Eine Mitarbeiterin bei Boryszew kontrolliert am 19.04.2017 in Prenzlau gefertigte Teile (Quelle: dpa/Bernd Settnik)
Video: Brandenburg aktuell | 19.04.2017

Nach Brand im April 2015 - Boryszew startet neu mit der Produktion in Prenzlau

Drei Viertel der Produktionshallen waren bei einem Brand zerstört worden. Nur zwei Jahre später hat der polnische Autoteile-Hersteller Boryszew sein Prenzlauer Werk wieder aufgebaut. Das Unternehmen wollte unbedingt am Standort in der Uckermark festhalten.  

Zwei Jahre nach dem Brand im Prenzlauer Werk des polnischen Automobilzulieferers Boryszew ist die Produktion probeweise wieder angelaufen. "Wir schauen, ob alle Teile in der von der Autoindustrie geforderten Qualität sind", sagte Boryszew-Chef Jaroslaw Michniuk am Mittwoch. Wenn Abnehmer wie der VW-Konzern grünes Licht geben, starte in Kürze die Serienproduktion, unterstrich der Vorstandsvorsitzende.

In Prenzlau werden verchromte Spritzgussteile wie Türgriffe oder Zierleisten für Autohersteller gefertigt. Die Auftragslage sei gut, so Michniuk, auch weil Audi, VW und Toyota den Polen in ihrer Notlage die "Stange gehalten" hätten.

Feuerwehrleute löschen am 13.04.2015 eine Lagerhalle in Prenzlau (Quelle: dpa/Heiko Schulze/Uckermark Kurier)
Feuerwehrleute löschen den Brand bei Boryszew im April 2015

Verheerender Brand im April 2015

Ein Feuer hatte im April 2015 große Teile der Produktionsstätte zerstört. Mehr als 21 Millionen Euro wurden danach laut Unternehmen in den Wiederaufbau investiert, 4,2 Millionen Euro davon kamen vom Land Brandenburg.

350 Mitarbeiter stehen jetzt bei Boryszew in Lohn und Brot, 60 mehr als vor zwei Jahren. Boryszew hielt nach eigenen Angaben auch wegen der gut ausgebildeten Fachkräfte am Standort in der strukturschwachen Uckermark fest.

"Wir hatten nach dem Feuer 2015 nur einen sehr schmalen Zeitkorridor, um wieder in die Produktion in Prenzlau einsteigen zu können", betonte Standortleiter Lutz Suhrbier. Wegen des gut ausgebildeten Personals sei in der Warschauer Boryszew-Zentrale schnell entschieden worden, den uckermärkischen Standort wiederaufzubauen. "Solche Fachkräfte wie hier sind handverlesen. Deshalb war das Ja zu Prenzlau nicht schwer", fügte Suhrbier hinzu.

Minister Gerber: Lichtblick für die Region

Produktionsleiter Matthias Knyrim erläuterte am Mittwoch: "Wir galvanisieren Plastikteile, überziehen sie mit einer Chromschicht. Das kann vor allem in der Stückzahl und in der Qualität nicht jeder." Daher sei auf "Biegen und Brechen" die Produktion aufrechterhalten worden. In einem nicht abgebrannten Betriebsteil lief die Fertigung in beschränktem Maße weiter. Zudem wurde die Herstellung an andere Standorte wie nach Herford (Nordrhein-Westfalen) verlagert.

Prenzlaus Bürgermeister Hendrik Sommer (parteilos) kommentierte den Neustart am Mittwoch, ihm sei "ein Stein vom Herzen gefallen". Boryszew ist der größte Gewerbesteuerzahler in Prenzlau. Es sei, so Sommer, "Wahnsinn, dass in unter zwei Jahren die 16.000 Quadratmeter Halle mit alle den notwendigen Genehmigungen entstanden ist. Da haben wirklich alle an einem Strang gezogen."

Für Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) ist das Bekenntnis von Boryszew zur Uckermark ein echter Lichtblick. Mit dem insolventen Eberswalder Bahnwerk und dem von der Schließung bedrohten Tramper Werk des Windkraftanlagen-Herstellers Senvion habe er in der Region genügend Gegenbeispiele.

In diesem Jahr will Boryszew in Prenzlau einen Umsatz von 34 Millionen Euro erwirtschaften. Pro Monat sollen eine Million fertige Teile das Werk verlassen. Deutschlandweit beschäftigt die polnische Firma 2.500 Mitarbeiter. Im Heimatland sind es mehr als 5.000. Dort sei Boryszew neben der Autoindustrie auch im Metallsektor aktiv.

Prenzlauer Produktionshalle brennt komplett ab

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