Blick auf modernisierte Altbauten in Berlin-Mitte (Quelle: dpa/Bernd von Jutrczenka)
Video: Abendschau | 19.05.2017

Berliner Mietspiegel 2017 - Altbaumieten in der Hauptstadt steigen fast ungebremst

In Berlin zu wohnen ist wieder deutlich teurer geworden. Der neue Mietspiegel zeigt: Vor allem die Mieter von Altbauwohnungen legen im Vergleich zu 2015 drauf. Beschleunigt wurde der Anstieg wohl ausgerechnet durch das Instrument, das die Entwicklung verhindern sollte.

Die Mieten in Berlin sind in den vergangenen zwei Jahren massiv angestiegen. Das geht aus dem aktuellen Mietspiegel 2017 hervor, den die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen am Freitag vorstellte. Danach kletterte die durchschnittliche Nettokaltmiete, bezogen auf ganz Berlin, von 5,84 Euro auf genau 6,39 Euro.  

Berlins Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Die Linke) sieht dies als Beleg für die weiterhin hohe Attraktivität der Stadt, aber auch der "derzeit begrenzten Möglichkeiten der Mietpreisregulierung", wie sie bei der Vorstellung des Berichts sagte.

Nach oben gezogen wurde der Durchschnittwert vor allem durch die wieder in Gang gekommenen Neubauaktivitäten. Die in den vergangenen Jahren fertiggestellten Wohnungen kamen fast alle mit Mieten um die 10 Euro auf den Markt. Aber auch die Altbauten schlugen deutlich zu Buche.

Die durchschnittliche Netto-Kaltmiete pro Quadratmeter vor allem in den Gründerzeit-Bauten, die bis 1918 bezugsfertig waren, ist deutlich teurer geworden. In sogenannter einfacher Wohnlage ist die Miete hier um durchschnittlich 9,3 Prozent gestiegen. Während der Quadratmeter hier 2015 noch für 5,86 Euro vermietet wurde, zahlen Mieter in diesen Altbauten mittlerweile 6,42 Euro.

Noch einmal 5 Prozent Mietanstieg

Vor allem kleine Wohnungen bis 40 Quadratmeter dieses Segments sind teurer geworden: um durchschnittlich fast 15 Prozent. Aber auch Wohnungen aus den Jahren 1965 bis 1972 in dieser Wohnlage haben preislich deutlich angezogen. Der Anstieg betrug 10,4 Prozent. Zur einfachen Wohnlage zählen nach dem Berliner Mietspiegel weite Teile der Bezirke Neukölln, Friedrichshain-Kreuzberg, Marzahn-Hellersdorf, Reinickendorf und Spandau (siehe PDF-Datei in der Infobox). Nimmt man alle einbezogenen Mietwohnungen diesen Gegenden, ist die Netto-Kaltmiete um 5,6 Prozent gegenüber dem Jahr 2015 gestiegen.

Allerdings gibt es auch Mieten, die gesunken sind: Besonders kleine Wohnngen (bis 40 Quadratmeter) in einfacher Wohnlage sind etwas preiswerter, bewegen sich aber mit 6,45 Euro pro Quadratmeter weiterhin auf vergleichweise hohem Niveau. Bei großen Neubauwohnungen in einfacher Lage gibt ebenfalls eine leichten Rückgang. Nach wie vor zahlt man aber für große Wohnungen, die zwischen 2003 und 2015 fertiggestellt wurden, 10,70 Euro pro Quadratmeter. 

In mittlerer Wohnlage sind es ebenfalls die Altbauten bis 1918, die massiv im Preis gestiegen sind. Vor allem große Wohnungen ab 90 Quadratmeter haben sich verteuert. Die Miete beträgt hier in diesem Jahr durchschnittlich 16,4 Prozent mehr. Übertroffen wird dieser Wert in selber Wohnlage nur noch von den Mieten im Neubau. Wohnungen, die von 2003 bis 2013 bezugsfertig wurden, sind sogar um 17,3 Prozent gestiegen. Insgesamt – vom Altbau bis zum Neubau – zahlen Mieter in mittlerer Wohnlage nun gut 8 Prozent mehr.

