Ein Gateway mit der Aufschrift "WISAG" steht auf dem Rollfeld des Flughafen Tegel (Quelle: imago/Stefan Zeitz)

Hintergrund zum Streik des Bodenpersonals - Wer macht was an den Berliner Flughäfen?

Das Bodenpersonal an den Berliner Flughäfen streikt. Es geht um höhere Löhne, doch eine Einigung mit den Arbeitsgebern ist nicht in Sicht. Doch warum sind die Fronten so verhärtet? Wer beschäftigt eigentlich das Bodenpersonal und wie läuft da das Geschäft? Von Wolfgang Porsche

Wer ist für die Bodenabfertigung der Flugzeuge in Berlin zuständig?

Die Abfertigung der Flugzeuge und der Passagiere an den Berliner Flughäfen wird von verschiedenen Firmen übernommen. Insgesamt sind fünf große Unternehmen am Markt: Wisag, Aeroground, AHS, Swissport und Groundsolution.

Jeder Flughafen in Europa kann die Abfertigung selbst durchführen, muss aber ab einer bestimmten Größe mindestens eine Lizenz an ein fremdes Unternehmen vergeben. Durch dieses Regelung sollen der Wettbewerb gesichert und faire Preise für die Airlines garantiert werden. Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi bieten so gut wie alle Flughäfen in Deutschland (die unter das Gesetz fallen) selbst Bodendienstleistungen an und haben zusätzlich eine weitere Lizenz vergeben.

Die Flughafengesellschaft Berlin bot als erster Flughafen und lange einziger selbst keine Bodendienstleistungen mehr an - bis heute. Seit neuestem ist dies auch in Düsseldorf so; auch hier wurden alle Dienste an Privatunternehmen vergeben.

Zuletzt wurden 2015 neue Lizenzen erteilt. In Tegel wurden zwei, in Schönefeld drei Lizenzen an Unternehmen vergeben, wie ein Sprecher der Flughafengesellschaft bestätigte. In Tegel heißen die Lizenz-Nehmer Wisag und Aeroground, in Schönefeld sind es die Wisag, die Aeroground und die Swissport Berlin. Diese Unternehmen schließen mit den Airlines direkt Verträge über eine Abfertigung. Der Flughafen selbst hat nichts mehr damit zu tun.

Ein Mitarbeiter von Swissport läuft über ein Rollfeld (Quelle: dpa)
Die Swissport Berlin GmbH hat eine Lizenz in Schönefeld

Was genau machen diese Unternehmen bei der Bodenabfertigung?

Die Unternehmen mit einer Lizenz fertigen für die Flugzeuge am Boden die sogenannten beschränkten Dienste ab. Dazu gehören, vereinfacht gesagt, fast alle Dienste rund um das Flugzeug auf dem Rollfeld - also Passagiere befördern, Gepäcktransport, Flugzeuge in die Parkposition lotsen usw. Nach Informationen des Sprechers der Bodendienstleister werden diese Arbeiten auch nur von den Lizenzfirmen durchgeführt. Dem widerspricht Verdi: Hier seien auch Sub- oder Tochterunternehmen tätig, heißt es.

Sogenannte unbeschränkte Dienste können auch von anderen Dienstleistern angeboten werden, die keine Lizenz haben. Dazu gehört beispielsweise der Check-in. Hier werden die Aufträge häufiger an Tochterunternehmen oder Subunternehmen weitergegeben. Dadurch würden der Druck auf die Arbeitsnehmer größer und die Arbeitsbedingungen schlechter, kritisiert Verdi.

Verdi fordert im Tarifstreit eine Lohnerhöhung von einem Euro mehr pro Stunde. Wie könnte sich das auf Ticketpreise auswirken?

Diese Frage ist aufgrund der Vielzahl der Firmen und der unübersichtlichen Vertragsstruktur schwer zu beantworten. Bodendienstleister wie auch die Gewerkschaft gehen davon aus, dass eine Abfertigung am Flughafen ungefähr zehn Prozent des Ticketpreises ausmacht - fünf Prozent für den Startflughafen und fünf Prozent für den Zielflughafen.

