Lehrer und Erzieher demonstrieren am 14.02.2017 in Berlin für eine bessere Bezahlung (Quelle: dpa/Kay Nietfeld)

Zweiter Streiktag im öffentlichen Dienst - Gewerkschaften sprechen von "klarem Signal" für Tarifrunde

Auch am Mittwoch sind in Berlin wieder Kitas geschlossen geblieben, an Schulen ist der Unterricht ausgefallen. Wie schon am Vortag haben rund 8.000 Angestellte für mehr Lohn demonstriert. Ob der Ausstand etwas bewirkt, zeigt sich vielleicht schon am Donnerstag.

Wegen des zweitägigen Warnstreiks von Lehrern und Erziehern sind auch am Mittwoch in Berlin erneut zahlreiche kommunale Kitas geschlossen geblieben. Auch einige Schulen, Horte und Jugendfreizeiteinrichtungen öffneten nicht. In mehreren Schulen und Kindertagesstätten wurde lediglich eine Notbetreuung angeboten.

Streikende des Öffentlichen Diensts in Berlin (Quelle: rbb/Annette Miersch)
Am Dienstag hatten sich die Streikenden am Alexanderplatz getroffen.

Gewerkschaften machen Druck vor nächster Tarifrunde

Vor der nächsten Runde der bundesweiten Tarifverhandlungen mit den Ländern wollten die Gewerkschaften noch einmal Druck auf die Arbeitgeber machen. Dafür zogen am Vormittag nach Angaben der Gewerkschaft Verdi 8.000 Demonstranten vom Wittenbergplatz zum Rathaus Schöneberg.

Vertreter der Gewerkschaften Verdi und GEW zeigten sich mit der Beteiligung an den Warnstreiks zufrieden, und sprachen von einem "klaren Signal". Die Gewerkschaften verlangen für die Angestellten der Länder Gehaltserhöhungen im Gesamtvolumen von sechs Prozent. Die Tarifgemeinschaft der Länder (TdL) lehnt das als zu hoch ab. Die nächste bundesweite Verhandlungsrunde ist ab Donnerstag in Potsdam geplant.

Diese wird von erneuten Streiks begleitet: Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) kündigte für Donnerstag Warnstreiks tarifbeschäftigter Mitglieder der Berliner Polizei und der Berliner Ordnungsämter an.

 

Kollatz-Ahnen: Zuversichtlich, dass sich Tarifpartner einigen

Auch Berlins Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) will sich in den Verhandlungen um eine Lösung bemühen. Uneins sind sich Gewerkschaften und Arbeitgeber insbesondere noch, inwieweit die Bezahlung der Länderbeschäftigten an die der Kommunen angeglichen werden soll. Zudem wollen die Gewerkschaften eine zusätzliche Entgeltstufe für langjährig Beschäftigte.

"Beide Themen spielen eine wichtige Rolle. Ich glaube aber, dass es uns gelingt, in dem Marathon am Donnerstag und Freitag eine Lösung zu finden, ich strebe zumindest eine an", sagte Kollatz-Ahnen dem rbb am Dienstag.

Verdi-Landesbezirksleiterin Susanne Stumpenhusen stellte weitere Proteste in den kommenden Wochen in Aussicht, sollte es bei den Verhandlungen keine Fortschritte geben.

"Wir erwarten nun ein faires Angebot"

Bereits am Dienstag hatten tausende Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes in Berlin für mehr Lohn demonstriert. Sie versammelten sich am Alexanderplatz und zogen von dort zu einer Kundgebung am Brandenburger Tor. Bei der Abschlusskundgebung am Pariser Platz zählten Gewerkschaften und Polizei rund 8.000 Teilnehmer.

Die GEW-Landesvorsitzende Doreen Siebernik sprach von einem deutlichen Signal auch und gerade an Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD), der auf Seite der Länder maßgeblich an den Verhandlungen beteiligt ist. "Wir erwarten nun ein faires Angebot", so Siebernik. Die pädagogischen Herausforderungen in der Hauptstadt seien riesig, die Lern- und Arbeitsbedingungen schlecht. "Und zu allem Überfluss bezahlt das Land Berlin noch mies."

1.000 unbesetzte Stellen

Die Landesregierung ist inzwischen im Zugzwang, Erziehern und Erzieherinnen bessere Arbeitsbedingungen zu bieten: Das Land will bis zum Jahr 2020 weitere 30.000 Kitaplätze schaffen und braucht dafür dringend Personal. Laut GEW gibt es in Berlin schon jetzt 1.000 unbesetzte Erzieher-Stellen. Das komme auch daher, dass Beschäftigte, die in den Randbezirken wohnen, sich eher im Speckgürtel eine Arbeit suchen, weil sie dort besser bezahlt werden.

In Brandenburg, wo zur Zeit nicht gestreikt wird, werden die Angestellten nach dem Tarifvertrag der Kommunen bezahlt (TVÖD), in Berlin nach dem Tarifvertrag der Länder (TVL). Noch 2006 waren die Gehälter dieser beiden Verträge auf einem Niveau. Heute liegt Berlin mit einem Minus von durchschnittlich vier Prozent hinten. Das heißt: Brandenburger Erzieher verdienen beim Einstieg mit einer Vollzeit-Stelle gut 2.500 Euro brutto, Berliner Anfänger 2.400 Euro. In der höchsten Tarif-Stufe ist der Unterschied noch deutlicher: Da verdient ein Brandenburger Erzieher gut 3.500, der Berliner 3.082 Euro brutto.

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1 Kommentare

  1. 1.

    Eigentlich finde ich ein Einstiegsgehalt von knapp 5.000,-€ für einen Absolventen mit 2 Staatsexamen und ohne Berufserfahrungen ziemlich fett. Die alten Kollegen haben definitiv mit weniger Gehalt begonnen, sich erst über Berufsjahre steigern können und bekommen nun auch nicht mehr als frische Hochschulabgänger.
    Frau Scheres Bildungspolitik der letzten Jahre verschläft weiterhin die Lebensrealität.
    Vielleicht ändert sich nun ja aber was, weil ihr Kind gerade zur Schule gekommen ist und sie damit aus ihrer Helikopterperspektive steigt ?

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