In ganz Berlin ist die Miete in den vergangenen zwei Jahren im Schnitt um 7,7 Prozent gestiegen. Der Mietenanstieg ist somit fast dreimal so hoch wie in der vergangenen Periode: von 2013 bis 2015 waren die Mieten laut Mietspiegel um 2,7 Prozent gestiegen.

In der folgenden Grafik sind jeweils die Werte von 2015 und 2017 untereinander aufgelistet. 

Mietspiegel von 2015 und 2017 im Vergleich

Mieterverein: Schuld ist die Mietpreisbremse

Experten führen den erneuten Anstieg vor allem darauf zurück, dass viele Hauseigentümer vor der Einführung der Mietpreisbremse Mitte 2015 noch einmal kräftig die Mieten erhöht haben.

Bereits vor Veröffentlichung am Freitag sagte der Berliner Mieterverein im rbb, es sei keine Überraschung, dass der neue Mietspiegel einen massiven Anstieg der Mieten dokumentiere.

Die Ursachen lägen in den stark gestiegenen Mieten bei Wiedervermietungen, so der Geschäftsführer Reiner Wild vorab. Denn auch nach der Einführung der Mietpreisbremse wurden Mieten oftmals deutlich stärker erhöht als erlaubt. In den Mietspiegel gingen deshalb auch Miethöhen ein, die rechtlich gar nicht zulässig seien. "Die Mietpreisbremse wirkt leider gar nicht", so Wild.

Für Mieter ist es sehr schwierig in Erfahrung zu bringen, wieviel Miete der Vormieter gezahlt hat - das wäre eine Grundvoraussetzung um zu prüfen, ob die Erhöhung laut Mietpreisbremse zulässig ist. Laut Mieterverein sind außerdem zu wenige Mieter bereit, sich auf einen Rechtstreit mit dem Vermieter einzulassen.

Der Verein kritisiert aber vor allem, dass der Vermieter keine Konsequenzen zu fürchten habe, wenn die Mietpreisbremse ignoriert werde. Der Verein schlägt beispielsweise Buß- und Ordnungsgelder vor, um Vermieter stärker in die Pflicht zu nehmen. 

Anstieg der Miete in Prozent

Politik sieht Ursachen im Wohnungsmangel

Stefan Förster, Sprecher für Bauen und Wohnen der FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus von Berlin, sieht die Ursache für den Mietanstieg dagegen im Wohnungsmangel, weswegen nur Bauen helfe: "Solange Frau Lompscher die privaten Investoren in dieser Stadt weiter mit überzogenen Auflagen vergrault, werden diese Probleme bestehen bleiben." Die FDP fordert daher einen "Mieten-TÜV", um bei neuen Vorschriften die Auswirkungen auf die Baukosten zu prüfen.

Die baupolitische Sprecherin der SPD, Iris Spranger, dagegen, hofft darauf, dass sich der geplante Neubau von rund 30.000 Wohnungen "mietpreisdämpfend" auswirken wird. Neubau hätte daher "absolute Priorität", sagte Spranger dem rbb.

Der Mietspiegel wird alle zwei Jahre von der Senatsverwaltung herausgegeben und weist die ortsübliche Netto-Kaltmiete pro Quadratmeter im Vergleich aus.

Faktencheck Mieterschutzmaßnahmen in Berlin

  • Mietpreisbremse

  • Mietenbündnis

  • Gesetz über den Sozialen Wohnungsbau Berlin

  • Milieuschutz

  • Umwandlungsverordnung

  • Zweckentfremdungsverbot

Kommentar

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19 Kommentare

  1. 19.

    Als privater Vermieter eines denkmalgeschützen Hauses in Kreuzberg mit 14 Mietparteien gehöre ich nach Ansicht von RRG zu der Gruppe von Bürgern zweiter Klasse die bestenfalls geteert und gefedert aus der Stadt vertrieben werden sollten.
    Als Senat hätte ich mich bereits bei Veröffentlichung der vorangegangenen Mietspiegel und Nennung des Begriffs „wissenschaftlich“ in Grund und Boden geschämt. Ein Senat mit Eiern würde sich den Quatsch sparen und per Dekret die Miete festlegen. Dann würde ersichtlich sein, wohin die Reise geht : Aushebelung des Prinzips Angebot und Nachfrage, Enteignung (vgl. Holm), Kommunale Wohnungsverwaltung unter Senatskontrolle….. DDR 2.0.
    Der Mietspiegel 2017 führt zu keiner Erhöhung der Mieten. Man hat zwar den Mittelwert erhöht , jedoch die wohnwerterhöhenden und mindernden Faktoren so gestaltet, das wie in meinem Fall fast bis auf den Euro die vorhergehende Miete bestätigt wird.

