Ein Arbeiter in der Fertigungshalle für Elektrotriebzüge von Bombardier in Hennigsdorf (Quelle: imago/Jürgen Heinrich)
Audio: rbb | 19.05.2017 | Johannes Frewel

Jobs in Hennigsdorf bedroht - Aufsichtsrat nimmt sich Bombardiers Zugsparte vor

Kein Eisenbahn-TÜV für fabrikneue Züge, Scheitern bei der Ausschreibung für die Berliner S-Bahn: In der Zugsparte von Bombardier läuft es seit Jahren nicht rund. Über Konsequenzen spricht am Freitag der Aufsichtsrat. Es geht um hunderte Jobs. Von Johannes Frewel

Die kanadische Regierung greift dem Verkehrskonzern Bombardier mit Milliardenkrediten unter die Arme, um das Unternehmen zu retten. Zugleich drängen Pensionskassen, die Unternehmensanteile besitzen, auf eine Trendwende - hin in die schwarzen Zahlen. Sie wollen Geld für ihre Rentner sehen.

In Deutschland befindet sich das Hauptquartier der notleidenden Zugsparte. Sie soll stark gestrafft und umstrukturiert werden. In Hennigsdorf drohen Entlassungen und ein Aus für die Zugproduktion, befürchtet Betriebsrat Michael Wobst. Bis zu 900 Arbeitsplätze seien hier in Gefahr – "und das vor dem Hintergrund, dass der Standort Hennigsdorf ja ausgelastet ist, auch über die Jahre 2018, 2019, 2020 hinaus." Man wolle die Zahl der Standorte reduzieren, so Wobst, "zum Beispiel in Bautzen investieren in Infrastruktur, die hier in Hennigsdorf vorhanden ist."

Hennigsdorf vor Produktionsstart für "Talent 3"

Noch herrscht Geschäftigkeit in den Produktionshallen in Hennigsdorf. Die Mitarbeiter bereiten sich auf den Produktionsstart für den Pendlerzug "Talent 3" vor. Er gehört zu einer neuen Generation von Nahverkehrszügen für den europäischen Markt. Wo es keine Oberleitung mit Strom gibt, soll er abschnittsweise mit Batteriestrom fahren.

Das sei in der Branche ziemlich einmalig, betont Laurent Troger, Chef der Bahnsparte des kanadischen Verkehrskonzerns Bombardier. "So können wir Strecken auch über Ländergrenzen bedienen. Wir räumen die Grenzen beiseite und können europäische Städte grenzüberschreitend verbinden. Zuerst in Deutschland, der Schweiz und Österreich. Später aber auch in Nord- und Westeuropa."

Spekulation um Fusion mit Siemens-Zugsparte

Möglicherweise wird dieser Regionalzug Vorzeigestück eines neuen Unternehmens. Branchenkenner spekulieren über eine Fusion mit der Zugsparte von Siemens.

2016 sind die Auslands-Aufträge um fast die Hälfte eingebrochen. Der große chinesische staatliche Bahnkonzern CRRC schnappt der hiesigen Bahnindustrie zunehmend Aufträge weg. Der Aufsichtsrat von Bombardier muss eine Antwort auf diese Herausforderung finden. Die sollte wie der neue Talent 3 eine europäische Antwort sein, fordert Betriebsrat Michaeel Wobst. "Es gibt ja seit etwa zwei, drei Jahren sehr intensive Diskussionen auch in der Branche der Bahnindustrie in Deutschland ob man nicht mal darüber nachdenken müsste, so eine Art Airbus der Schiene zu diskutieren, wobei man auch einen europäischen Unternehmensverbund dem entgegensetzen kann."

Die Branche steckt in einem tiefen Strukturwandel. Wie es bei Bombardier weitergeht, soll offiziell erst entschieden werden, wenn es voraussichtlich bis Juli eine Einigung über Jobs mit dem Betriebsrat gibt.

 

Beitrag von Johannes Frewel

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