Flughafenmitarbeiter laden Gepäckstücke mit einem Förderband in ein Flugzeug (Quelle: dpa/Bodo Schackow)

Nach zahlreichen Ausfällen am Donnerstag - Verdi droht mit neuen Streiks in Tegel und Schönefeld

Gerade erst hat sich die Lage an den Flughäfen Tegel und Schönefeld wieder beruhigt, da legt die Gewerkschaft Verdi nach: Sollte sich in der Tarifrunde für das Bodenpersonal am Freitag nichts tun, drohen neue Warnstreiks.

Nach dem Warnstreik an den Berliner Flughäfen schließt die Gewerkschaft Verdi weitere Aktionen nicht aus. Gewerkschaftssekretär Enrico Rümker sagte am Freitag dem rbb, die Tarifverhandlungen für das Bodenpersonal müssten endlich ein Ergebnis bringen. Viele Unternehmen würden zu den jetzigen Konditionen kein Personal mehr finden. Die Arbeitsverdichtung sei inzwischen so hoch, "dass die Beschäftigten sich Sorgen machen, gerade in Fragen auch der Sicherheit für den Flugverkehr". Sollte auch die Tarifrunde am Freitag ohne Einigung bleiben, drohe eine Verschärfung des Konflikts, so Rümker.

87 Menschen übernachteten in Tegel

Das Bodenpersonal der Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld hatte am Donnerstag mit einem Warnstreik zwischen 16 Uhr und 22 Uhr den Flugverkehr beinahe zum Erliegen gebracht. Nach Angaben eines Flughafensprechers wurden 210 Starts und Landungen gestrichen - in Tegel fielen 156 Flüge aus, in Schönefeld 54. Zwölf weitere Flüge seien laut dem Sprecher zu den Flughäfen Bremen, Leipzig und Dresden umgeleitet worden. Dorthin wurden die betroffenen Passagiere per Bus gebracht. Wegen des Warnstreiks mussten 87 Menschen im Terminal des Flughafens Tegel übernachten.

Am Freitagvormittag hatte sich der Flugverkehr weitgehend normalisiert, nachdem es am Morgen noch vereinzelt Verspätungen oder Ausfälle gegeben hatte.

Fast 700 Beschäftigte legen die Arbeit nieder

Allein in Tegel streikten nach Gewerkschaftsangaben mehr als 500 Beschäftigte des Bodenpersonals. "Angesichts der Tatsache, dass pro Schicht höchstens 400 Leute arbeiten, sind wir mit der Beteiligung zufrieden", erklärte Enrico Rümker, der die Tarifverhandlungen für Verdi führt. In Schönefeld folgten 150 bis 200 Angestellte dem Aufruf - laut Verdi so gut wie alle Diensthabenden in der Abendschicht.

Verhandlungen am Freitag

Die Gewerkschaft Verdi hatte die Beschäftigten zum Warnstreik aufgerufen, um ihren Forderungen bei den Tarifverhandlungen Nachdruck zu verleihen. Verdi fordert einen Euro mehr pro Stunde und ein verbessertes Tarifsystem für das Bodenpersonal. Begründet wird das unter anderem mit steigender Arbeitsbelastung durch mehr Passagiere. Die Arbeitgeber boten die schrittweise Erhöhung der Löhne in allen Entgeltgruppen - allerdings bei einer Laufzeit von vier Jahren.

Erst am vergangenen Mittwoch hatte ein Warnstreik der Beschäftigten den Flugverkehr in Tegel und Schönefeld über Stunden nahezu zum Erliegen gebracht. 115  Flüge mussten in Tegel gestrichen werden, 22 in Schönefeld. Es gab zahlreiche Verspätungen.

Fluggäste können nicht mit Entschädigung rechnen

Anders als bei sonstigen Flugausfällen oder Verspätungen, die zum Beispiel technisch bedingt sind, können Flugreisende bei Streiks nicht mit einer Entschädigung rechnen. Der Bundesgerichtshof hatte 2014 entschieden, dass nach EU-Fluggastrechte-Verordnung (Art. 5 Abs. 3) den Passagieren bei einem Streik keine Entschädigung zusteht. Laut Urteil ist ein Streik ein außergewöhnlicher Umstand, den die Airline nicht zu verantworten hat (BGH-Urteil vom 12.06.2014, Az. X ZR 104/13 und X ZR 121/13).

Kommentar

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11 Kommentare

  1. 10.

    Sowas kann nur jemand schreiben der genug Geld verdient und ein Easy Job hat!!! Sie haben überhaupt keine Ahnung was diese Menschen alles leisten und machen, seit 5 Jahren keine Lohnerhöhung oder die Möglichkeit haben eine höhere Position zu bekommen!!! Sie sollten sich vorher genau Informieren bevor Sie so etwas schreiben!!!!!

  2. 9.

