Ein Germanwings-Airbus startet in Berlin-Tegel (Quelle: imago / Jürgen Heinrich)

Streik des Bodenpersonals ausgesetzt - Flugzeuge in Tegel und Schönefeld heben wieder ab

Seit Mittwochmorgen starten und landen wieder Flugzeuge in Berlin-Tegel und Schönefeld: Der Arbeitskampf des Bodenpersonals ist vorerst beendet. Am Abend will die Gewerkschaft Verdi auf den Schlichtungsvorschlag der Arbeitgeber reagieren.

Nach zwei Tagen Streik hat das Bodenpersonal am Mittwoch die Arbeit an den Flughäfen Berlin-Tegel und Schönefeld wieder aufgenommen. Schrittweise soll sich nun der Flugverkehr wieder normalisieren. Bereits am frühen Morgen sei der Betrieb schnell und reibungslos angelaufen, sagte ein Sprecher der Flughafengesellschaft am Mittwoch dem rbb. Nur vereinzelt habe es Verspätungen gegeben.

In Schönfeld fielen seit dem Morgen keine Flüge mehr wegen des Streiks aus. In Tegel waren zwischen 6 und 7:35 Uhr noch sieben Starts gestrichen, danach funktionierte der Flugverkehr wie gewohnt. Zu Beginn bildeten sich Warteschlangen an Check-in-Schaltern und auf dem Flughafen-Vorplatz, auf dem zahlreiche Reisebusse stehen.  

Bis einschließlich des Wochenendes soll es nun vorerst keine Streiks an den beiden Flughäfen geben. "Wir haben uns zu dieser Streikpause entschlossen, um den Arbeitgebern eine weitere Nachdenkpause zu gewähren", hieß es von der Gewerkschaft Verdi. Nur mit einem verbesserten Angebot durch die Arbeitgeber könne der verschärfte Konflikt beigelegt werden.

Arbeitgeber schlagen Schlichtung vor

Zuvor hatten die Arbeitgeber eine Schlichtung vorgeschlagen. "Wir sehen die Schlichtung als einzige Lösung, für beide Seiten eine vertretbare Lösung zu finden", sagte Tim Alexandrin von Forum der Bodenverkehrsdienstleister rbb|24.

Verdi sieht den Schlichtungsvorschlag skeptisch. "Wenn es nur darum geht, Zeit zu gewinnen und die Streikaktivitäten damit abzuwürgen, wird es schwierig", entgegnete der Verdi-Streikleiter Enrico Rümker im rbb.

Das schriftliche Schlichtungsangebot der Arbeitgeber habe die Bedingung, dass es keine weiteren Streiks gebe, auch eine Verbindlichkeit und eine Zeitschiene fehle, berichtete Verdi-Sprecher Andreas Splanemann auf Anfrage von rbb|24. "Wir werden nicht alle Waffen aus der Hand geben, ohne etwas konkretes dafür zu bekommen. Vermittelnden Gesprächen werden wir uns natürlich nicht verweigern. Aber was nötig ist, ist ein besseres Angebot", sagte Splanemann.

Am Mittwochnachmittag werde die Tarifkommission der bei Verdi organisierten Bodendienst-Beschäftigten über das Schlichtungsangebot beraten, diese Beratungen werden sich voraussichtlich bis in den Abend hinein ziehen.  

Verdi: Auch unangekündigte Streiks möglich

Am Montag und Dienstag waren wegen des Arbeitskampfes fast alle Flüge ausgefallen. Da Verdi den Streik vorher angekündigt hatte, hatten sich allerdings die meisten Fluggäste darauf eingestellt. Teilweise wurden sie auf andere Flughäfen umgeleitet.

Verdi schloss nicht aus, künftig auch ohne vorherige Ankündigung zu streiken. "Wenn Streikbrecher eingesetzt werden, ist es uns nicht mehr möglich, weitere Streiks vor Beginn anzukündigen", warnte Rümker. In Schönefeld hat die Billigfluglinie Ryanair eigenes Personal aus dem Ausland eingeflogen, um seine Maschinen abzufertigen. Auch Easyjet wollte offenbar eingeflogenes Personal einsetzen.  

Einige Streikbrecher trugen laut Verdi Turnschuhe und Jeans, zudem hätten sie keine Sicherheitszulassung für Berliner Flughäfen gehabt und gar nicht auf das Vorfeld gedurft. Letzeres bestreiten Ryanair und der Flughafen. Verdi hatte angekündigt, bei der zuständigen Aufsichtsbehörde Anzeige zu erstatten.