  2. 18.

    Wieder mal ein Erfolg für die Mieten-Hysterie und eine peinliche Leistung der Medien, die wahren Tatsachen allenfalls als Randnotiz zu erwähnen: Die angeblich ach so hohe Steigerung ist in Wahrheit fast vollständig auf das Streichen der Sondermerkmale zurückzuführen. Bisher wurden für bestimmte Dinge Zuschläge zur Tabellenmiete gewährt (z.B. Parkett, modernes Bad, Isolierfenster). Zum Teil in erheblicher Höhe (z.B. alleine für Parkett im Altbau rund 50 Cent/qm = knapp 10% der Durchschnittsmieten). Das ist jetzt KOMPLETT weggefallen. Für manche sanierte Altbauwohnung mit modernem Bad, Parkett und Isolierfenstern weist der neue Mietspiegel eine NIEDRIGERE Miete aus als der alte. Gleichzeitig wurden die Merkmale neu sortiert, so dass es auch für Top Wohnungen kaum möglich ist,überall positive Merkmaksgruppen zu haben -z.B. Entfernen Merkmal "gepflegter, sichtgeschützter Müllplatz" aus "Wohnumfeld". Tatsächlich wurde der Mietspiegel also wieder als politisches Kampfinstrument missbraucht.

  3. 17.

    Der neue Mietspiegel zeigt mal wieder , die Politk ist machtlos oder anders formuliert, sie kann und will nicht
    auf Mietwucherei verzichten, schließlich verdient die Stadt ja mit.
    Das Niveau der Mietkosten ist leider wesentlich Höher als das Vertrauen in die Politik und auch im Wahljahr 2017
    ändert sich daran nichts , beides ist total überzogen ,die Mietkosten sowie die Wahlversprechen.
    Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis , Ausnahme natürlich die Lohnkosten die bleiben trotz Nachfrage
    auf dem geringsten Niveau.

  4. 16.

    Sorry Leute, aber wie soll man das noch leisten, mein Gehalt steigt nicht jedes Jahr um 10%.

    z.B. ich habe letzten Monat erfahren, dass meine Mietwohnung von einer Privatperson in Bayern aufgekauft wurde, die mich im aller ersten Schreiben mit Kündigung bedroht haben. Die schon damals überteuerte Miete von 2015 war wohl schon wieder viel zu niedrig :-(

  5. 14.

    Halte als Vermieter meine Miete schon seit 5 Jahren konstant bei 7 Euro. Sind ja nicht alle Vermieter Spekulanten und Ausbeuter.

  6. 13.

    Wie ist es möglich das kleine Wohnungen unter 40 m² mit "Ausstattung 1: ohne SH, ohne Bad, mit IWC" teurer sind als Wohnungen mit "Ausstattung 2: mit SH oder Bad, mit IWC"?

  7. 12.

    Im Gegenzug gibt es aber auch überproportionale Steigerungen bei den Gutverdienern. Auch das gehört zur Wahrheit. Sonst ließen sich die Mietsteigerungen auch nicht durchsetzen. Aber dieser "Mittelstand" kommt in den Berliner Medien nie vor...

  8. 11.

    Alles gut und schön aber sehen Sie auch mal auf den Durchschnitt Verdienst in andern deutschen Städten und die in Berlin an.
    Da sind bei gleichem Beruf ,ganz schöne Unterschiede angesagt!

  9. 10.

    Alles gut und schön aber sehen Sie auch mal auf den Durchschnitt Verdienst in andern deutschen Städten und die in Berlin an.
    Da sind bei gleichem Beruf ,ganz schöne Unterschiede angesagt!

  10. 9.

    Ja, so ist das wohl wenn sich, vorallem in Berlin, die Politik mal wieder in die Wirtschaft einmischt. Auch private Hausherren können nicht dauerhaft am Markt vorbei wirtschaften, aber da Rote und Linke von Wirtschaft sowieso keine Ahnung haben, kommt sowas bei raus. Bravo!