    Zitat:"Streiks an Schlüsselpositionen wie Flughäfen und bei der Bahn sollten von rechtswegen verboten werden. "
    Da gebe ich Ihnen recht. Die Flughafengesellschaft sollte verstaatlicht, sämtlichen Leiharbeitsfirmen gekündigt werden, sowie sämtliche Angestellte auf Flughäfen verbeamtet und entsprechend entlohnt werden. Dann gäbe es auch keine Streiks und Ekel-Airlines, wie Ryan oder easy könnte man so endgültig verjagen.

  3. 8.

    Die einzig Schuldigen gegenüber den betroffenen Flugreisenden sind die Arbeitgeber und die Airlines. "Profitgier" ist des Übels Kern. Schade für die Passagiere, die gutes Geld für ihren Flug bezahlt haben. Kunden, die aufgrund des Preises Präkariats-Airlines wie Ryanair oder Easyjet bevorzugen, sollten dauerhaft durch Streiks bestraft werden! Selbst wenn es mich nächste Woche betreffen sollte (Flug über Zürich nach Hong Kong), ich habe absolutes Verständnis für jeglichen unterbezahlten Mitarbeiter und werde die jeweiligen Arbeitgeber für ihr Missmanagement verantwortlich machen.

  4. 7.

    Unser Urlaubsflug im Wert von ca. 1700 € steht auf der Kippe, aber von Ihren Ausfällen, die jedem Alleinherrscher zur Ehre gereichen, distanziere ich mich schärfstens. Bei diesem Streik geht es im Übrigen nicht um die Privilegien einer Sondergruppe wie Piloten oder auch Zugführer, sondern um die miserablen Arbeitsbedingungen von Menschen aus den unteren Gehaltsgruppen.

  5. 6.

    Fliegen soll billig sein und jeder der fliegt will nur in die Sonne! Sehr einseitig gesehen aber bitte, selbst wenn das der Fall wäre so würde sich für mich daraus noch kein Grund ableiten auf dem Rücken der Kunden, in dem Falle eben der Fluggäste meine Forderungen zu erpressen.

    Was die Arbeitsbedingungen und die Entlohnung angeht so kann man in den unterschiedlichsten Bereichen schlechte Beispiele finden und dennoch können/dürfen/wollen nicht alle Arbeitnehmer die diese Berufe ausüben ihrem Frust Luft machen indem sie die Kunden benachteiligen.

    Streiks an Schlüsselpositionen wie Flughäfen und bei der Bahn sollten von rechtswegen verboten werden. Die Führer der Gewerkschaften müssten dann zurück zu einer argumentativ fundierten Diskussion kommen, weshalb die Forderungen gerechtfertigt sind und kein Weg daran vorbei führt, das Argument "Weil wir snst alles lahm legen!" ist die Strategie eines bockigen Kindes!

  6. 5.

    Ein Hoch auf die Gewerkschaften ! Wenn es Arbeitgeber gibt, die sich von der Politik sponsern lassen und Ihren Mitarbeitern Schichtdienst zumuten und am Ende das Geld zum Leben nicht reicht und man aufstocken muss, nur, damit die Gewinne höher sind und es bei den Arbeitnehmer nur einen Arschtritt gibt, dann kann ich Ihre ganzen Kommentare nicht verstehen. Und wenn jetzt mal die lieben Fluggäste, die eh schon weniger als nichts bezahlen wollen und um die ganze Welt für nen Hiermann fliegen wollen, dann habe ich kein Verständnis dafür, das sich jetzt hier beschwert wird. Es herrschen 3.Welt Verhältnisse in Deutschland und es wird einfach toleriert, weil ja fliegen so schon billig sein soll.

  7. 4.

    Ver.di hat gerade gestern verhindert, dass meine Honorare abgesenkt werden auf einem Niveau, dass es 2001 gab. Die Gewerkschaft ist bei mir und meinen Kollegen und Kolleginnen alles andere als unbeliebt!

  8. 3.

    Man sollte schlicht und einfach die Deutschland weiten Gewerkschaften verbieten und den Markt spielen lassen. Ja es ist ein Systemfehler den man überdenken sollte. Undenkbar in der Schweiz so ein gehabe von Möchtegerne Birskes mit dem Motto nach mir die SIntflut da die Flugtickets nicht von den Gewerkschaften als Verursacher zurückerstattet werden.
    Also ich schreibe es nochmals ich komme mir im Dienstleistungsland Deutschland vor wie im Kongo Bongo . Und die Aussage des Möchtegerne Roten Gewerkschafters der Streik richtet sich nicht gegen die Fluggäste das kommentiere ich hier lieber nicht. Also froh auf und schafft endlich mal Ordnung in diesem Sau Laden Deutschland.
    Besten dank für Ihre Kenntnisnahme

  9. 2.

    Das ist eine Frechheit sondergleichen! Wenn ich Verdi schon lese, schwillt mir der Hals

  10. 1.

    Verdi ist gerade dabei, sich zur unbeliebtesten Gewerkschaft zu entwickeln. Noch vor GDL, VC und Co. Saubere Arbeit, Herr Bsirske!

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