Positionen noch weit auseinander

Hintergrund des Streiks ist der Tarifkonflikt beim Bodenpersonal, das zum Beispiel für den Check-In oder die Gepäckverladung zuständig ist. Verdi fordert innerhalb eines Jahres einen Euro mehr pro Stunde für die rund 2.000 Beschäftigten. Das Bodenpersonal bekommt derzeit etwa elf Euro pro Stunde. Zudem arbeiten viele Beschäftigte nur in Teilzeit und seien auf Zweitjobs angewiesen, um sich über Wasser zu halten, so Verdi.

Die Arbeitgeber boten zuletzt die schrittweise Erhöhung der Löhne um acht Prozent in drei Jahren an. Das Angebot setze bereits sehr hoch oben an. Die Gewerkschaften wiederum verweisen darauf, dass die Airlines die fünf Bodenverkehrsdienstleister gegeneinander ausspielen. Sie seien gefordert, den Unternehmen höhere Preise zu zahlen, dann wäre auch mehr Luft für Gehaltssteigerungen des Bodenpersonals.

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17 Kommentare

  1. 17.

    Es ist volkommen gleichgültig, was ein wissenschaftlicher Mitarbeiter verdient. Wenn ein Arbeitnehmer in Vollzeit so wenig verdient, dass er auf Nebenjobs oder aufstockende Hilfe von den Sozialämtern angewiesen ist, dann läuft etwas schief. Da spielt auch die Qualifikation keine Rolle. Diese Arbeiten müssen auch gemacht werden. Wenn sie keiner mehr ausführen möchte, weil er/ sie damit seinen Unterhalt nicht verdienen kann, werden Sie keine einzige Meile fliegen. Da können Sie in der Stunde 100 EUR verdienen.

  2. 16.

    Bin selber Verdi Mitglied und habe prinzipiell Verständnis. Wenn ich das richtig verfolge geht es neben dem Gehalt eher um Vollbeschäftigung, das heißt natürlich weniger Beschäftigte.

    Da wir Samstag zu Freunden fliegen wollten und Montag zurück, bin ich jetzt selbst in der Situation fliegen oder nicht. Wenn das vielen so geht, werden auch wieder weniger fliegen. Gut für die Umwelt. Auch gut für die Beschäftigten?

  3. 15.

    Ich kann Fabian nur beipflichten. Diese aufgestaute Situation hat sich ja schon über die letzten Jahre aufgebaut. Selbst wenn in Berlin momentan der zweithöchste Lohn im Bereich der Bodenabfertigung gezahlt wird, dann zeigt das auch, wie erbärmlich das gesamte Lohngefüge in Deutschland geworden ist. Also mal ehrlich, 11,- € ist ein Witz und in Verbindung mit einem 120 Stunden Teilzeitvertrag erst recht. Das sind gerade mal 1320,- € brutto. Da hat man ca. 1000,- € netto raus. Eine Frau alleinstehend mit Kind ist da so gut wie "erschossen". Wie soll man da noch einen zweiten Job machen, wenn man auch noch Schicht arbeiten muss. Es ist einfach nur pervers. Leute die studiert haben opfern viel Zeit um dann irgendwann mal eigenes Geld zu verdienen, daher muss das später auch mit mehr Geld honoriert werden. Aber Menschen die das eben nicht machen konnten oder wollten dürfen dafür nicht zur zweiten Klasse degradiert werden. So kann man auch eine Gesellschaft spalten.

  4. 14.

    Das sind doch nur Machtspiele ausgetragen auf dem Rücken derjenigen, die fliegen müssen / wollen. Zum Schluss einigt man sich auf der Mitte. Wie immer. Wetten?

  5. 13.

    Ausserdem geht es auch nicht nur um die Mitarbeiter in der Be- und Entladung, sondern auch um Mitarbeiter im Bereich der Passage, den Rampagenten, der Werkstatt und eben der Enteisung. Ich habe gerade vor dem geistigen Auge, wie Sie sich vor dem Schalter einer solchen Mitarbeiterin echauffieren. Alleine dafür haben die Ladys schon extra Schmerzensgeld verdient, das erleben die nämlich Tag für Tag. Rampagenten, die die Aufsicht über den Abfertigungsvorgang haben sowie Verbindung zwischen allen Schnittstellen sind (Ladegruppe, Cockpit, Check In etc.) bekommen ebenfalls nur einen HUNGERLOHN. Die Enteiser, die jedes Jahr aus Sicherheitsgründen aufs neue geschult werden MÜSSEN, die im Cockpit die Absprache über die Enteisung vornehmen müssen auf Grundlage der vorherrschenden Wettersituation. Ich mag mir nicht vorstellen was passiert, wenn ein Flugzeug in Gefahrenlage kommt Aufgrund mangelner Mitarbeiterqualifikation. Der Flug würde dann nur 10 Sekunden dauern. Auch hier nur HUNGERLOHN.

