Ein Fensterputzer hängt an einem Seil vor einer großen Glasfassade (Quelle: imago/Jochen Tack)
Video: Abendschau | 20.04.2017

Mit Klagen vor Gericht erfolgreich - Ein Gebäudereiniger wehrt sich gegen Tricks der Arbeitgeber

Sie putzen im Akkord und haben am Monatsende dennoch nur rund 1.200 Euro in der Tasche. Das ist für viele Gebäudereiniger Realität, denn mit zahlreichen Tricks unterwandern viele Arbeitgeber den Branchentariflohn. Doch es gibt einen, der sich wehrt. Von Gela Braun

Andreas Döhnerts Prozessakten umfassen inzwischen mehrere Ordner. Der Gebäudereiniger wehrt sich – wie kein anderer - gegen die Ausbeutung in seiner Branche. Unzählige Male schon zog er vors Arbeitsgericht und gewann bisher jeden Prozess. "Ich klage, um meinen gerechten Lohn zu erhalten", sagt Döhnert. "Innerhalb dieser vielen Jahre, das sind jetzt zwölf bis 13 Jahre, konnte ich mir eine Lohndifferenz von 42.000 Euro erstreiten."

Der Gebäudereiniger Andreas Döhnert steht in einem Treppenhaus (Quelle: rbb-Fernsehen/abendschau)
Andreas Döhnert hat bisher vorm Arbeitsgericht jeden Prozess gewonnen

Bis vor kurzem hat er in einer Wilmersdorfer Schule geputzt. Im vergangenen Sommer erhielt eine neue Firma den Zuschlag der öffentlichen Ausschreibung. Danach verschlechterten sich für die Gebäudereiniger die Arbeitsbedingungen immens: Unbezahlter Urlaub in den Sommerferien, weniger Personal für die gleiche Arbeit, Überstunden, die nicht immer bezahlt wurden. Döhnert wollte das nicht hinnehmen. "Dann habe ich meine finanziellen Forderungen geltend gemacht, habe noch mal einmal eine E-Mail geschickt, um Verbesserungen eintreten zu lassen." Daraufhin habe er einen Tag später seine Kündigung erhalten. "Alles andere muss ich wieder auf dem gerichtlichen Wege durchsetzen."

Viele schwarze Schafe in der Branche

Im Mai ist der Termin vor dem Arbeitsgericht. Bis dahin hält sich der 59-Jährige mit seinem Minijob über Wasser. Seit zwei Jahren putzt er in einem Kreuzberger Mietshaus die Treppenaufgänge – für eine Reinigungsfirma aus Werder, eine der wenigen in der Branche, die korrekt zahlt, wie er meint. "Dafür habe ich lange gesucht, und ich bin sehr zufrieden, weil die Arbeitsbedingungen, die Arbeitszeiten, die Lohnabrechnungen, das gesamte Paket einfach stimmt."

Döhnert kennt inzwischen fast alle schwarzen Schafe in der Branche. Für eine Firma hat er Büros gereinigt. Pro Schicht musste er mehrere Arbeitsstellen anfahren, jede zweite Woche sogar nachts putzen. Gezahlt wurden weder Wegezeiten noch Nachtzuschläge. Der Gipfel der Frechheit sei allerdings gewesen, dass pro Monat noch sieben Prozent pauschal abgezogen wurden. "Daraufhin habe ich wieder die juristische Geltendmachung vorangetrieben und habe dann nach fünf Monaten noch mal circa 2.500 Euro nachgezahlt bekommen", berichtet er.

Firma musste Gehalt für eineinhalb Jahre nachzahlen

Bei einer anderen Firma wies sein offizielles Arbeitszeitkonto nach sieben Monaten 70 Minusstunden auf; laut eigener Stundennachweise hatte er jedoch 176 Überstunden gemacht. Die Firma musste am Ende nicht nur die Mehrarbeit, sondern auch das Gehalt für eineinhalb Jahre nachzahlen, weil der Richter alle vorangegangenen Kündigungen für unwirksam erklärte. "Letztendlich musste der Arbeitgeber knapp 18.000 Euro nachzahlen. Das ist für mich eine absolute Genugtuung, weil ich für den gesamten Zeitraum ordnungsgemäß den Lohn nachgezahlt bekommen habe", so Döhnert. Der Arbeitgeber praktiziere diesen Lohn- und Sozialversicherungsbetrug seit vielen Jahren - und auch heute noch.

Deshalb wird Andreas Döhnert auch in Zukunft nicht klein beigeben und vors Arbeitsgericht ziehen, wann immer es nötig ist.

Beitrag von Gela Braun, Abendschau

Kommentar

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11 Kommentare

  1. 11.

    Allerdings,solche Themen sollten viel öfter auf der Tagesordnung stehen,da sehr viele Deutsche direkt und indirekt davon betroffen sind. Stattdessen stehen monatelang Themen wie die Türkei,Trump,Syrien und Flüchtlinge auf der Agenda. Man muss sich zur Bestätigung nur die Themen der bekanntesten wöchentlichen Talkshows anschauen.

