Symbolbild - Durch das Fenster eines Buses sieht man ein Fugzeug der Air Berlin auf einem Rollfeld (Quelle: imago/Lichtgut)

Umbau der Fluglinie - Arbeitnehmer beklagen chaotische Zustände bei Air Berlin

Zu wenig Personal, chaotische Organisation, überforderte Verwaltung: Mit einem offenen Brief machen sich Air Berlin-Mitarbeiter derzeit Luft. Sie kritisieren "blinden Aktionismus" des Vorstands beim Umbau der Fluglinie. Air Berlin hingegen spricht von Einzelfällen.

 

Der Umbau der angeschlagenen Fluglinie Air Berlin führt nach Arbeitnehmerangaben zu chaotischen Verhältnissen für die Mitarbeiter.

"Täglich werden wir mit neuen, chaotischen Situationen und Entwicklungen konfrontiert", heißt es in einem offenen Brief der Personalvertretung Kabine. "Immer weniger Mitarbeiter müssen immer mehr fliegendes Personal planen und betreuen. Fehler und Krankheit sind die Folgen", steht in dem Schreiben, das rbb|24 vorliegt. Die Unterstützung für die Flugbegleiter sei an "einem absoluten Tiefpunkt" angelangt.  

Hintergrund ist, dass Air Berlin Verwaltungsstellen von Düsseldorf nach Berlin verlegt. Da kompetente Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz nicht in die Bundeshauptstadt verlegen könnten und wollten, bestehe in Berlin derzeit ein "erheblicher Mangel", sagte die zuständige Verhandlungsführerin Anja Schlosser bei der Gewerkschaft Verdi dem rbb. "Dies hat auch Auswirkungen auf die Tätigkeiten der Flugbetreiber."

Vorwurf: blinder Aktionismus

In ihrem Brief vom 10. April werfen die Beschäftigten dem Vorstand um den neuen Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann vor, aus "blindem Aktionismus" zu handeln. Dienstpläne würden verspätet vorgelegt. Die Vorgaben überschritten die Belastungsgrenze der Mitarbeiter. Zudem seien Überstunden für Teilzeit-Beschäftigte zu spät ausbezahlt worden. Die Beschäftigten kritisieren auch die Probleme bei der Gepäckabfertigung, wie sie seit Wochen am Berliner Flughafen Tegel herrschen.

Es verließen bereits Mitarbeiter das Unternehmen, sagte der Chef der Flugbegleitergewerkschaft UFO, Nicoley Baublies, dem rbb. "Air Berlin stellt nach wie vor ein, obwohl man schrumpft. Das ist ein Zeichen dafür, dass viele in dieser Unsicherheit sagen: Dann gehe ich lieber rechtzeitig", sagt Baublies mit Blick auf die derzeitige Situation im Unternehmen.

Vorstand weist auf Verbesserungen hin

Air-Berlin-Sprecher Ralf Kunkel sprach in Bezug auf die Kritik der Personalvertretung Kabine von Einzelfällen. Den Vorwurf verspäteter Zahlungen wies Air Berlin als falsch zurück. Die zuständigen Kollegen täten ihr Bestes, "damit der Umzug nach Berlin so reibungsarm wie möglich über die Bühne geht", so der Sprecher. Vom Umzug von Düsseldorf nach Berlin sind nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur rund 40 Mitarbeiter betroffen.

Als Reaktion auf den offenen Brief bot der Air-Berlin-Vorstand ein Gespräch an. "In diesem Termin möchten wir Ihnen gern noch einmal die Hintergründe erläutern, die aktuell zu den von Ihnen dargestellten Themen führen", heißt es in dem von Oliver Iffert und Martina Niemann unterzeichneten Schreiben vom 11. April. Darin weisen sie etwa auch auf "deutliche Fortschritte" hin, die beim Umbau der für die Flugbegleiter zuständigen Bereiche bereits erreicht worden sei.

Sendung: Abendschau, 20.04.2017, 19.30 Uhr

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1 Kommentare

  1. 1.

    airberlin hätte nicht die guten langjährigen, wenn auch teuren, Mitarbeiter entlassen sollen. Mit den sehr hohen Abfindungen hat airberlin den Topmitarbeitern den Start in eine bessere Zukunft ermöglicht. Nicht so gut ausgebildete Mitarbeiter machen einfach krank und sind froh, dass der Lohn (noch) pünktlich kommt. Solange wie im FAP noch hohe Abfindungen gezahlt werden und alle Mitarbeiter Freiflüge bekommen wird sich nix ändern. Es gibt für die Kunden ja gute preiswertere Alternativen. Die Auszahlungen der zustehenden Entschädigungen klappt inzwischen bei airberlinn, wenn auch über Anwalt.

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