  6. 12.

    Im Übrigen, was soll das mit dem Vergleich mit dem Studium. Das ist mir herzlich egal. Wer studiert und dem reichen dann 20,- € nicht darf sich gerne organisieren und beim jeweiligen Arbeitgeber für mehr Gehalt kämpfen. Das ich in einer realen Welt lebe zeigt alleine schon die Tatsache, das wir das gerade tun und zwar ganz REAL. Das Wort Ignoranz darf aus Ihren Munde nicht kommen, denn sie sind die Ignoranz in Person wenn sie verkennen das man von den derzeit gezahlten Löhnen zwar überleben kann, aber mehr auch nicht. Das sind Menschen die Familie haben und am gesellschaftlichen Leben teilhaben wollen. Allein der Umstand, das soviele Verbände und die Mitarbeiter der anderen Flughäfen sowie Gewerkschaften auch aus dem Ausland inklusive der Berliner Koalition hinter uns stehen, zeigt mir, das wir uns richtig entschieden haben mit diesem Arbeitskampf. Haben sie den Lufthansa Piloten die gleichen Vorwürfe für ihre Forderungen gemacht ?

  7. 11.

    Danke das sie mich auf meine Orthographiefehler hingewiesen haben, ich werde versuchen mich zu bessern. Abgesehen davon wollten sie mich wahrscheinlich nur persönlich verletzen und damit abwerten, damit kann ich leben. Wenn ich bedenke wieviele Akademiker eine schlechtere Orthographie besitzen als ich, bleibe ich da mal ganz beruhigt. Als erstes, wenn man Maschinen, seien es Fließbänder, Flugzeugtreppen, Highloader oder sogar Einteisungfahrzeuge als einfache Maschinen bezeichnen würde, bräuchte man dafür nicht teilweise eine Woche oder länger für die Schulung und nein, das hat nichts mit dem IQ der Menschen auf dem Flughafen zu tun, da würden sie als Professor Dr. Dr. genauso geschult werden müssen. Also sparen sie sich das von oben herab Getue. Solche Geräte an 80 Millionen Euro teure Flugzeuge heranzuführen bedarf auch besonderer Obacht und Aufmerksamkeit.

  8. 10.

    Es ist ernüchternd zu sehen, dass Orthographie bei der IHK Prüfung offenbar keine Rolle mehr spielt. Aber egal. Ein fahrbares Fließband oder eine Flugzeugtreppe als „komplexe Maschinen“ zu bezeichnen ist schon ein wenig vermessen oder ein klares Zeichen von Ignoranz, und Englisch als Fremdsprache wird in Berlin ab der 3. Klasse unterrichtet. Um Ihre verzerrte Weltanschauung mal etwas gerade zu rücken, ein wissenschaftlicher Mitarbeiter (TöVD E13) bekommt knapp 20€ pro Stunde - nach 4-6 Jahren Studium und ähnlich langer Promotionszeit. Wenn Sie das jetzt mal in Relation zu den Erfordernissen am Flugplatz setzen (Flugzeugabfertiger IHK - 4 Jahre Berufspraxis, Belader - Führerschein Klasse 3, Beherrschen der deutsche Sprache in Wort und Schrift, einwandfreier Leumund), dann wird Ihnen hoffentlich klar, dass ich nicht in einer Parallelwelt lebe, sondern Sie.

  9. 9.

    Entschuldigung, aber Sie müssen aus einer Paralellwelt zu uns sprechen, anders kann ich mir nicht erklären was sie hier von sich geben. Zuallererst einmal sind 11,- € heutzutage ein HUNGERLOHN. Nur weil andere Berufsgruppen genauso wenig verdienen, macht es ihn nicht weniger zu einem HUNGERLOHN. Insbesondere wenn man nur Teilzeitverträge bekommt von 80 - 140 Stunden im Monat. Ich selbst arbeite am Flughafen und bin ausgebildeter Groß- und Außenhandelskaufmann mit IHK Abschluss Note 1. Ja, ich habe mich entschieden diesen Beruf auszuführen weil er eben auch sehr interessant und abwechslungsreich ist. Im übrigen gibt es hier auch den staatlich geprüften Flugzeugabfertiger mit IHK Abschluss, das sehr wohl eine Berufsausbildung darstellt. Was denken sie sich eigentlich so über unseren Berufsstand zu reden. In vielen Bereichen sind umfangfreiche englisch Kenntnisse erforderlich, sowie Erlaubnisse zum Führen komplexer Maschinen, das ist kein Lemmings-Job. Denken sie mal drüber nach.

