaus auch mit Humor. Von Susanne Hakenjos 

Wer den kleinen Roboter aus weißem Hartplastik mit einem "Hallo, wer bist du denn?" anspricht, bekommt prompt eine Antwort: "Hallo, ich bin einer der neuen Mitarbeiter an der Technischen Hochschule Wildau. Ich wohne zurzeit in Halle 14 bei den Telematikern. Zusammen mit meiner Kollegin helfe ich bald in der Bibliothek aus."

Noch aber steht das gerade mal 1,20 Meter große Kerlchen im Büro von Professorin Janett Mohnke. Es ist ein Modell der Serie "Pepper", den die japanische Firma Softbank Robotic in Kooperation mit der französischen Firma Aldebaran Robotics seit Spätsommer 2016 auch in Europa vertreibt.

Den Bibliotheksnutzer an die Hand nehmen

Wenn Pepper spricht, leuchten seine Kulleraugen auf, dazu rudert er aufgeregt mit den Armen hin und her. Kopf, Oberkörper, Hände und Finger sind menschenähnlich. Allerdings bewegt er sich statt auf Beinen auf einem Unterbau mit drei Rollen in alle Richtungen. Ab dem kommenden Wintersemester soll er nachts in der Bibliothek zum Einsatz kommen. Schließlich soll die Bibliothek künftig rund um die Uhr an sieben Tagen die Woche geöffnet sein.

Gemeinsam mit Bibliotheksleiter Frank Seeliger wird von einem Robotic-Lab-Team an dieser Vision gearbeitet: "Pepper soll genau wie ein Bibliothekar den Nutzer an die Hand nehmen und ihn zum Beispiel zu den Regalen führen, wo der die Bücher findet, die er sucht. Außerdem erklärt er zum Beispiel, wie man Bücher selbständig ausleihen kann oder wie die Schließfächer funktionieren", beschreibt die Professorin am Masterstudiengang Telematik den geplanten Einsatz in Phase I: "Pepper soll dort als eine Art mobile Litfaßsäule unterwegs sein und den Nutzern helfen, wenn keine Bibliothekare da sind."

Wie Peppers "Papa" den Roboter programmiert

Pepper reagiert, wenn man ihn direkt anspricht. Bald wird er die Antworten auf die meist-gestellten Bibliotheksfragen parat haben. Die bringt ihm Benjamin Stahl gerade bei. Der Masterstudent ist aktuell Peppers "Papa". Auf Empfang ist der Roboter, wenn seine angedeuteten Ohrmuscheln farbig aufleuchten: "Wie in den Augen befinden sich auch hier LEDs. Die drehen sich und das signalisiert dann, jetzt hört er sozusagen zu", erklärt Stahl.

Wichtig für eine funktionierende Interaktion ist allerdings, laut und deutlich zu sprechen. Pepper reagiert auch auf Lautstärke und Gesten und er erkennt, wenn ihm ein menschliches Gesicht gegenübersteht. In Phase II könnte er dann sogar Ruhestörer stoppen: In einem solchen Fall verkündet er mit ernster Stimme: "Die Bibliothek ist ein ruhiger Ort zum Lernen und Lesen. Bitte sei etwas leiser!"

Ein geplanter künftiger Star

In Pepper steckt neben dem Hauptprozessor auch ein W-LAN-Modul, damit holt er sich alle Infos des Bibliotheksrechners auf ein festinstalliertes Tablet auf seiner Brust. Ein entsprechender Akku erlaubt einen durchgängigen, maximal zwölfstündigen Einsatz.

Studentin Janine Breßler ist ebenfalls im Programmier-Team dabei und bereits ein großer Fan von Pepper. Sie ist überzeugt: Er wird der künftige Star der Bibliothek: "Man möchte, wenn man ihn sieht, sofort mit ihm reden und ihn auch anfassen", beschreibt Janine Breßler seine Faszination. Offenbar setzen seine Designer auch gekonnt auf den menschlichen Kindchen-Schema-Reflex: Runder Kopf, überproportional große Kulleraugen und eine kindlich hohe Stimme lassen ihn niedlich erscheinen.

Pepper erzählt Witze

Star-Qualitäten hat "der neue Mitarbeiter in der Bibliothek" aber nicht nur durch sein Aussehen, sondern auch vor allem durch seine Zusatzqualifikationen: Außer trockenen Bibliotheksfakten hat er nämlich auch gleich noch eine Handvoll Witze parat: Zum Beispiel den mit der Oma, die dem Busfahrer beim Einsteigen eine Kinder-Fahrkarte vorzeigt. "Da sagt die Oma: 'Da können Sie mal sehen, wie lange ich schon auf den Bus warte.'", verkündet Pepper und schickt dem Witz auch noch ein fröhliches Lachen aus seinen Lautsprechern hinterher.

Warum Witze erzählen wichtig für einen Roboter ist, verraten seine Programmierer: "Er soll auf jeden Fall locker rüberkommen. Und es ist auch wichtig, dass die Studenten keine Angst haben mit dem Roboter zu interagieren. Und deswegen, meine ich, sollte man so ein paar Dinge mit einbauen, durch die er etwas umgänglicher wird", sagte Benjamin Stahl. Humor hilft, dass Menschen Roboter wie Pepper besser akzeptieren.

Der Humanoid Pepper im "Interview" mit Antenne Brandenburg. (Quelle: TH Wildau/Benjamin Stahl)
Ein Medienprofi: Pepper gibt Antenne Brandenburg ein Interview.

Keine Angst vor dem Humanoiden

Dank Humor fühlt sich eine nachts fast menschenleere Bibliothek möglicherweise auch besser an. Vor allem auch weil er so klein ist, wird der humanoide Roboter nicht als bedrohlich wahrgenommen: "Vor ihm hat man keinen Respekt, glaube ich. Den kann man notfalls umschubsen", meint Janett Mohnke. Vielmehr könnte der Assistenzroboter aufmunternd auf die Studenten wirken und dank des Spaßfaktors auch der Bibliothek eine positive Außenwirkung bescheren.

Bis Pepper sich aber in der Bibliothek richtig verorten kann und selbständig von Position A zu Position B fahren kann, liegt noch viel Arbeit vor dem Robotic-Lab-Team: "Wir haben da ja auch Treppen. Dass er da nicht herunterfällt, sich selbst wehtut oder einen Menschen verletzt oder irgendwo dagegen fährt, das wird noch eine ganz große Herausforderung", seufzt Mohnke. Neben seinem Einsatz in der Bibliothek dient Pepper auch der weiteren Forschung zum Thema künstliche Intelligenz am iCampus der TH Wildau.  

Neugierige können Pepper beim Tag der offenen Tür der TH Wildau am 20. Mai 2017 kennenlernen. 

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1 Kommentare

  1. 1.

    Gute Idee! Bin neugierig auf Videos vom Einsatz.

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