  11. 8.

    Berlin gehört zum Tarifgebiet Ost.
    Hier gibt es die niedrigsten Löhne und Gehälter, auch im öffentlichen Dienst.
    Berlin hat die niedrigsten Beamtenbesoldungen.
    Hier gibt es überproportional viel sozial Schwache.
    Daher treffen Mieterhöhungen die meisten BerlinerInnen besonders hart.

  12. 7.

    Warum Versagen? Ich kenne keine deutsche oder europäische Stadt, die so sehr über die hohen Mieten jammert wie Berlin. Obwohl die Mieten hier für eine Millionenstadt eher niedrig sind. Die steigenden Mieten sind nur Ausdruck der besonderen Attraktivität der Stadt. Oder wollen Sie in die Mauerzeiten zurück?

  13. 6.

    Ein sehr guter FDP Vorschlag ist der "Miet-TÜV". Alles andere ist Unsinn, weder kann man den Eigentümern vorschreiben, was sie mit ihrem Geld zu machen haben, noch kann man unseriöse Spekulanten das Feld überlassen. "Rote" Politik sorgt in Berlin und Brandenburg für katastrophale Ergebnisse in der Bildungs- u. Wohnungspolitik. Ja so ist das, wenn man "Rot-Rot" wählt.

  14. 5.

    Sehr präzise vernünftige Vorschläge die Sie hier darlegen.
    Ist aber mit den Parteien CDU/CSU, SPD, GRÜNEN, FDP nicht machbar. Was die tatsächlichen Gesetzgebungen beweisen.
    Die Mehrheit der deutschen Wähler(innen) stimmt seit Jahrzehnten immer wieder für Privatisierungen im Wohnungswesen und Gesundheitswesen.
    Die Mehrheit der deutschen Wähler stimmt auch - trotz über acht Billionen Euro Vermögen in Deutschland - für Lohnzurückhaltung und Senkung des Rentenniveaus.
    Die Deutschen möchten drastische Mietpreisteigerungen und für wenig Gehalt bis 70 arbeiten. Dies bestätigen sie bei fast allen Wahlen immer wieder.

  15. 4.

    Jetzt werden die Jammer-Tiraden wieder losgehen. Die Mieten sind immer noch sehr günstig für eine europäische Hauptstadt. Und die Mieten steigen deshalb, weil es immer mehr Leute gibt, die sich das leisten können. Im Übrigen spricht niemand von den vielen Altmietern, die für einen Appel und Ei in bester Lage wohnen. Von denen ist nie die Rede. Ich kenne Leute, die in einer Kudamm-Seitenstraße für unter 5.00 Euro kalt wohnen...

  16. 2.

    Ich fürchte, da haben Sie die Rechnung ohne die gekaufte Republik gemacht.

    Die haben mit stillschweigender Zustimmung des Senats bis zuletzt in Marzahn Wohnungen vom Markt genommen, um künstlich eine Wohnungsknappheit herbeizuführen.

    Der Wähler sollte endlich aufhören diese Altparteien zu wählen.
    Und er sollte bei der Stimmauszählung dabei sein. und sich notieren, wie viele Briefwähler sind.

  17. 1.

    Eklatantes Politikversagen auf Bundesebene

    Die Ursachen für den Mietenanstieg in Berlin müssen unverzüglich gestoppt werden:

    1) Verlängerung des Änderungs- und Veränderungszeitraums zur Bildung der ortsüblichen Vergleichsmiete von vier auf zehn Jahre

    2) Veränderung der Kappungsgrenze von 15 % in drei Jahren auf 10 % in fünf Jahren

    3) Mietspiegel als einziges Begründungsmittel für eine Mieterhöhung

    4) Verfahren zum Inhalt und zur Aufstellung sowie Anpassung von Mietspiegeln gesetzlich regeln

    5) Wirtschaftsstrafgesetz reformieren

    6) Mietpreisbremse reformieren

    7) Neubau von bezahlbarem Wohnraum effektiv mit Neuer Wohnungsgemeinnützigkeit ankurbeln

    8) Wohneigentum zur Eigennutzung fördern

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