  10. 8.

    Verkehrte Welt! Seit wann sind 11€/Stunde ein Hungerlohn? Wenn man davon ausgeht, dass die Mehrheit des Bodenpersonals keinen qualifizierten Berufsabschluss hat, dann ist das ein ordentlicher Lohn, um den sie manche Friseure und Verkäufer beneiden. Was denken sich Berufsgewerkschafter wie Herrn Rümker eigentlich? Diese Erpresser nehmen Fluggesellschaften und Passagiere als Geiseln und scheren sich einen Dreck um die Folgen ihres Handelns. In Berlin werden schon jetzt die zweithöchsten Gehälter in dem Bereich gezahlt (nach FRA); bei deutlich geringeren Lebenshaltungskosten in der Hauptstadt. Wem sein Gehalt nicht passt, der soll gehen, aber nicht unschuldige Menschen in Mitleidenschaft ziehen! Hoffentlich bleiben die irischen Leiharbeiter noch länger. Hut ab, Ryanair!

  11. 7.

    Ihre Welt ist nicht die ganze Welt. Ich musste übrigens am Freitag mit dem Auto von Berlin nach Österreich weil mein Flug nicht statt finden konnte...trotzdem halte ich es für berechtigt wenn die Leute aufstehen und nach mehr Lohn verlangen. Also versuchen Sie doch mal ein bißchen offener zu sein, und nicht immer nur an sich selbst zu denken.

    Offenbar geht es Ihnen zu gut !

  12. 6.

    Der Streik ist völlig berechtigt. Die Leute machen eine wichtige Arbeit für einen Hungerlohn. Auch ich bin von dem Streik betroffen, trotzdem ist er berechtigt.

  13. 5.

    Unabhängig davon das die Mitarbeiter an den Flughäfen nicht zum Vergnügen Streiken, fahren Sie doch zu Ostern mit der DB nach Berlin.

  14. 4.

    Wenn etwa 2000 Beschäftigte 1 Euro mehr Lohn pro Arbeitsstunde verlangen, sind das pro Beschäftigtem gut 200 Euro monatlich, für alle zusammen etwa 400 000 Euro monatlich. Im Vergleich zu den Gehalts- und Abfindungsbeträgen, die derzeit in bezug auf die Vorstände und Ressortleiter der Flughafengesellschaft kursieren, eine Kleinigkeit. Allein der kürzlich abgesetzte Technikchef der Flughafengesellschaft sollte noch zwei weitere Jahre eine halbe Millionen Euro beziehen, wenn ich richtig informiert bin und was die anderen verblichenen Vorstände so bekommen (und für was!), wage ich mir gar nicht vorzustellen. Natürlich ist die Flughafengesellschaft nicht der Arbeitgeber der Streikenden, aber es ist doch ein Unternehmen, eine Branche und für mich deshalb vergleichbar.
    Auch vor diesem Hintergrund halte ich es für vollkommen unangemessen den Arbeitnehmern die, wie ich finde, maßvolle Lohnforderung für die überaus verantwortungsvolle Tätigkeit am Flughafen zu verweigern.

  15. 3.

    Und vorbei die Ruhe, ach Leute war das herrlich!

  16. 2.

    Solche unqualifizierten Kommentare können nur Leute abgeben,die ein gutes Gehalt beziehen und um ihre Jobs keine sorgen haben.
    Vielleicht sollten diese Leute mal ein kleines Gehalt beziehen und noch zusätlich einen zweiten Job annehmen und zusätlich zum Jobcenter rennen,damit sie den Monat überstehen.
    Ob sie dann noch so kommentieren würden?

  17. 1.

    Macht doch mal eine Umfrage in der BRD, wieviel Personen für und gegen die Streiks der Gewerkschaften stimmen. Eine kleine Gruppe von Menschen hält die ganze Welt in Atem, welche einen Oster-Urlaub incl. Hotel von und nach Berlin gebucht haben. Ich glaube nicht, dass die Mehrheit des Bodenpersonals diesen Streik überhaupt wollen. Ätzend ist das.

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