Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD, r) unterhält sich am 21.04.2017 während einer Betriebsversammlung von rund 400 Mitarbeitern des Schienenfahrzeugherstellers Bombardier mit dem Betriebsratsvorsitzender Michael Wobst. (Quelle: Robert Roeske / dpa)
Video: rbb UM6 | 21.04.2017

Woidke besucht Bombardier-Werk - 'Zug für Hennigsdorf noch nicht abgefahren'

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) stellt sich auf einen "harten Kampf" für den Erhalt der Arbeitsplätze im Bombardier-Werk in Hennigsdorf (Oberhavel) ein. Bis zu 900 Stellen könnten nach Befürchtungen des Betriebsrats am Standort des Schienenfahrzeugherstellers an der Havel gestrichen werden. Dessen Vorsitzender Michael Wobst befürchtet, dass die Produktion dort komplett geschlossen und ins sächsische Bautzen verlagert wird.

Er wolle alle Hebel in Bewegung setzen, damit das Werk in Henningsdorf erhalten bleibe, sagte der Regierungschef am Rande einer Betriebsversammlung am Freitag. Rund 400 Mitarbeiter nahmen daran teil. "Der Zug für Hennigsdorf ist noch längst nicht abgefahren", betonte Woidke. Notfalls stelle das Land für Bombardier auch Fördergelder bereit. Bedingung sei, dass die Produktion in Hennigsdorf bleibe.

Ende April soll Konzept diskutiert werden

Die Zugsparte des kanadischen Flugzeug- und Bahnkonzerns hatte angekündigt, weltweit 5.000 Arbeitsplätze zu streichen. Wie Deutschland-Chef Michael Fohrer Anfang Februar in einem Zeitungs-Interview ankündigte, soll am Standort Hennigsdorf die Serienfertigung von Zügen eingestellt werden. Das Management will seine Pläne im Juli offenlegen. Am 26. April soll das Konzept der Unternehmensleitung mit dem Gesamtbetriebsrat diskutiert werden.

Zwar soll der Standort als Kompetenzzentrum für die Entwicklung von S- und U-Bahnen sowie Regional- und Fernzügen ausgebaut werden. Laut IG Metall wären durch die Einstellung der Serienfertigung trotzdem 500 bis 800 Arbeitsplätze gefährdet. Insgesamt arbeiten am Standort Hennigsdorf 2.400 Menschen.  

Zuletzt war auch von einer Fusion der Zugsparten von Siemens und Bombardier die Rede. Dies wurde aber von keiner Seite bestätigt.

Lob für Woidkes Besuch

Ministerpräsident Woidke bezeichnete das aktuelle Konzept des Unternehmens als "noch nicht überzeugend". Er hoffe, dass es dringend überarbeitet werde.  

Nach den Worten des Betriebsratsvorsitzenden Michael Wobst ist Woidkes Besuch "gut angekommen". Es sei "wichtig, dass deutlich gemacht worden ist - auch von Seiten der Brandenburgischen Landesregierung -, wie wichtig auch die Industriearbeitsplätze hier am Standort Henningsdorf sind." Allerdings wollten die Mitarbeiter endlich Klarheit über ihre Zukunft.

Bürgermeister: "Tradition nicht einfach wegfegen"

Henningsdorfs Bürgermeister Andreas Schulz (SPD) fordert vom Unternehmen Kontinuität: "Ich hoffe nicht, dass eine hundertjährige Tradition in Hennigsdorf einfach so hier vom Tisch weggefegt wird", erklärte er. Das wäre mehr als fahrlässig. Die Leidtragenden seien in einem solchen Fall die Mitarbeiter im Unternehmen und die Stadt mit allen wirtschaftlichen Verflechtungen.

Bombardier beschäftigt in Hennigsdorf aktuell 2.300 Mitarbeiter. Deutschlandweit sind es mit den Standorten in Görlitz, Bautzen, Kassel, Mannheim, Braunschweig und Siegen rund 8.500.

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2 Kommentare

  1. 2.

    Man lese und staune. Plötzlich ist auch den Traditionsfeinden von der SPD eine hundertjährige Tradition und Kontinuität wichtig. Normalerweise ist alles was mit Tradition zu tun hat für die Rotfront aus SPD/Grünen/Linken übles Teufelszeug. Respekt, doch noch lernfähig.

  2. 1.

    Es geht um viel mehr als einen Betrieb, es betrifft eine ganze Industrie international.
    http://www.wsws.org/de/articles/2017/04/19/bomb-a19.html

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