ARCHIV - Zwei Passagierflugzeuge der deutschen Fluggesellschaft Air Berlin stehen am 15.07.2011 auf dem Flughafen in Hamburg (Quelle: dpa/Christian Charisius)

AeroGround fertigt Maschinen ab - Air Berlin wechselt Bodendienstleister am Flughafen Tegel

Die Bodendienstleister an den Berliner Flughäfen sind angesichts des Streiks in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt. Nun wurde bekannt, dass die Fluggesellschaft Air Berlin die Verträge mit einem der Anbieter gekündigt hat – und einen neuen Partner hat.

Mitten im Tarifkonflikt beim Bodenpersonal an den Berliner Flughäfen tauscht Air Berlin den Dienstleister für die Bodenabfertigung aus.

Zur Umstellung auf den Sommerflugplan am kommenden Sonntag (26. März) übernimmt die Münchner AeroGround in Berlin-Tegel die Abfertigung für Air Berlin vom Konkurrenten Wisag, berichtet die "Bild am Sonntag (BamS)" unter Berufung auf Sprecher der beteiligten Unternehmen.

Streit um Mitarbeiter-Übernahmen

Air Berlin hatte den Vertrag mit der Wisag bereits im November 2016 gekündigt. Die Wisag hatte dies ihren Mitarbeitern in einem Schreiben offiziell mitgeteilt. Damals war spekuliert worden, dass die angeschlagene Fluglinie so Druck ausüben wollte, um neue Konditionen auszuhandeln.

Beim jetzt anstehenden Wechsel gibt es aber offenbar noch Streit um den Wechsel von Mitarbeitern zum neuen Dienstleister. Kurz vor dem Wechsel liegen noch keine unterschriebenen Vereinbarungen vor, schreibt die "BamS".

Dem Bericht zufolge geht es insbesondere um ältere Mitarbeiter, die teurere Verträge haben. Wisag hält AeroGround vor, nur junge, billigere Mitarbeiter übernehmen zu wollen. Der Flughafen München als AeroGround-Muttergesellschaft kontert, man werde 250 neue Stellen in Tegel schaffen.

Politik fordert Rücksicht auf Arbeitnehmer

Berlins Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) fordert in dem "BamS"-Artikel, dass der Streit "nicht zulasten der älteren Mitarbeiter" ausgetragen wird.

Die Angestellten der Bodendienstleister waren in der vergangenen Woche in den Streik gegangen, um ihrer Forderung nach einer Lohnerhöhung Nachdruck zu verleihen. Die Gewerkschaft Verdi fordert einen Euro mehr pro Stunde von den Arbeitgebern. Kritisiert wird zudem, dass aufgrund der vielen tätigen Firmen ein großer Konkurrenzdruck herrsche, der zulasten der Mitarbeiter und der Sicherheit gehe.

Kommentar

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Antwort auf [Thomas ] vom 20.03.2017 um 06:50
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11 Kommentare

  1. 11.

    Die Schaffung von 250 neuen Arbeitsplätzen ist absolut unglaubhaft.Seit Jahren versuchen Bodenverkehrs-
    dienstleister in TXL neue Arbeitskräfte zu finden und sind damit kläglich gescheitert. Die WISAG war über
    Jahre nicht in der Lage ausreichendes Personal bereitzustellen was auf Grund der prekären Bezahlung
    Niemanden verwundert hat. Natürlich hat der permanente, gravierende Personalmangel die Servicequalität
    erheblich abgesenkt. Aeroground zahlt nach Flächentarifvertrag und damit nicht einen Cent mehr als die WISAG.
    Aus Sicht der Air Berlin ist ein Anbieterwechsel in der derzeitigen wirtschaftlichen Situation ein großes Risiko
    und gegenüber dem langjährigen Partner WISAG verantwortungslos.Die Air Berlin leidet nicht nur unter den
    Verwerfungen dieser Branche, sie ist ein wesentlicher Teil des Problems.Die Antwort wird STREIK sein !!

  2. 10.

    Ich freu mich auf die Konkurrenz. Was die mit 8 Leuten machen schaffen wir mit 3 . Wo sollen die die Leute hernehmen ? Ab Montag wird es ernst für sie . 250 Leute extra ? Die kriegen ja nicht mal die 200 für das Vorfeld. Viel Spaß euch

  3. 9.

    Es verhält sich jedoch so, das Aeroground shcon letztes Jahr eine Lizenz zur abfertigung auf den Berliner Flughäfen erhalten hat. Zusätzlich hat Air Berlin in München schon sehr gute Erfahrungen mit Aeroground München (AE) gemacht.
    Deshalb hat Air Berlin im letzen Jahr den Veetrag mit WISAG gekündigt und einen neuen mit AE abgeschlossen. Zur Qualitäts sicherung werden auch Kollegen aus München nach Berlin geschickt, um den Standart, der in München Standart ist, in Berlin ein zu führen.

  4. 7.

    Am 16.3 bin ich Mittags von Frankfurt nach Berlin geflogen. Als wir in Berlin gelandet sind, kam eine Durchsage vom Pilot, dass in Tegel kein Personal zur Verfügung steht, welches die Rolltreppe zum Aussteigen holen könnte. So mussten wir 20 Minuten im Flugzeug warten, bis wir endlich aussteigen konnten.

  5. 6.

    250 neue Arbeitsplätze sind ein Witz . Es sind hauptsächlich ehemalige wisag oder Mitarbeiter deren Tochterunternehmen die jetzt gewechselt sind .

  6. 5.

    Auf die Idee, dass es abartig sein könnte, wie die Mitarbeiter von Third-Party-Händlern an den Flughäfen ausgebeutet werden. Ändern könnten es die Fluggesellschaften die für die Bodenabfertigung zahlen, auch die angeschlagene Air Berlin. Aber die wirft ihrem letzen CEO Stefan Pichler lieber noch 1,2 Millionien Euro (jeden Monat 100.000 € bis Dezember 2017) hinterher obwohl der schon seit Januar abgedankt hat. So machen die Airlines Druck auf die Abfertiger und prekäre Arbeitsverhältnisse nehmen zu. Das es gesellschaftlich akzeptiert ist, dass eine Gesellschaftsschicht immer weiter in die Armut abrutscht ist, weil die Unternehmen die Lohnkosten extrem drücken, ist nicht nachvollziehbar,

  7. 4.

    Nur dass die Mitarbeiter der Aeroground München auch zu den Bodenverkehrsdienstleistern zählen und mitgestreikt haben. Somit ist ihre Aussage inhaltlos. Der einzige ersichtliche Grund für mich wäre die Qualität der Abfertigung.

  8. 3.

    bleibt zu hoffen, dass die pleitebedrohte Air Berlin den neuen Dienstleister nicht gleich mit in den Abgrund reist.

  9. 2.

    Air Berlin hat den Vertrag mit der AeroGround bereits letztes Jahr unterzeichnet. Es ist also nicht so, dass AirBerlin nun aufgrund des Streiks "reagiert". Zudem streiken AeroGround Mitarbeiter auch.

  10. 1.

    Wenn sich die Tarifpartner nicht einig werden, ist es nur verständlich dass die angeschlagene Fluggesellschaft reagieren muss. Verdi und Wisag muss klar sein, dass mit den Flugausfällen auch die Arbeitsplätze von Air Berin gefärdet sind. Air Berlin scheint diesen Konflikt geahnt zu haben und hat reagiert.

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