    Warum das so ist,ist eine gute Frage. Ich vermute mal die Öffentlichkeit soll nicht so sehr mit echten,drängenden Problemen konfrontiert werden. Nicht dass nachher der Unmut der Bevölkerung noch in die richtige Richtung gelenkt wird. Dann doch lieber gegen Flüchtlinge..

  2. 10.

    Toller Beitrag!
    Einzig die Nennung der Firmen, welche für die Missstände verantwortlich sind, wäre hilfreich und auch gerecht gewesen.
    Danke!

  3. 9.

    Bin beeindruckt, ein wirklich mutiger Mensch, der Herr Döhnert und danke an die Autorin für diesen Beitrag.

  4. 8.

    Dies ist nur eine Branche von vielen wo skrupellos versucht wird permanent einen bescheidenen Lohn noch zu drücken. Diese Lohndrückerei ist weit verbreitet. Besonders in der Reinigungsbranche, im Hotelgewerbe und im Bauhandwerk sowie in der Sicherheitsbranche.
    Respekt vor diesem Herren - weiter so!
    Bitte bringen sie unbedingt immer wieder solche Berichte.
    Die Lohndrückerei schmälert nicht nur den Lebensstandart der ausgebeuteten Personen, sie schmälert auch die Sozialkassen und trägt so zur massenhaften Altersarmut bei.
    Die Deutschen müssen auch endlich lernen den Wert von Reinigungskräften, Pflegepersonal und Servicekräften mehr zu schätzen. Von Mo. - So. sind sie 24 Stunden für uns im Einsatz

  5. 7.

    Diese Serie kann im Prinzip jede Woche mit einem Beitrag fortgesetzt werden, mit freundlichen Grüßen an das Bundesarbeitsministerium. Die werden zwar alle Verantwortlichkeit abweisen, aber letztlich ist es schon die Drangsalierung der Jobcenter, welche einen modernen Sklavenarbeitsmarkt ermöglicht. Das neue Leiharbeitsgesetz ist auch nicht das Papier wert bzw. geht an der Realität vorbei.

  6. 6.

    Ich kann mich nur den Vorkommentaren anschließen.
    Warum nennt man nicht Roß und Reiter. Somit können doch diese Firmen ungestraft weiter machen.

  7. 5.

    ich waere im prinzip auch dafuer, jene unternehmen mit namen zu nennen, die so ruecksichtlos auf dem ruecken hart arbeitender menschen profite machen wollen.
    ich waere aber noch viel mehr dafuer, jene firma aus werder mit namen zu nennen, die in diesem markt der betrueger und abzocker noch ehrenhaft und fair arbeitet!
    und dann wuerde mich freuen, wenn im naechsten derartigen reoprt erwaehnt wird, dass es jobcenter sind, die arbeitslose in genau jene ausbeuterbetriebe zwangsvermitteln, natuerlich unter androhung von sanktionen.

  8. 4.

    Hallo Andreas,
    wir leiten Ihre Anfrage gern an die Autorin des Beitrags Gela Braun von der Abendschau weiter. Sie hat sich bewusst und sicherlich in Absprache mit Andreas Döhnert dazu entschieden, die Namen der Firmen nicht zu nennen. Wahrscheinlich wird Frau Braun an dieser Entscheidung festhalten. Wir informieren sie aber gern über Ihr Kommentar.

    Viele Grüße aus der Online-Redaktion

  9. 3.

    Sehr geehrtes rbb Team,
    sie informieren hier über mehrere Fälle, die gerichtsseitig beschlossen wurden.

    Leider nennen sie aber nur den Kläger und nicht den zu Recht verurteilten beglagten. Bitte ändern Sie den Beitrag dahingehend, dass die Verurteilten, in dem Fall die rechtswidrig handelnden Firmen, beim Namen genannt werden.

    Sie sind eine öffentlich rechtliche Einrichtung und erhalten unsere Beiträge für die Erbringung von vollständigen, nicht irreführenden Informationen. Halbe Informationen helfen leider nicht die hier angedeutete Misere zu beheben und haben nebenbei auch nichts mit Journalismus zu tun. Da die Fälle vor Gericht verhandelt und entschieden wurden, ist es durchaus richtig Namen zu nennen und hat nichts mit Rufmord zu tun. Sehr wohl sollten Sie natürlich benennen, welche Firma den verursachten Schaden beglichen, also wieder gut gemacht hat.

  10. 2.

    Hätten sie auch die Firma mit Namen benannt ? Was für Konsequenzen sind zu befürchten ? Denken sie mal darüber nach.

  11. 1.

    Habe den Bericht in der Abendschau gesehen. An seiner Stelle hätte ich die besagten Firmen beim Namen genannt !

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