Nach Berechnungen der Gewerkschaft würde die Lohnerhöhung unter Berücksichtigung von Steuern und Abgaben etwa einen Euro mehr pro Ticket bedeuten, wenn die Dienstleister die gestiegenen Kosten direkt an die Airlines und diese sie an die Fluggäste weitergeben würden.

Der Sprecher der Bodendienstleister widerspricht der Zahl nicht. Jedoch sieht er es als schwierig an, die höheren Kosten an die Airlines weiterzugeben. Die Fluglinien könnten als Ausgleich günstigere Bedingungen an anderen Flughäfen verlangen, da die Dienstleister an verschiedenen Airports tätig seien. Generell haben die Bodendienstleister bisher nach Angaben des Sprechers nicht mitgeteilt, wieviel eine Lohnerhöhung um einen Euro kosten würde.

Welche Rolle spielen die Billigflieger?

Das Geschäftsmodell der Billigflieger löst einen weiteren Preisdruck auf die Bodendienstleister aus. Wie der Sprecher der Bodendienstleister sagte, reisen viele Passagiere mittlerweile ohne Gepäckstück, weil die Ticketpreise dann billiger seien. Dadurch gebe es für die Dienstleister auch weniger zu tun - und dies wiederum würde zu Einnahmeverlusten führen. Das heißt, eine steigende Zahl an Passagieren führt nach eigenen Angaben der Bodendienstleister nicht eins zu eins zu mehr Einnahmen bei den Dienstleistern.

Welche Rolle spielt die Flughafengesellschaft?

Die Berliner Flughäfen haben ihrerseits ein Interesse an möglichst vielen Starts und Landungen. Diese sind u.a. dadurch zu erreichen, dass es für die Airlines günstig ist, in Berlin zu starten und zu landen. Dass die Strategie aufgeht, zeigt nicht zuletzt die steigende Zahl der Billigflüge von und nach Berlin.

Verdi spricht hier jedoch von Masse statt Klasse, denn durch niedrige Preise leide auch die Qualität. So könne es vorkommen, dass gelandete Flugzeuge eine Viertelstunde auf eine Gangway warten müssten, weil zu wenig Mitarbeiter zu viel zu tun hätten, moniert Verdi. Diese Verzögerung wiederum habe zufolge, dass die Dienstleister Ersatz an die Airlines zahlen müssen - denn je länger ein Flugzeug steht, desto teurer ist es.

Um diesem Teufelskreis entgegenzuwirken, könnte die Flughafengesellschaft ihre Qualitätsvorgaben bei der Vergabe der Lizenzen verschärfen, fordert die Gewerkschaft Verdi. Dadurch wären die Unternehmen gezwungen, ihre Qualität und damit auch die Arbeitsbedingungen zu verbessern.

Als Beispiel nannte das Verdi den Münchner Flughafen, der höhere Anforderungen an seine Bodendienstleister stelle. So habe die Wisag dort keine Lizenz erhalten, weil die Qualitätskriterien nicht erfüllt wurden, erklärte Verdi-Sprecher Enrico Rümker. Der Flughafen bestätigte lediglich, dass die Wisag in München nicht als Bodendienstleister tätig ist.

Beitrag von Wolfgang Porsche

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1 Kommentare

  1. 1.

    Hauptsache, die Konzerner verdienen ordentlich. Dafür ist dieses System gemacht. Die Menschen dahinter, die nicht an den Hebeln der Macht sitzen, die interessieren niemanden. Solche Unternehmen wie WISAG sind Sklavenhalterunternehmen. Wieso soll nicht ein Flughafenunternehmen alle Leistungen selbst erbringen? Dann fühlen sich auch alle als Teil des Ganzen und können Qualität liefern.
    In Berlin wartet man auf seine Koffer nach der Ankunft meistens länger als der Flug gedauert hat.
    Schmeißt die Dienstleister raus und macht es selbst.

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